Warum Attensam auch im Sommer an Schneechaos denkt

4. Juli 2016, 16:16
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Wiener Unternehmer kritisiert strenge Arbeitszeitregelung und dass es auch sonst kein Manko an Barrieren in Österreich gibt

Wien – Oliver Attensam genießt derzeit wie viele andere Menschen den Sommer. Der kommende Winter liegt bereits hinter ihm – jedenfalls in planerischer Hinsicht. Und das heißt, dass er von einem Schneechaos ausgeht. Ob dieses kommt oder nicht – als Chef des gleichnamigen Hausbetreuungsunternehmens, das ein Drittel seines Umsatzes mit Winterservice macht, muss er schließlich für alles gerüstet sein.

Auch wenn das Geschäft mit Hausbetreuung seinen Aussagen nach gut läuft – mit einem Wachstum heuer wie im Vorjahr um sechs Prozent –, es könnte besser sein, würden Unternehmen in Österreich aus seiner Sicht nicht so viele Barrieren in den Weg gelegt werden. Als Hürde sieht Attensam vor allem die Arbeitszeitregelungen, die es seinen mehr als 1.000 Beschäftigten nicht erlaubten, mehr als höchstens zehn Stunden pro Tag zu arbeiten.

Zu wenig flexibel

Viele seiner Mitarbeiter wären bereit, unter der Woche mehr zu tun mit der Option, sich anschließend ein paar Tage länger in ihren Heimatländern aufhalten zu können. Seit einigen Jahren seien auch die Möglichkeiten, Prämien steuerschonend auszuzahlen, eingeschränkt. "Gewollt sind hierzulande offenbar die, die gern gemütlich arbeiten wollen", schlussfolgert er.

Auch sonst läuft in seinen Augen im System Österreich einiges falsch – zum Beispiel der Umgang mit der Mindestsicherung. "Wenn jemand genauso viel kriegt ohne Arbeit, bleibt er doch klar zu Hause und pfuscht nebenher. Wenn einer nicht arbeiten will, darf er doch nicht belohnt werden", empört sich Attensam.

Wenig Fluktuation

Zugegeben, reich wird man als Mitarbeiter einer Reinigungsfirma nicht gerade. Der kollektive Stundenlohn liegt bei 8,20 Euro. Das sind monatlich im Schnitt gerade einmal 1.000 Euro netto. "Das ist entsetzlich wenig", sagt der 48-jährige Firmenchef und betont, über dem Kollektivvertrag zu zahlen. Das führe auch dazu, dass die Fluktuation der Belegschaft in seinem Unternehmen sehr gering sei. Etwa jeder Fünfte arbeite seit mehr als zehn Jahren in dem 1980 gegründeten Familienbetrieb, zwei Drittel mehr als drei Jahre.

"Fleißiger als Urösterreicher"

Dennoch sei es schwer, neue Leute zu bekommen. Zum Teil kann er zwar nachvollziehen, dass "nur wenige davon träumen, Reinigungskraft zu sein". Doch zum anderen stellt er sich in dieser Hinsicht die Frage: "Wo sind die 500.000 Arbeitslosen, die wir in Österreich haben?" Der Großteil von Attensams Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben Migrationshintergrund. Ihre Kinder würden zwar nur selten beruflich in die elterlichen Fußstapfen treten. Doch kämen immer wieder welche gern als Ferialpraktikanten, erzählt er und findet, dass "diese Kinder oft fleißiger sind als jene von Urösterreichern".

Investitionen mit Weitblick

Was es für den geprüften Meister für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung heißt, ein Familienunternehmen zu führen? Nach außen hin sei es juristisch gesehen ja nicht anders, als Chef irgendeiner Firma zu sein, antwortet er. Von innen her gesehen bedeute es, nicht nur von einem Quartal oder Jahr aufs nächste zu denken und zu planen. Es bedeute, Investitionen mit Weitblick zu tätigen, die erst längerfristig Gewinn abwerfen, zu wissen, dass die Mitarbeiter einem glauben. "Und darauf zu hoffen, dass eines Tages eines meiner vier Kinder im Alter von 14, elf, neun und sieben Jahren das Unternehmen übernimmt." (Karin Tzschentke, 4.7.2016)

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