Maschinenindustrie rechnet mit "Stagnation auf allen Ebenen"

3. Juli 2016, 15:02
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Brexit-Entscheidung der Briten macht die Lage nicht einfacher – Ablehnung von bezahlter Arbeitszeitverkürzung und Maschinensteuer

Wien – Der aktuelle Konjunkturausblick für die kommenden drei Monate deutet auf eine "Stagnation auf allen Ebenen" hin, heißt es in einer Aussendung der österreichischen Maschinen-, Metallwaren- und Gießereiindustrie (MMGI) heute Sonntag. Dabei sei bei diesem Ausblick die Entscheidung der Briten aus der EU auszutreten noch nicht gefallen gewesen, und "das Brexit-Votum ist für die Branche von Bedeutung".

Die Auftragsbestände im Maschinenbau lägen auf schwachem Niveau und zeigten einen Trend nach unten. Schon vor der EU-Austritts-Entscheidung in Großbritannien sei die Branche "enorm unter Druck" gestanden. Es habe schon seit Jahren "wenig bis kaum Wachstum" gegeben. Während die Inlandsinvestitionen sinken, steigen Investitionen und Produktion im Ausland. Bei der Beschäftigung sei es 2015 zu einem Rückgang gekommen, so die Analyse der Branche.

Vier Prozent nach UK

Für die MMGI komme nun noch der bevorstehende Brexit hinzu: Rund vier Prozent der Maschinen- und Metallwarenexporte gehen nach Großbritannien, das entspreche 1,1 Mrd. Euro. Die Branchenmitglieder haben 111 Auslandstöchter mit 32.600 Beschäftigten im Vereinigten Königreich.

MMGI-Obmann Christian Knill nutzte den Konjunkturausblick dazu, die zuletzt von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ventilierten Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung und Maschinensteuer uneingeschränkt abzulehnen: "Jede Form der bezahlten Arbeitszeitverkürzung, egal ob eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit oder der erleichterte Zugang zur 6. Urlaubswoche, ist für Knill Gift für den Standort, weil sie die Arbeitskosten erhöht, anstatt sie zu senken. Es ist schlicht unmöglich, vor allem in diesen volatilen Zeiten, mit höheren Kosten Wachstum zu generieren", heißt es in der Aussendung. Das sollten Gewerkschaften und SPÖ "endlich akzeptieren und von diesen weltfremden Forderungen Abstand nehmen".

In Österreich seien die Lohnstückkosten seit 2008 um 15,9 Prozent gewachsen, während sie im EU-Schnitt nur um 9,8 Prozent, in der Schweiz um 3,5 Prozent zugelegt hätten. Knill wünscht sich daher "innerhalb der nächsten sechs Monate" eine Senkung der Lohnnebenkosten um fünf Prozent, steuerliche Entlastung für Betriebe, die Reduzierung von Regulierung und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit ohne Erhöhung der Jahres-Gesamtarbeitszeit. Dazu gehörten in Spitzenzeiten zwölf Stunden Arbeit pro Tag. (APA, 3.7.2016)

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