Sexuelle Belästigung im Freibad Mistelbach war erfunden

4. Juli 2016, 08:52
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13-Jährige wurde mehrmals befragt – Fahndung widerrufen – Kritik an Bürgermeister, der generelles Badeverbot für Asylwerber ausgesprochen hatte

Mistelbach / St. Pölten – Ein angeblicher Fall von sexueller Belästigung im Freibad Mistelbach war erfunden. Das hat nach Angaben der Landespolizeidirektion NÖ eine 13-Jährige nach mehreren Befragungen zugegeben. Das Ersuchen um Phantombildveröffentlichung und die Fahndung nach dem vermeintlichen Täter wurden somit widerrufen.

Das Mädchen hatte zunächst angegeben, am 22. Juni in den Nachmittagsstunden in einer Umkleidekabine missbraucht worden zu sein. In der Folge schwächte die 13-Jährige ihre Aussage ab. Sie habe sich in ein Handtuch gewickelt am Gang aufgehalten, als ihr ein Unbekannter aufs Gesäß geschlagen bzw. gegriffen habe. Letztlich stellte sich bei den Ermittlungen die Wahrheit heraus: Der gesamte Vorfall war erfunden. Der Fall hatte Boulevardmedien wie die "Kronen Zeitung" dazu veranlasst, einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Kriminalität herzustellen (Artikel mittlerweile gelöscht) und war in internationalen Medien berichtet worden.

Generelles Badeverbot für Asylwerber

Alfred Pohl (ÖVP), der Bürgermeister von Mistelbach, hatte nach der ersten Aussage des Mädchens ein Badeverbot für Asylwerber verhängt. Caritas und Diakonie warnten vor pauschaler Verurteilung von Flüchtlingen.

Pohl sagte am Montag zum STANDARD, die Maßnahme sei in Abstimmung mit Flüchtlingsbetreuern geschehen. Es sei auch darum gegangen, die Asylwerber zu schützen, denn in Mistelbach seien die Wogen hochgegangen und die Feindseligkeit gegenüber Flüchtlingen sei groß gewesen. Zum damaligen Zeitpunkt habe man davon ausgehen müssen, dass was passiert sei.

Pohl will aus dem Fall dennoch Lehren ziehen und daran arbeiten, dass die "hemmungslose" Stimmung besser wird. Ob weiterhin Securitys im Freibad stationiert werden, beschließt der Gemeinderat am Dienstag. Pohl kann sich stattdessen auch Sozialarbeiter vorstellen. (rwh, APA, 4.7.2016)

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