VW California: Zurück zur Natur

4. Juli 2016, 07:13
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Heute fahren wir ins Grüne – und schlagen unser Lager überall auf, wo es uns gefällt. Mit dem VW California ist man knapp am echten Wohnmobil dran – mit Schlafgelegenheit, Dusche(rl), Herd, Kühlschrank und Campinggestühl. Kostet aber leider eine Lawine

Wien/Tihany – Es kann ganz schön schütten, auch in Ungarn. Und die Blitze, die dem schweren Gewitter vorangehen, sind auch nicht ohne. Im California, der zu einem Wohn-, Schlaf- und Duschraum auf Rädern kondensierten Idee aus dem Hause Volkswagen, kann man aber selbst Wolkenbrüche bequem und sicher überstehen.

foto: andreas stockinger

Selbst unter Laubkronen von Lindenbäumen bleibt man am Ufer des Plattensees nicht lange geschützt vor den Wassermassen. So schnell kann man gar nicht schauen, schon schwimmt alles rundherum; der Balaton scheint über die Ufer hinauszuwachsen. Der California Ocean aber steht wie ein Fels auf dem Parkplatz. "Welcome to the Hotel California", tönt es aus den Boxen. Schon lange nicht hat der Siebzigerjahre-Hit der Eagles so gut gepasst.

Bettzeug, Polster, Proviant

Begonnen hat alles morgens in Wien. "Wo fahren wir hin?", lautete die Frage um sieben. Da segelten wir im California zu zweit am Flughafen Wien vorbei Richtung Osten, Bettzeug, Polster, Proviant und einiges mehr gut verstaut im Fond. Herrlich ist es Samstag in der Früh: die Stadt fast leer und auch auf der A4, der Ostautobahn, verhältnismäßig wenig Verkehr.

foto: andreas stockinger

Segel, das ist das gar nicht mehr so neue Modewort im Spritspar-Sprech der Autobauer. Technisch verbirgt sich dahinter antriebsfreies Gleiten ohne das bremsende Schleppmoment des Motors. Das macht Spaß und lässt frühzeitig Urlaubsstimmung aufkommen. Und der Camper fährt sich wie ein Pkw. Dennoch war an besagtem Morgen nicht der Weg das Ziel; irgendwann wollten wir auch wo ankommen. Also wohin? "Plattensee!" Gesagt, getan.

Balaton-Navigation

Das Navi ist rasch programmiert, berechnet die Entfernung bis Tihany: Bis zur gleichnamigen Halbinsel am Westufer des Balaton sind es demnach noch gut 200 Kilometer, zu schaffen in etwa zweieinhalb Stunden.

foto: andreas stockinger

Wir haben die Sollfahrzeit deutlich überschritten. Schuld war Pannonhalma, das uns fast magnetisch angezogen hat. Der California hat die Steigung hinauf auf den "heiligen Berg Pannoniens" ohne Murren geschafft. Dem Bann des vor 1000 Jahren gegründeten Benediktinerklosters konnten wir uns erst zwei Stunden später entziehen. Dann wurde es auch schon schwarz und schwärzer. Wer jetzt kein Haus hat ...

foto: andreas stockinger

Es tut gut zu wissen, keine Bleibe für die Nacht suchen zu müssen. Schließlich hat man alles dabei, was man so braucht. Und am nächsten Morgen ist das Wetter hoffentlich freundlicher.

Manchmal muss man raus

Tihany war dann bald erreicht, ein passender Platz für die Nacht rasch gefunden. Irgendwann muss man aber doch raus ins Freie, will man nicht im Sitzen schlafen. Also Schiebetür auf, Sitzbank nach vorn geschoben, Rückenlehne nach hinten geklappt und die gut verstaute Matratze bezogen. Das ging noch einmal gut. Wenige schwere Tropfen auf Rücken und Nacken kündigten an, was sich draußen bald abspielen sollte.

foto: andreas stockinger

Den Zwei-Flammen-Gaskocher haben wir dann nicht mehr angeworfen, das höhenverstellbare Dach ließen wir auch eingepackt. Dafür haben wir uns kräftig der 42-Liter-Kühlbox bedient. Dann noch schnell das Verriegelungssymbol auf der Fernbedienung gedrückt, und rein ins Bett, Blitze vor den Augen und Prasseln im Ohr – um wenig später aufzuschrecken. "Ist das nicht eine Sirene?"

Alarm, Alarm

Es ist nicht irgendeine Sirene, sondern die Alarmanlage des Campers. Als wäre das nicht genug, blinkt auch noch der Bus von außen wie wild. Herrjeee!!! Ein rascher Druck auf das Entriegelungssymbol hebt den Alarm auf. Guter Rat findet sich erst im Bordbuch. Der Hersteller geht offenbar davon aus, dass man das Fahrzeug mit der Fernbedienung nur von außen versperrt. Registriert die Innenraumüberwachung danach Bewegung, schlägt sie Alarm. Der Verriegelungsknopf für innen befindet sich in der Fahrertür.

foto: andreas stockinger

Die Nacht im Bus war herrlich, der Blick am Morgen auf den See ein Traum. Statt die eingebaute Dusche zu nutzen, haben wir uns für ein Bad im See entschieden. Die zwei Campingstühle hingegen, die in der Heckklappe verstaut sind, sowie der Tisch, der in der Schiebetür steckt, taten einen ausgesprochen guten Dienst. Der Preis für das Wohnen auf Rädern ist freilich heftig: 75.659 Euro aufwärts kostet der Spaß. Dafür bekommt man mancherorts schon ein kleines Haus mit Garten. (Günther Strobl, 4.7.2016)

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Volkswagen

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Leben auf Achse, im VW California alles andere als mühsam. Genug Stauraum sorgt dafür, dass nichts unnötigerweise herumliegt. Apropos liegen: Es schläft sich (fast) so wie in einem Hotelbett.
    foto: andreas stockinger

    Leben auf Achse, im VW California alles andere als mühsam. Genug Stauraum sorgt dafür, dass nichts unnötigerweise herumliegt. Apropos liegen: Es schläft sich (fast) so wie in einem Hotelbett.

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  • In der Hecktür sind noch zwei Campingstühle verstaut, ein Tisch in der Schiebetür.
    foto: andreas stockinger

    In der Hecktür sind noch zwei Campingstühle verstaut, ein Tisch in der Schiebetür.

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