Mehr als zweihundert Tote bei Anschlägen in Bagdad

Video4. Juli 2016, 10:09
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IS bekennt sich zu Anschlag in Hauptstadt – Wut der Anrainer richtet sich gegen Ministerpräsident Haider al-Abadi

Bagdad – Eine Woche nach dem Fall ihrer Hochburg Falluja hat die Terrormiliz IS ein kräftiges "Lebenszeichen" von sich gegeben: Bei einem Selbstmordanschlag im Herzen von Bagdad sind am Sonntag mindestens 213 Menschen ums Leben gekommen. Weitere mehr als 140 Menschen wurden verletzt, als sich der Attentäter in der Früh mit einer Autobombe inmitten einkaufender Menschen in die Luft sprengte.

Die Tat ereignete sich in dem belebten Geschäftsviertel Karrada, wo wegen der bevorstehenden Feierlichkeiten zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan zahlreiche Menschen ihre Einkäufe erledigten. Ein weiterer Sprengsatz detonierte Polizeikreisen zufolge auf einem Markt im Schiitenviertel Al-Shaab im Norden der Stadt. Dort habe es mindestens zwei Tote gegeben. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) erklärte, der Anschlag habe sich gegen Angehörige der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gerichtet. Die sunnitische Miliz verübt immer wieder Anschläge auf Schiiten, die sie als Ungläubige ansieht.

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Der Attentäter sprengte einen Kühlwagen in die Luft. Die Wucht der Explosion war so groß, dass Feuer in zahlreichen Gebäuden in der Umgebung ausbrach. Zwölf Stunden nach dem Anschlag kämpften Feuerwehrleute noch immer gegen die Flammen. Hussein Ali, ein 24-jähriger ehemaliger Soldat, berichtete, im Laden seiner Familie seien sechs Angestellte getötet worden. Ihre Leichen seien so stark verkohlt, dass sie nicht identifiziert werden könnten. "Ich gehe wieder an die Front. Da weiß ich wenigstens, wer der Feind ist, und kann gegen ihn kämpfen. Hier weiß ich nicht, gegen wen ich kämpfe", sagte er.

Proteste gegen Abadi

Ministerpräsident Haidar al-Abadi besuchte den Anschlagsort und versprach nach Angaben seines Büros, die für die Tat Verantwortlichen würden "bestraft". Sein Konvoi wurde von wütenden Anwohnern mit Steinen und Flaschen beworfen. Abadi hatte nach der Rückeroberung der IS-Hochburg Falluja mehr Sicherheit versprochen, allerdings ist kein Rückgang der Anschläge zu beobachten.

Das US-Präsidialamt verurteilte die Anschläge und teilte mit, die USA seien nun umso entschlossener, den Irak im Kampf gegen den IS zu unterstützen. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem "weiteren schrecklichen Terrorangriff". "Wir werden in diesen schwierigen Zeiten weiter zum Irak stehen", teilte Kurz auf Englisch über Twitter mit. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt. Es gebe "keinerlei Rechtfertigung für diese barbarischen, menschenverachtenden Taten", erklärte sie auch mit Blick auf den islamistischen Angriff auf ein Lokal in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Der Uno-Gesandte Jan Kubich verurteilte die "feige und abscheuliche Tat von beispiellosem Ausmaß". (APA, 3.7.2016)

  • Ein Einkaufszentrum nach der Explosion.
    foto: reuters/saad

    Ein Einkaufszentrum nach der Explosion.

  • Feuerwehrleute und Zivilisten am Tatort.
    foto: apa/afp/sabah arar

    Feuerwehrleute und Zivilisten am Tatort.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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