Ärger über "Bananen" in Spielberg

1. Juli 2016, 18:56
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Die neuen Randsteine bereiten den Fahrern größtenteils Kummer – Massa begrüßt Umgestaltung

Sie werden "Baguettes" oder "Bananen" genannt und treffen bei den Formel-1-Fahrern auf wenig Gegenliebe. Mit zusätzlichen gelben Randsteinen soll auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg verhindert werden, dass die Piloten in Hoffnung auf einen Zeitgewinn die Strecke verlassen. Max Verstappen machte im Freien Training am Freitag unliebsame Bekanntschaft damit und beschädigte sein Auto zwei Mal.

Der Teenager aus den Niederlanden bezeichnete die neuen Kerbs als "unglaublich". Der 18-Jährige landete am Vormittag nach der fünften Kurve mit einer gebrochenen Radaufhängung im Kiesbett. Schon davor hatte er sich bei einer Begegnung mit den Randsteinen den rechten Frontflügel abgefahren. "Die gelben Kerbs in den schnellen Kurven sind wirklich gefährlich", funkte der Red-Bull-Hoffnungsträger an seine Box.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten auf der Strecke sind heuer in jeder der offiziell neun gezählten Kurven neue Randsteine installiert worden. 10 Zentimeter hohe Extra-Begrenzungen wurden in den Kurven eins (Castrol Edge), zwei (Remus) und neun (Red Bull Mobile) angelegt. 50 Millimeter hohe "Sausage Kerbs" (dt. Würste), wie es in der offiziellen Sprachregelung heißt, kamen jeweils an den Ausgang der ersten und der zweiten Kehre. Zudem wurden in allen Kurven außer der moderaten vierten neue gerippte "Negative Kerbs" eingebracht.

Maßnahme "ausschließlich für die Formel 1"

Vor dem Gastspiel der Motorrad-Weltmeisterschaft im August müssen die zusätzlichen Hindernisse wieder abmontiert werden. "Für die MotoGP ging es überhaupt nicht. Das war eine Maßnahme, die ausschließlich für die Formel 1 war", informierte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Die Fahrer sollen dadurch angehalten werden, auf Abkürzungen zu verzichten und die Streckengrenzen zu respektieren. Dadurch entsteht allerdings auch ein Sicherheitsrisiko. Für Wolff überschreiten die gelben Gebilde den grünen Bereich. "Wir haben schon Belastungen gesehen auf der Aufhängung, die über das Maß hinausgehen, wie wir es eigentlich haben sollten", erklärte der Österreicher.

"Natürlich sollte man bestraft werden, wenn man zu weit rauskommt, aber das ist vielleicht etwas zu hart", meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner gegenüber "SkySports F1". Die schlauchartigen "Sausage Kerbs" waren auf anderen Kursen in der Vergangenheit schon für Unfälle verantwortlich gewesen.

Wolff wäre für Beseitigung

Am Freitagabend sollte analysiert werden, ob die für viele störenden Objekte vor der finalen Trainingseinheit am Samstagvormittag (11.00 Uhr) entfernt werden müssen. "Ich denke, nach der Fahrerbesprechung werden sie darüber diskutieren, ob es überhaupt sinnvoll ist, sagte Wolff. Nachsatz: "Ich wär eher dafür, dass sie es wegmachen."

Es gibt aber auch andere Stimmen. Williams-Hoffnung Felipe Massa begrüßte die neuen Begrenzungen. "Das macht die Strecke schneller, weil man mehr Platz hat", sagte der Brasilianer. Die zusätzlichen gelben Randsteine sollte man eben tunlichst vermeiden. Und Ferrari-Pilot Sebastian Vettel merkte lapidar an, dass Red Bull einfach stärkere Frontflügel bauen sollte.

Aufgrund der großzügigen Auslaufzonen des Red Bull Rings tendieren die Fahrer dazu, mit ihren Autos sehr weit auszuholen und dafür später bremsen zu können. 2014 strichen die Stewards aus diesem Grund bei einigen Fahrern Qualifying-Rundenzeiten, u.a. jene von Lewis Hamilton. Kerbs sind nicht Teil der Strecke, heißt es im Regulativ.

In Baku bereits Diskussionsthema

Zwei Woche nach Baku wird in der Formel 1 damit schon wieder über Randsteine diskutiert. Beim Premieren-Rennen auf dem Stadtkurs in Aserbaidschan hatten sich einige dieser Kerbs gelockert und mussten deshalb durch "aufgemalte" Versionen ersetzt werden. (APA, 01.07.2016)

  • Im Jahr 2002 war die Welt noch in Ordnung. Damals gab es die zusätzlichen gelben Kerbs noch nicht.
    foto: dpa/multhaup

    Im Jahr 2002 war die Welt noch in Ordnung. Damals gab es die zusätzlichen gelben Kerbs noch nicht.

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