Sortieren auf englische Art

4. Juli 2016, 12:40
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Bei der britischen Briefwahl langen Briefwahlstimmen schon früh ein, sie werden sortiert – und wenn man im Vorhinein erfährt, was sie enthalten, ist das nicht aussagekräftig

London – Großbritannien wählt seit 80 Jahren stets an einem Donnerstag. Die Wahllokale bleiben von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Über die Urnen wachen kommunale Angestellte und Beamte, überwacht vom Beauftragten für die jeweilige Region, Kommune oder einen der 650 Wahlkreise für die Unterhauswahl. Dabei handelt es sich meist um einen Spitzenbeamten.

Unmittelbar nach 22 Uhr kommen die Urnen direkt zum zentralen Auszählungsort. Erst dort werden sie geöffnet. Vorabergebnisse gibt es also nicht; die Hochrechnungen beruhen auf der Befragung von Wählern unmittelbar nach deren Votum.

Rund ein Fünftel der Stimmen

Zuletzt stimmte rund ein Fünftel der Wählerschaft per Briefwahl ab. Da viele bereits unmittelbar nach Erhalt ihrer Unterlagen vier Wochen vor dem Wahltag die Kuverts in die Post geben, fallen in den Auszählungsorten erhebliche Mengen von Stimmen an.

Alle paar Tage werden die Umschläge geöffnet und die abgegebenen Stimmen auf ihre Gültigkeit geprüft. Dabei versuchen die Wahlbeamten, die Stimmen verdeckt zu halten, sodass den Kandidaten oder deren Beauftragten, die den Vorgang beobachten dürfen, Blicke auf die Stimmzettel verwehrt bleiben.

Deutung des Inhalts

Erfahrene Parteimanager behaupten aber, sie könnten dennoch häufig einen Trend ablesen. So änderte der Labour-Spitzenkandidat bei der Unterhauswahl 2015, Edward Miliband, in den letzten beiden Wochen der Kampagne seine Vorgehensweise, weil die Rückmeldungen aus den Wahlkreisen zu Recht auf ein schlechtes Abschneiden seiner Partei hindeuteten. Umgekehrt wiegten sich beim EU-Referendum die Verbleibe-Befürworter in falscher Sicherheit, weil die Briefwahlresultate von der Südküste Englands offenbar weniger schlecht ausfielen als befürchtet.

Briefwahlstimmen landen in eigenen Urnen und werden in der Wahlnacht mit den frisch abgegebenen Stimmen gezählt. Verzögerungen gibt es also nur durch allenfalls nötiges Nachzählen aller Stimmen. (Sebastian Borger aus London, 4.7.2016)

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