Erster Gebetsruf in der Hagia Sofia seit 85 Jahren

3. Juli 2016, 15:46
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Die Hagia Sofia in Istanbul wird Schritt für Schritt wieder eine Moschee

Istanbul/Athen – "Danke, mein Präsident", schreiben ergeben die Kolumnisten in den türkischen Regierungszeitungen. Konservativen Muslimen, Nationalisten und jungen Radikalen hat Tayyip Erdogan jetzt einen Traum erfüllt: Die Hagia Sofia in Istanbul wird Schritt für Schritt wieder eine Moschee. Am Samstag hat erstmals seit 85 Jahren ein Imam aus dem Inneren des riesigen Gotteshauses zum Morgengebet aufgerufen, live übertragen vom türkischen Staatsfernsehen und mit dem Leiter der mächtig gewordenen Religionsbehörde Diyanet unter den Gläubigen. Die "Nacht der Bestimmung", eine besonders gesegnete Nacht gegen Ende des Fastenmonats, ging gerade vorbei.

Entsprechend groß ist die Erwartung unter den türkischen Muslimen, dass die Uhr nun nicht mehr zurückgedreht wird. Mehr als 900 Jahre lang war die Hagia Sofia die Kathedrale von Byzanz, die Kirche des "zweiten Rom". 480 Jahre hindurch, seit der Eroberung Konstantinopels durch die Muslime, diente sie als Moschee: bis Kemal Atatürk kam, der Gründer der türkischen Republik, und Staat und Religion trennte. Aus der Hagia Sofia wurde ein Museum, für das Besucher aus aller Welt Eintritt zahlten und wo fortan weder Christen noch Muslime beten sollten. Vor allem nationalistisch gesonnenen, gläubigen Türken war das ein Dorn im Auge.

Die rechtsgerichtete Parlamentspartei MHP fordert bereits seit Jahren die Öffnung der Hagia Sofia als Moschee. Ultranationale Gruppen wie der Anatolien-Jugendverein und die Alperen Ocaklar beteten vor dem Bauwerk. (Markus Bernath, 3.7.2016)

  • Die Hagia Sofia in Istanbul war zuletzt ein Museum, für das Besucher aus aller Welt Eintritt zahlten und wo weder Christen noch Muslime beteten. Das ändert sich nun.
    foto: apa/afp/ozan kose

    Die Hagia Sofia in Istanbul war zuletzt ein Museum, für das Besucher aus aller Welt Eintritt zahlten und wo weder Christen noch Muslime beteten. Das ändert sich nun.

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