20-mal großartig essen im Piemont: Das Beste zum Schluss

10. Juli 2016, 10:00
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Große Küche und ganz große kleine Wirte in Harald Fidlers Piemont-Karte

Das Beste kommt zum Schluss: Schmeck's verabschiedet sich mit Harald Fidlers Lieblingswirten im Piemont. Mit den ganz Großen und den kaum minder großen Kleinen. Alles völlig subjektiv, aber mit Leidenschaft über mehr als eineinhalb Jahrzehnte – teils vielfach – durchprobiert. Und damit ist dann auch Schluss mit dieser kleinen, dreckigen Gastrokolumne auf derStandard.at.

Roter Stern Piemont

Auf der Karte finden Sie meine Lieblinge mit roten Sternen markiert. Ich habe kurz überlegt, zwischen Großen (und teils teureren) wie dem Centro in Priocca oder dem Torre in Cherasco einerseits und den für mich ganz Großen unter den Kleinen – wie dem räudigen Ranzini in Turin, dem wuchtigen Bercau in Verduno oder auch dem Klassiker Madonna della Neive in Cessole – zu differenzieren. Aber ich besterne nun doch meine Lieblinge gleich durch, aus den Kurzbefunden und den Links finden Sie leicht heraus, womit Sie zu rechnen haben.

Die aus meiner subjektiven Sicht ganz guten Lokale hab' ich in der Karte mit gelben Rauten gekennzeichnet. Und Wirte, die ich nach meinen Besuchen nicht unbedingt wiedersehen will, mit einem kleinen gelben Wandersmann.

Und das ist meine Bestenliste – mit Karte, aber ohne Rangordnung:

La Torre / Cherasco: Vielleicht das beste, jedenfalls eines der liebsten

Vielleicht das beste Lokal in Harald Fidlers Piemont-Überblick, und jedenfalls mein großer Favorit seit Jahren. Hier ein paar schöne Bilder (also von Katharina Schell) aus 2012. Zuletzt hab' ich das La Torre im Herbst 2015 begeistert heimgesucht. Begeistert etwa von Steinpilzen, Agnolotti, Bries, Schnecken, Bunet, ach, einfach das volle Programm – nein, ohne Trüffel.

foto: katharina schell
Schöner Schweinebauch im La Torre.

Il Centro / Priocca: Nicht günstig, aber höchst preiswert

Keine Okkasion, aber beeindruckende Qualität und herausragendes Können haben ihren Preis. Und wenn schon Trüffel, dann wirklich schöne – also zum Beispiel im Centro in Priocca. 2012 zum bisher letzten Mal besucht, und ich betone: Leider, Zeit wird's wieder. Mehr appetitanregende Bilder aus dem Centro von Katharina Schell hier. Schön und gut.

foto: katharina schell
Wenn schon Trüffel, dann wirklich schöne, zum Beispiel im Centro in Priocca.

Scannabue / Turin: Eine ganz große Überraschung

Ein räudiges Viertel, unter der Woche gibt's hier auch Burger als Menü – aber garantiert hervorragende. Eine der schönsten Überraschungen des Piemont in den vergangenen Jahren ist das Scannabue, mit Hang zur Brasserie und noch stärkerem Hang zu hervorragendem Essen. Ich sage nur: die Ochsenschlepp-Ufos. Und die Finanziera. Die wirklich tolle Taube. Ja, ich war ziemlich hingerissen im Herbst 2015 – und hier mehr dazu.


Consorzio / Turin: Vom inneren Wert des fünften Viertels

Wenn endlich ein Wirt draufkommt, dass man die Finanziera am besten in Ravioli füllt. Wenn dieser Wirt auch eine herrlich fette Jungsau aufträgt. Und dieser Wirt dann auch noch eine Platte mit vier ziemlich herausragenden inneren Werten des fünften Viertels hinstellt – Rückenmark, Hirn, Kutteln, Magen. Dann muss dieser Wirt auf meine Liste. Mehr dazu für unerschrockene Esser (und auch erschrockene) hier.


