Olfaktorische Taktik

Kolumne3. Juli 2016, 17:38
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Joachim Löw hat – das hat sich mittlerweile ja herumgesprochen, auch dank der unbestechlich indiskreten Fernsehbilder – einen hervorragenden Riecher. Hat der deutsche Bondscoach einmal Witterung aufgenommen, hängt er unerbittlich dran am schweißenden Stück. Vor der Italienpartie roch er schon den Braten: "Man muss die Italiener mit den eigenen Mitteln schlagen – und manchmal auch mit Intelligenz."

Das mag in der hier gebotenen Kürze etwas hochnäsig hinüberkommen. Aber wenn es nicht ganz täuscht, meint Löw – Weltmeister Löw, so viel Zeit muss sein – damit die Umstellung auf die Dreierabwehr, die ja im Grunde eine Fünferabwehr ist im Fall des Falles. Löws Näschen ließ die Seinen also "den Spiegel" machen, eine beliebte spaßige Pantomime. Italien trat in dieser Formation ja schon seit 2006 (Weltmeister in Deutschland) immer wieder an. Es ist dies eine sehr flexibel umsetzbare, sozusagen ganz besonders situationselastische Aufstellung.

Geheimnisse, wirkliche Geheimnisse gibt es im moderneren und ganz modernen Fußball eh nicht mehr. Österreichs Team hätte sich also die angeordnete Blickdichtheit im Lager sparen können. Im modernen Fußball muss niemand mehr die Nase in des anderen Angelegenheiten stecken.

Es genügt, den richtigen Riecher zu haben. Man darf sich für nichts zu schade sein, also nicht gleich die Nase rümpfen. Immer wichtiger ist – "la Mannschaft" nennen sie die Löw'schen – auch der Stallgeruch.

Italien hat Löw mit friderizianischer Fortüne gebogen. Jetzt riecht es schon sehr streng nach Finale. Und Joachim Löw, darf man mutmaßen, weiß auch schon, wie es dorthin geht: immer der Nase nach. (Wolfgang Weisgram, 4.7.2016)

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    foto: afp/mehdi fedouach
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