Debatte um Wölfe in Salzburg

4. Juli 2016, 07:00
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Wolf aus Kroatien riss Schafe im Pinzgau. Agrarlandesrat befürchtet wirtschaftlichen Schaden für Tourismus

Salzburg – Es ist zwar nur ein einzelnes Tier, und es ist vermutlich nur auf der Durchreise, aber die Aufregung ist groß: Im Juni hat ein Wolf – er stammt ziemlich sicher aus Kroatien – in Fusch an der Glocknerstraße im Bezirk Pinzgau gleich mehrere Schafe, Lämmer und Ziegenkitze gerissen. DNA-Proben haben eindeutig bestätigt, dass Isegrim der Übeltäter war.

Es ist heuer der erste größere Zwischenfall mit einem Wolf im Land Salzburg. Vergangenes Jahr konnten drei Wölfe im Bundesland nachgewiesen werden.

Bei den betroffenen Bauern ist der Unmut jedenfalls groß. Sie bekommen zwar für jedes tote Tier eine Entschädigung in der Höhe von bis zu 200 Euro, der Schaden sei damit aber nicht gedeckt, beklagen sie. Allein die Suche nach ihren verschreckten Tieren benötige enorm viel Zeit.

Unterstützung bekommen die Almbauern von Agrarlandesrat Sepp Schwaiger (ÖVP). Es sei "kurzsichtig", zu glauben, dass das Wiederauftauchen des Wolfs allein ein Problem der Landwirtschaft sei, sagt Schwaiger. Es bestehe die Gefahr, dass es auch "massive Auswirkungen auf die Kulturlandschaft und den Tourismus" geben werde. Schwaiger befürchtet, dass immer mehr Bauern die Almen nicht mehr beweiden lassen und so Kulturlandschaft verlorengehe.

Hirtenhunde bedrohen Wanderer

Die von Naturschützern vorgeschlagenen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune oder Hirtenhunde hält der Politiker für nicht realisierbar. Hunderte Hektar Almgebiet könne man einfach nicht "wolfsdicht" einzäunen; Hirtenhunde würden auch Wanderer als Bedrohung der Herde wahrnehmen und diese attackieren, warnt Schwaiger.

"Der ländliche Raum ist kein Zoo, sondern vor allem Lebens- und Wirtschaftsraum für Menschen." Schwaiger fordert eine Änderung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU. Im Klartext also eine Lockerung des Schutzes der Wölfe. Er kann sich die Betäubung von Wölfen vorstellen.

"Verträgliches Miteinander"

Schwaigers Regierungskollegin, Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler (Grüne), sieht die Sache etwas anders. "Einzelne durchziehende Tiere sollten kein Problem sein", sagt ein Sprecher Rösslers auf Anfrage des STANDARD. Rössler plädiert für ein "verträgliches Miteinander" von Almwirtschaft und Wolf. Derzeit seien die Schäden überschaubar.

Für ein Miteinander plädieren auch die Naturschützer von WWF und Naturschutzbund. Sie setzen vor allem auf die Behirtung der Herden und auf Hunde. Entsprechende Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zeigten, dass dies erfolgreich laufe.

Davon will Schwaiger freilich nichts wissen: Dies sei für die Almbauern existenzbedrohend und für die öffentliche Hand nicht finanzierbar. Die Forderung nach Herdenschutzprogrammen und finanzieller Unterstützung widerspreche einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld. (Thomas Neuhold, 4.7.2016)

  • Wölfe werden auch in Mitteleuropa wieder heimisch. Bauern und ihre Vertreter haben damit wenig Freude.
    foto: ap/gary kramer

    Wölfe werden auch in Mitteleuropa wieder heimisch. Bauern und ihre Vertreter haben damit wenig Freude.

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