Repubblica di Perno / Monforte d'Alba: Das Glück der Scheidung

Der langjährige Chef der La Libera in Alba suchte sich quasi hinter dem Monforte gleich eine neue Republik, und ich beantragte sogleich die Staatsbürgerschaft. Gewaltige Taube, großartig leichte Finanziera, in der Tat spannende Gemüse-Tajarin und kühle Brennesselcreme. Hier gibt's mehr dazu. 2016 für mich entdeckt.


Del Vignaiolo / La Morra: Immer wieder, aber schon schöner

Über lange, lange Jahre meine Lieblingsadresse: Großes, großartiges Essen für einen unschlagbaren Preis. Die Wachtel. Die Jakobsmuschel mit Steinpilzen. Die Carne Cruda. Aber: Was lange währt, nützt sich vielleicht auch ein bisschen ab. Bei Wirtschaft wie Gast. Im Herbst 2015 war ich nicht mehr ganz so begeistert, vielleicht lag's auch an neuem, mir jedenfalls nicht so bekanntem Personal. Aber vermutlich noch immer ziemlich herausragend, also trotzdem in der Liste. Mehr auf Schmeck's gibt's zum Beispiel hier.


Santisé / Calliano: Bester Esel, schöner Hahnenkamm

Schon für die Eselsbacke in dieser kleinen Bestenliste: Ich hoffe, das Santisé ist noch annähernd so gut, wie wir es 2010 erlebt haben. Unscheinbar von außen, sehr gediegen im Inneren des Gemäuers – und ziemlich gut. Mehr hier.


Lou Sarvanot / Stroppo: Gemüse und Kräuter im Höhenrausch

Ein Wirtshaus, hoch in den Bergen, aber den kurvigen Aufstieg mehr als wert. Schon für Kräuter- und Gemüseeinsatz und ganz insgesamt eine ganz, ganz andere piemontesische Küche. Auch wegen der schwierigen Lage zur Langhe leider 2011 zum letzten Mal besucht, mehr dazu hier. Damals mit einem R zuwenig im Wirtsnamen, seh' ich grad.


Dai Bercau / Verduno: Hier kommen die ganz großen Kleinen

Fließend der Übergang zu den großen Kleinen in dieser Schmeck's-Piemontkarte, er begann schon mit Lou Sarvanot und setzt sich mit der Trattoria Dai Bercau vollends durch. Bei unserem – garantiert nur bisher – letzten Besuch im Herbst 2015 plötzlich ein Stück schicker, vielleicht auch ein bisschen größer, aber noch immer sehr gut und ziemlich günstig. Pflichttermin. Allein für die Ziegenmilch-Panna Cotta. Reservieren empfiehlt sich. Mehr (von meiner ersten Visite 2013) hier.

foto: harald fidler
Allein für die Ziegenmilch-Panna-Cotta lohnt sich ein Besuch im Bercau.

La Genzianella / Fabbrica Curone: Durchgetrüffelt für 55 Euro

Wenn man hinter zumindest sieben Bergen (und weitab der Langhe) liegt, empfiehlt es sich, a) ein Bett zum Menü anzubieten und b) zu sympathischen Preisen c) ordentlich zu kochen. La Genzianella kocht a) weit mehr als ordentlich, zu b) hochsympathischen Preisen, auch c) für einen gar nicht kleinen Trüffelwahnsinn – und hat d) durchaus erträgliche Zimmer. Ab nach Selvapiana, sag ich. Heimgesucht 2013, mehr dazu hier.


Del Ciclista / Borgomanero: Ein Radfahrer zeigt Pferdestärke

In Borgomanero isst man Pferd, das zieht den Fidler selbst ins nördlichere Piemont. Pferd isst hier auch der Radfahrer: In der Trattoria del Ciclista erkennen wir – jedenfalls bei unserem nicht mehr ganz rezenten Besuch 2011 – ein grundsympathisch einfaches Wirtshaus mit Pferdestärke. Eine Empfehlung in der Hoffnung, dass die Tradition lebt. Hier mehr über die Freuden des Huftiers.


Caffè Vini alias Ranzini / Turin: Im Fleischbällchenbad

Als "Fest der Räude" auf Schmeck's präsentiert, und wirklich eine sehr einfache Weinbar mit sehr einfachen Gerichten – aber verdammt gut, wie übrigens auch der eine oder andere Wein. Das Ranzini würde ich – seit meinem Erstbesuch (erst) 2015 – bei keiner künftigen Turin-Visite freiwillig auslassen. Mehr dazu hier.

foto: harald fidler
Fleischbällchenbad Ranzini – ein Fest der Räude.

