Türkei-Tochter der Post will Anteile zurückkaufen

3. Juli 2016, 18:37
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Aras Kargo: Österreichischer Post fehlt es an Vision und Wachstumswillen

Wien – Die österreichische Post hat 2013 25 Prozent am türkischen Paketdienst Aras Kargo übernommen und zugleich eine Option auf weitere 50 Prozent gewährt bekommen. Seit einem Jahr wird über die Ausübung der Option vergeblich verhandelt. Die Familie Aras, der die restlichen 75 Prozent gehören, lehnt dies nun ganz ab und will stattdessen der Post ihre 25 Prozent wieder abkaufen.

Evrim Aras und Meral Aras, Mehrheitseigentümerinnen an der Aras Kargo, sehen nun die Mehrheitsübernahme der Post als "Schritt, der das Potenzial des Unternehmens beeinträchtige und große Risiken für die Anleger mit sich bringe" heißt es in einer Pressemitteilung vom Sonntagabend. Zugleich spart Evrim Aras nicht mit Kritik an der österreichischen Post. Diese habe "mit der Vision einer globalen Marke nicht Schritt halten können". Die Familie Aras habe das Unternehmen zu einer globalen Marke entwickeln wollen. Darum habe man sich einen internationalen Partner gesucht und mit diesem 2013 "einen auf Transformation ausgerichteten Geschäftsplan" entwickelt. Dabei seien die nötigen Investitionen festgelegt worden. "Die Österreichische Post verfügt leider nicht über die gleiche Flexibilität und das gleiche Wachstumspotenzial wie wir und konnte mit den Gegebenheiten der Türkei nicht Schritt halten", kritisiert Aras.

Angeblich zu geringe Investitionen

Investitionen von 150 Millionen Lira (nach aktuellen Kurs 46,86 Millionen Euro) seien vereinbart worden, unter anderem, um alle Umschlagzentren zu automatisieren, ausgegeben wurden aber nur 50 Millionen Lira. "Diese Investitionen waren sehr kritisch und sollten auch nicht nur von unserem ausländischen Partner finanziert werden. Diese Technologie-Investitionen hätten von Aras Kargo getätigt werden sollen, um das Wachstum und die Optimierung des Potenzials zu gewährleisten, jedoch hat die Leitung der Österreichischen Post sowohl die Umsetzung dieser Schritte verhindert als auch nicht zum richtigen Zeitpunkt die notwendige Courage gezeigt", heißt es in der Aussendung.

Dennoch sei Aras Kargo "derzeit eine der wertvollsten Marken der Türkei, Pionier des 5 Milliarden TL umfassenden Paketdienstsektors und dessen am raschesten wachsender Akteur". Dadurch habe Aras Kargo die besten Chancen, Branchenführer in der Region zu werden. "Aber leider hat sich herausgestellt, dass der von uns gezeigte gute Wille und unsere großen Bemühungen von der Gegenseite nicht gewürdigt wurden. Die Manager der Österreichischen Post haben diese für alle Beteiligten wertvolle Gelegenheit verpasst. Zu Beginn der Partnerschaft ahnten wir nicht, dass wir auf einen derartigen Investor treffen werden."

Harsche Kritik

Aus Sicht von Evrim Aras "verfügt die gegenwärtige Leitung der Österreichischen Post nicht über die kulturelle Vielseitigkeit, technologische Innovationskraft, Vision und Leidenschaft, um ein großes Unternehmen wie Aras Kargo führen zu können". Es fehlten dem Post-Management auch "die globale Perspektive und Vision, um mit der Struktur und Arbeitsweise in der Türkei mithalten zu können". Grundsätzlich habe man "begriffen, dass diese Eigenschaften von einem europäischen Unternehmen nicht richtig interpretiert werden können." Man habe zwar "großen Respekt vor dem österreichischen Volk und dem etablierten Unternehmen Österreichische Post, das mehrheitlich dem Volk gehört. Dies war auch einer der Hauptgründe, weshalb wir im Jahr 2013 einer Partnerschaft gegenüber positiv eingestellt waren, jedoch hat das Kompetenzgerangel sowohl der Geschäftsführung der Österreichischen Post als auch der von ihr in unseren Vorstand in der Türkei entsandten Führungskräfte Aras Kargo sehr geschadet."

"Wir als Familie Aras werden es nicht zulassen, dass Aras Kargo an Markenwert verliert", heißt es in der Aussendung. Die Familie Aras habe in der Verhandlungen "stets eine transparente und professionelle Haltung gewahrt. Leider konnten wir während dieses Prozesses bei der Gegenpartei nicht dieselbe Haltung erkennen". Man müsse zur Kenntnis nehmen, "manchmal kann das Vorhandensein eines ausländischen Partners auch dem türkischen Unternehmen schaden". Daher "lehnen wir die Kaufoption unseres österreichischen Partners ab und verkünden, dass wir den Anteil von 25 Prozent Aktien, den dieser an Aras Kargo, einer Marke der Türkei, halten, zurückkaufen wollen." (APA, 3.7.2016)

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