Gabriel fordert deutsche Staatsbürgerschaft für junge Briten

2. Juli 2016, 12:40
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SPD für harten Umgang mit Großbritannien nach EU-Ausstiegs-Votum

Berlin – SPD-Chef Sigmar Gabriel macht sich dafür stark, jungen Briten die deutsche Staatsbürgerschaft anzubieten. Die Brexit-Entscheidung sei vor allem von älteren Wählern in England und Wales gefällt worden, sagte Gabriel am Samstag in Berlin auf einem Europa-Kongress der deutschen Sozialdemokraten (SPD). "Deswegen dürfen wir nicht einfach die Zugbrücke hochziehen", so der deutsche Wirtschaftsminister.

Man müsse sich überlegen, was man den jungen Briten anbieten könne. Die SPD sei immer für eine doppelte Staatsbürgerschaft gewesen. "Lasst sie uns auch den jungen Briten anbieten, die in Deutschland, Italien oder Frankreich leben, damit sie EU-Bürger bleiben können in diesem Land", so der deutsche Vizekanzler.

Klarheit für Brexit-Fahrplan

Bereits vergangene Woche hatte sich Grünen-Politiker in diesem Sinne geäußert. Die EU-Staaten sollten jungen Briten auf dem Kontinent sofort Rechtssicherheit über ihren künftigen Status anbieten, sagte etwa die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, Rebecca Harms.

Gabriel forderte die EU-Staaten aber zu einer harten Linie in den Austrittsverhandlungen mit Großbritannien aufgefordert. "Erst feilschen, dann versagen und dann klammern – das ist das Motto, dem wir nicht nachgeben dürfen". "Würden wir das zulassen, wäre das eine Einladung an alle nationale Egoisten", sagte Gabriel mit Blick auf andere EU-Staaten.

Deshalb müsse es nun schnell Klarheit für den Brexit-Fahrplan geben, forderte er angesichts von Äußerungen führender britischer Konservativer, dass es möglicherweise in diesem Jahr keinen Austrittsantrag mehr geben werde. "Der Brexit selbst gefährdet Europa nicht", sagte der SPD-Politiker. Europa sei nur gefährdet, wenn man falsch damit umgehe. "Wir wollen keine Nachahmer auffordern, Europa noch mehr in Schwierigkeiten zu bringen."

Gabriel forderte von CDU und CSU, keine falsche Rücksicht auf die britische Regierung zu nehmen. "Die deutschen Konservativen haben eine große Verantwortung dafür, dass sie nicht auch Europa spalten", warnte er. Im übrigen sei der Austritt Großbritanniens nicht unumkehrbar. Das Land könne später wieder in die EU zurückkehren. "Ich bin sicher, historisch ist das eine Episode, keine Epoche." (APA/Reuters, 2.7.2016)

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