Wo die Angst im Kopf sitzt

1. Juli 2016, 18:35
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Max-Planck-Forscher erkannten, dass das Angstempfinden nicht nur in konkreten Hirnregionen, sondern auch in bestimmten Zellen beheimatet ist

München – Man weiß ja, in welcher Hirnregion die Angst sitzt, etwa im Mandelkern (Amygdala). Was bisher völlig unbekannt war: Sind auch bestimmte Zelltypen für ein verstärktes Angstempfinden verantwortlich? Und welche Nervenzellen vermitteln diesen Effekt?

Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München haben sich nun den Unterschieden zwischen Nervenzellen mit angsterregenden und Nervenzellen mit hemmenden Botenstoffen gewidmet. Sofern der Botenstoff Glutamat von den Nervenzellen gebildet wird, agieren diese nämlich erregend, während Nervenzellen mit dem Botenstoff GABA derlei Aktivitäten bremsen. Dabei war auch der Glucocorticoidrezeptor für das Stresshormon Cortisol relevant, der verstärkte Angst vermittelt.

Die Wissenschafter schalteten den Rezeptor entweder nur in der erregenden Zellpopulation oder in hemmenden Nervenzellen aus. Die aktuell in der Zeitschrift "Molecular Psychiatry" publizierte Arbeit zeigt: Ausschließlich Mäuse, in denen der Glucocorticoidrezeptor in erregenden Neuronen ausgeschaltet war, hatten weniger Angst. Die andere Gruppe zeigte keine Wirkung.

Besonders wichtig dürfte die Erkenntnis sein, dass außer der Hirnregion auch der Typ der Zellen entscheidend für das Angstempfinden ist. Daraus sollten sich neue Behandlungsmöglichkeiten für psychische Erkrankungen ergeben. (red, 1.7.2016)

  • In ganz wenigen Fällen hat Angst auch etwas mit Entertainment zu tun. Zum Beispiel beim Besuch einer Geisterbahn
    foto: holger hollemann/dpa

    In ganz wenigen Fällen hat Angst auch etwas mit Entertainment zu tun. Zum Beispiel beim Besuch einer Geisterbahn

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