Gesünder leben: Besseres Essen für BMW-Mitarbeiter

3. Juli 2016, 09:00
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Der deutsche Autohersteller denkt über gesundes Mittagessen für sein Personal nach

München – Über sechs Millionen deutsche Arbeitnehmer tun es täglich. Allein oder mit Kollegen: Sie essen in der firmeneigenen Kantine. Das "K-Wort" wird in der Branche aber nur ungern in den Mund genommen. Zu sehr haftet ihm der ungesunde Geschmack aus zu viel Salz und künstlichen Aromen an. Essen für die Massen, das stundenlang warmgehalten wird, serviert auf aschgrauen Plastiktellern, standardmäßig unterteilt in Separees für zu weich gekochtes Gemüse, Hauptspeise und Sättigungsbeilagen.

Doch die Zeichen stehen auf Wandel in der Welt der Betriebsrestaurants und Gemeinschaftsgastronomie, wie die Kantine heute heißt. Und das mithilfe prominenter Unterstützung. So bekocht der Österreicher Johann Lafer seit 2012 Gymnasiasten im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach mit gesundem Essen. Auch der ehemalige Sternekoch Roland Trettl will die betriebsinterne Mitarbeiterausspeisung von ihrem Schmuddelimage befreien und denkt über vegetarische Menüs für den internationalen Caterer Sodexo nach.

Bleibt noch Starkoch Eckart Witzigmann, der in dem zunächst für ein halbes Jahr angelegten Pilotprojekt "NAHtürlich" für mehr gesunde Frische in der Münchner Großküche des BMW-Konzerns sorgen will. Das Projekt klingt ehrgeizig, fast utopisch. Schließlich betreibt der bayerische Automobilhersteller an seinen neun Standorten in Deutschland und Österreich 41 Betriebsrestaurants. 47.000 Mittagessen konsumieren die Mitarbeiter täglich.

Drei Millionen Schnitzel

Die 101 Köche könnten eine Stadt wie Dornbirn satt machen. 260 Tonnen Fleisch sind es im Jahr. In der panierten Maßeinheit: rund drei Millionen Schnitzel. Das Vorhaben ist zunächst auf das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) begrenzt. Das Konzept: saisonale und einfache Speisen aus der Region, dem süddeutschen Raum, größtenteils in Bio-Qualität. Landen Tiere auf dem Teller, müssen sie aus artgerechter Haltung oder bestandserhaltender Fischerei stammen.

Einfache Rezepte, mit wenig Zutaten und möglichst schonend zubereitet. "Zurück zur qualitativen Einfachheit", nennt das Martin Straubinger, Leiter der BMW Betriebsgastronomie. "Anders wäre das nicht umsetzbar", ergänzt er. Denn die Suche nach geeigneten Lieferanten ist schwierig, auch wenn das Angebot momentan auf rund 800 Menüs pro Tag begrenzt ist. Derzeit sorgt eine Erzeugergemeinschaft von kleinbäuerlichen Betrieben für den Genussfaktor. Ebenfalls mit an Bord: eine Biokäserei, die sich um die Desserts kümmert.

Drei unterschiedliche Gerichte werden im Wochenrhythmus angeboten. "Indem wir den Speiseplan nicht täglich wechseln, lässt sich auch der Ausschuss, der im Müll landet, reduzieren", sagt der Betriebsküchenchef.

Auch noch günstig

Das Ziel ist, die Gesundheit der Mitarbeiter zu verbessern. Das heißt, die Currywurst mit Pommes, die seit Jahren unangefochten den ersten Platz unter den beliebtesten Gerichten in Deutschlands Betriebsgastronomien einnimmt, soll sukzessive durch gebratene Forelle mit Blattspinat, Kartoffelnockerl mit Salbei und Zucchini oder Stangenspargel mit Schinken ersetzt werden. Zu einem günstigen Preis, der im Mittel bei etwa fünf Euro liegt. Kostendeckend ist das nicht: "Zwei Drittel zahlt der Mitarbeiter, der Rest wird von uns zugeschossen" , sagt Straubinger. Im Endeffekt profitiert davon auch der Autohersteller, denn gesunde Mitarbeiter sind weniger häufig im Krankenstand, leisten mehr und erhöhen die Produktivität.

Der Konzern will, sofern das Konzept aufgeht, einen Anteil von bis zu 40 Prozent mit der "NAHtürlich"-Schiene erreichen. Allein in München wären das etwa 4000 Mittagessen pro Tag. Dass diese Größenordnung logistisch zu schaffen ist, zeigt die "Bio-Mama" Carola Petrone aus dem bayerischen Weßling. Seit mehreren Jahren beliefert sie täglich Schulen und Kindergärten mit frisch zubereiteten, regionalen Speisen aus ökologischer Landwirtschaft. Insgesamt kochen und liefern zehn Mitarbeiter das Essen für die Sprösslinge. Durch die kurzen Wege ist das Essen maximal eine Stunde in der Warmhaltebox unterwegs. Aufgewärmt wird es nicht. Wenn dieser Trend anhält, könnte das böse "K-Wort" tatsächlich irgendwann unpassend sein. (Günther Brandstetter, 3.7.2016)

  • Reform beim Kantinenessen: weg mit der Currywurst, hin zu Bio und Forelle.
    foto: istock

    Reform beim Kantinenessen: weg mit der Currywurst, hin zu Bio und Forelle.

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