Sollen Kinder wählen dürfen?

User-Diskussion6. Juli 2016, 05:30
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Wahlen und Volksbefragungen: Der wahlberechtigte Teil der Bevölkerung bestimmt die Zukunft der noch nicht Wahlberechtigten. Soll es ein Kinderwahlrecht geben?

In der Politik werden Entscheidungen getroffen. Oft sind das solche, die erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten Auswirkungen haben, getroffen müssen sie aber jetzt werden. Bei Befragungen und Wahlen hat die Bevölkerung eines Landes die Möglichkeit, die Politik zu beeinflussen. Diese Möglichkeit hat aber nur der wahlberechtigte Teil der Bevölkerung. Wahlberechtigt sind die jeweiligen Staatsbürger eines Landes, die ein bestimmtes Wahlalter erreicht haben.

Wählen mit 16

In Österreich dürfen Menschen, die das 16. Lebensjahr am Wahltag vollendet haben, wählen. Bis 2007 lag das Wahlalter noch bei 18 Jahren. Gesenkt wurde es, da junge Menschen bereits mit 16 Jahren strafmündig und geschäftsfähig sind, über ihren Bildungsweg entscheiden, zum Teil schon im Berufsleben stehen und somit auch über ihre Zukunft entscheiden können sollen.

Die Bevölkerung hat durch Wahlen oder Volksbefragungen die Möglichkeit, politische Entscheidungsträger zu nominieren beziehungsweise für oder gegen eine konkrete Frage zu stimmen.

Brexit und Wehrpflicht

An einigen Ergebnissen solcher Befragungen kann man sehen, dass ältere Menschen anders wählen und entscheiden als der jüngere Teil der Bevölkerung. Bei der aktuellen Debatte um den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union etwa zeigt sich das sehr deutlich. 73 Prozent der 18- bis 24-Jährigen stimmten mit "Remain", also für den Verbleib in der Europäischen Union, während 57 Prozent der 55- bis 64-Jährigen mit "Leave", dem Austritt, stimmten. Und bei den über 65-Jährigen waren sogar 60 Prozent für den Austritt. Insgesamt sagten 51,9 bei dem Referendum "Leave" und 48,1 Prozent "Remain".

In Österreich stimmten 2013 bei der Volksbefragung zur Abschaffung der Wehrpflicht insgesamt 59,7 Prozent mit "Nein". Schaut man sich das Ergebnis nach dem Alter an, sieht man deutlich, dass die jungen Wahlberechtigten (63 Prozent der 16- bis 29-Jährigen) mehrheitlich für die Abschaffung stimmten und mit steigendem Alter der Zuspruch für die Wehrpflicht wuchs.

Auswirkungen auf die Zukunft

Beide Befragungen zeigen, die Entscheidungen sind weitreichend und deren Auswirkungen liegen in der Zukunft. Beim Brexit können die Dimensionen der Entscheidung noch nicht einmal festgemacht werden, da vieles noch offen ist und erst in Verhandlungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union zutage treten wird. Bei der Volksbefragung zur Abschaffung der Wehrpflicht sind die Auswirkungen klar. Junge Männer müssen für eine bestimmte Zeit entweder zum Bundesheer oder zum Zivildienst. Diese jungen Männer hatten damals nicht die Möglichkeit, diese Entscheidung mitzutragen. Es wurde für sie entschieden.

Warum dürfen Kinder nicht wählen?

Das mag eine abwegige Frage sein. Doch warum soll das Wahlalter bei 16 Jahren liegen und nicht etwa bei 14 oder 15 Jahren? Könnte es gar ein Recht ab der Geburt sein? Ist für Sie die Festlegung das Wahlalters willkürlich gewählt? Wären Sie für ein stellvertretendes Wahlrecht, was bedeutet, dass Eltern für ihre Kinder wählen dürfen? Was bedeutet es für Sie, "wahlreif" zu sein? Würden durch ein sogenanntes Kinderwahlrecht die Interessen junger Menschen eher berücksichtigt werden, oder sollten junge Wahlberechtigte sich einfach stärker an Wahlen beteiligen? Diskutieren Sie die Vor- und Nachteile eines Kinderwahlrechts! (haju, 6.7.2016)

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