Lyoness und Rapid: Ein Fall für die Justiz

4. Juli 2016, 07:00
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Die Flut an Anzeigen geschädigter Kunden gegen die Einkaufsgemeinschaft reißt nicht ab. Im Visier der Justiz ist auch ihre Partnerschaft mit dem Fußballklub Rapid

Wien – "25.000 Euro anzahlen und in fünf Jahren 186.812 Euro abkassieren. Jahrelang passiv Geld verdienen. Unglaubliche Möglichkeiten. Direkte Umsatzbeteiligungen. Extrem wichtige Info. Die Chance Eures Lebens. Wissensvorsprung. Ausverkauf in wenigen Stunden."

Wer in Informationsbroschüren und internen Mails der Einkaufsgemeinschaft Lyoness schmökert, landet in einer Welt, in der offenbar nur Milch und Honig fließen. Lebenslanges Einkommen, für das kein Finger zu rühren ist, scheint im Strukturvertrieb, der unter der Marke Lyconet läuft, zum Greifen nahe. Komplexe Diagramme suggerieren ein geradezu lawinenartiges Wachstum von Neukunden.

Von der glänzenden Fassade der vom Grazer Hubert Freidl gegründeten Rabattgesellschaft bröckelt jedoch der Lack ab. Ermittlungen wegen Verdachts auf Pyramidenspiel und Betrug wurden zwar eingestellt. Die Flut an Anzeigen geschädigter Kunden reißt dennoch nicht ab. Erst jüngst schaltete sich nach einer Anzeige des Konfliktmanagers Ben Ecker die Staatsanwaltschaft Köln ein. Partner wie Mastercard distanzieren sich von Lyoness. Und wie DER STANDARD erfuhr, ist auch die stark beworbene Kooperation mit dem Fußballklub Rapid im Visier der Justiz.

Rapid als Aushängeschild

Der Wiener Anwalt Josef Fromhold brachte in der Causa eine Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt ein. Der Vorwurf: Lyoness benutze Rapid als Aushängeschild und leiste, um an ihre Mitglieder zu kommen Sponsorzahlungen – diese freilich mit rechtswidrig einbehaltenen Kundengeldern. Die Zahl der einkaufenden Kunden werde beschönigt.

Ein Jahr ist es her, dass Rapid eine fünfjährige Partnerschaft mit Lyoness fixierte und dafür 1,8 Millionen Euro jährlich zugesichert bekam. Lyoness legte eine Rapid Cashback Card vor, die Rabatte im Einzelhandel verspricht. Und es gab 8.888 Vouchers à 1.500 Euro. Mit ihnen sollte man am Einkauf der Cashback-Card-Inhaber prozentuell mitverdienen. Fromhold sieht darin nicht rückforderbaren Kapitalzufluss an Lyoness ohne Gegenleistung. Lyoness halte damit ihr durch Anzahlungen finanziertes System aufrecht. Dass für Kapitalgeber nennenswerte Erträge rausschauten, sei zweifelhaft.

Lyoness geht auf die Vorwürfe auf Anfrage nicht näher ein. Wie viele Rapid-Cashback-Karten vergeben wurden, gibt der Betrieb aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht bekannt. Fromhold zufolge seien nach wie vor nur ein paar Hundert Karten aktiviert.

Der Anwalt vertritt in Summe rund 600 Geschädigte. Diese zahlten bei Lyoness über diverse Modelle mehr als fünf Millionen Euro ein und warten seither vergeblich auf in Aussicht gestellte Gewinne. Wie auch auf ihre Einzahlungen, die sich Lyoness einbehielt. Fromhold erwirkte, dass das Handelsgericht Wien Teile des Geschäftsmodells der Firma als verbotenes Schneeballsystem qualifizierte.

"Alibi-Firma"

Seit Kurzem ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft auf seine Anzeige hin auch rund um sogenannte Länderpakete. Diese sollten Mitgliedern, die 2000 bis 25.000 Euro einzahlten, passive Provisionen verschaffen, indem sie von Kundeneinkäufen in neu erschlossenen Ländern profitieren. Doch sie erhielten keine Gewinne, ihr Geld verblieb bei Lyoness, sagt Fromhold. Lyoness habe so etwa in Indien erst heuer "eine Alibifirma" gegründet. Für Dubai und die USA gebe es keine Lizenzen, in Frankreich nicht einmal eine Kontoverbindung.

"Lyoness ist mit Landesgesellschaften in Indien, den USA und Frankreich sowie in 44 weiteren Ländern vertreten", heißt es dazu hingegen aus der Grazer Zentrale. Lyoness dürfe zudem nicht mit Lyconet vermischt werden. Erstere umfasse eine kostenlose Mitgliedschaft, bei der man bei Partnerunternehmen günstiger kaufe.

Die Rückvergütung sei ebenso gering wie die Auswahl der Partnerbetriebe – es handle sich dabei zumeist um lokal tätige Kleinstfirmen, sagt Fromhold: Kika, Leiner, Bipa, Müller etwa akzeptierten die Karte schon seit 2014 nicht mehr. Auch das lässt Lyoness nicht gelten: Man verfüge über erfolgreiche große Handelspartner und baue die Handelsbeziehungen in allen Ländern massiv aus. (Verena Kainrath, 4.7.2016)

  • Auf verschlungenen Wegen mit jedem Einkauf mitverdienen: An die Fersen von Lyoness heften sich Konsumentenschützer und Juristen.
    dpa

    Auf verschlungenen Wegen mit jedem Einkauf mitverdienen: An die Fersen von Lyoness heften sich Konsumentenschützer und Juristen.

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