Osteria della Pace / Sambuco: Sentimental Journey

Ich hab' die Osteria della Pace nicht überschwänglich beschrieben, damals, nach meinem Besuch 2011. Aber: Sie wächst in meiner Erinnerung. Rundum herrliche, durchaus bezwingbare Berge. Und dicke, vom Wirten persönlich gedrückte Nudeln. Ich muss da wieder mal hin. Mehr über die Erstbesteigung hier.


Cantina dei Cacciatori / Monteu Roero: Kaninchen und Eierschwammerl

Und weiter zurück in der Sentimentalen: Kantine mit schwerem Hang zum Understatement. Sehr schöne, lappige Carne Cruda. Großartige Eierschwammerl-Tajarin. Und erst das graue Kaninchen! Besucht 2009 und leider seither nicht mehr. Mehr über 2009 hier.


Del Peso / Belvedere Langhe: Geradezu göttlich (einfach), auch das Lamm

Es war ein großer, kleiner Mittagseinstieg in die Langhe, vom Süden, und ganz einfach, und doch recht schwer: prototypische Trattoria, wuchtig und gut. Wir schreiben 2009, seither hab ich's nicht mehr in die Trattoria del Peso geschafft. Aber das Lamm war, selbst nach vielen, vielen Gängen, ziemlich göttlich gut. Mehr über einen großartigen Familiensonntag hier.


Da Gemma / Roddino: Erinnerung an Berge rohen Fleisches

War jemand letztens bei Da Gemma? Ich gewiss nicht nach den 2010er-Jahren. Aber, nach meiner schwelgenden Erinnerung: eine legendäre Cantina Communale, zu einer (würde ich sagen:) ebenso soliden Trattoria ausgewachsen. Mehr über die frühen, vermutlich verklärten Erfahrungen über Berge aus rohem Fleisch hier.


La Cirenaica / Rocchetta Palafea: Klein & nett

Nennen Sie meine Auswahl ruhig beliebig: Ich fand diese vielstöckige Kantine in Rocchetta Palafea grundsympathisch, vielleicht auch, weil der Vorabend nicht so nett war. Und obwohl ich mittags eine Art Schwein Hawaii serviert bekam, durchaus (sprachunsicher) bestellt, will ich diese Tschumse empfehlen. Mehr dazu hier.


Mercato da Maurizio / Cravanzana: Zu lang ist's her

Sorry, dieses durchaus ansehnliche Wirtshaus gibt's nicht oder zumindest nicht mehr auf Schmeck's, daher auch kein Link. Obwohl und weil es eines unserer allerersten Piemont-Ziele und auch -Lieblinge war. War, obwohl man hier wirklich sehr solide isst und ganz gut schläft – jedenfalls in den Nullerjahren. Daher, auch sentimental: eine Erwähnung, ohne Link.


La Coccinella / Serravalle Langhe: Und wieder viel zu lange aus

War eine der sachkundigen Userinnen, einer der wortgewaltigen Poster womöglich in letzter Zeit in Serravalle Langhe, im La Coccinella? Ich hab das Marienkäferchen in hervorragender Erinnerung, aber leider auch schon viel zu langer. Der letzte Eintrag auf Schmeck's datiert schon aus 2008. Lohnt sich der Weg noch so wie damals?


Madonna della Neve / Cessole: Das Heimspiel

Meister des Understatements an ziemlich malerischer Adresse: Großmeister der Antipasti und meist auch der Primi, für die Secondi reichte bei unseren Besuchen die Kraft vielleicht nicht ganz – jene des Gastes wie der Küche. Aber: Wer braucht die Hauptspeis' hier schon wirklich. Außer als weitere Untermauerung der hochseriösen Weinkarte vielleicht. Ein Schmeck's-Klassiker. Frühe Besuche sind hier dokumentiert.


Das war's nun mit Schmeck's. Schön war's meist mit Ihnen, jedenfalls immer spannend und an- oder aufregend – ich danke für Ihr Interesse! Und: Guten Appetit weiterhin! (Harald Fidler, 10.7.2016)

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