Steinhof: Baubewilligung für 66 Wohnungen "in den nächsten Tagen"

1. Juli 2016, 15:34
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Gesiba errichtet ab Herbst 2016 auf dem sensiblen Otto-Wagner-Areal 66 Wohnungen – Insgesamt sind 140 Neubau-Einheiten geplant

Wien – Es tut sich was rund um die Wiener Steinhofgründe. Nach jahrelangen Diskussionen um die Bebauung des Otto-Wagner-Areals und Verzögerungen werden im südlichen Teil des Ostareals ab Herbst dieses Jahres zunächst 66 Wohnungen errichtet. Das sagte Ewald Kirschner, Chef des gemeinnützigen Bauträgers Gesiba, der sich im Eigentum der Stadt Wien befindet, dem STANDARD. "Die Baubewilligung wird in den kommenden Tagen erteilt."

Die Ausschreibungen würden in Kürze veröffentlicht. Der Baubeginn für die vier Objekte sei für den Spätherbst 2016 angepeilt, mit der Übergabe der ersten Wohnungen ist 2018 zu rechnen. Man halte sich beim Projekt "minutiös an das Expertenergebnis".

Denn seit Jahren wehren sich Bürgerinitiativen heftig gegen diverse Bebauungspläne auf dem Areal. Projekte, die den Bau von 600 Wohnungen vorgesehen haben, mussten nach einem Baustopp 2011 verworfen werden. Die Stadt Wien veranlasste daraufhin ein Mediationsverfahren und setzte eine Expertenkommission ein. Das Ergebnis sah eine deutliche Reduktion der Pläne vor.

Auch Wohnungen in Pavillons

Insgesamt sollen in den nächsten Jahren auf dem Areal im Eigentum der Stadt zehn neue Objekte mit 140 Wohnungen entstehen. Für rund die Hälfte dieser Einheiten erfolgt eben im Herbst 2016 der Baustart. 60 bis 80 weitere Wohnungen sollen in bereits bestehenden, denkmalgeschützten Jugendstil-Pavillons des dortigen Otto-Wagner-Spitals realisiert werden.

Die forensische Akutpsychiatrie des Krankenanstaltenverbundes (KAV) soll etwa bis Ende 2017 geschlossen werden. Sie ist die einzige Häftlingspsychiatrie in Wien mit aktuell zwölf Betten. Laut Gesiba-Chef Kirschner werde das Gebäude bestandsfrei übergeben und ab 2018 für Wohnungen revitalisiert. Weitere Pavillons würden nach der stückweisen Absiedlung des Spitals folgen.

Kritik an Vamed-Klinik

Bürgerinitiativen laufen gegen die Projekte weiter Sturm. So wurde auf Betreiben der "Initiative Steinhof" der internationale Denkmalpflege-Beirat Icomos aktiv, der den "Heritage Alert" auslöste. Icomos berät das Unesco-Welterbe-Komitee und sprach in einem Brief Ende Dezember 2015 an Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) von einer "besorgniserregenden Situation". Der Heritage Alert kann auch für Gebäude erfolgen, die nicht auf der Welterbeliste stehen.

Icomos und Bürgerinitiativen kritisieren auch den Bau der Vamed-Rehaklinik Wien Baumgarten auf dem Areal, die aktuell um 70 Einzelzimmer erweitert wird. "Der Bau schließt teils an die historische Steinhofmauer an, die bereits mehrfach durchbrochen wurde", sagte Carola Röhrich von der Bürgerinitiative. Außerdem würde das Euthanasie-Mahnmal auf dem Areal, das an die rund 800 NS-Kindermorde am Spiegelgrund erinnert, durch die Bauten seinen Gedenkcharakter verlieren.

Gesamtnutzungskonzept bis Ende 2016

Weitere Bautätigkeiten sind von der Stadt nicht geplant. Ein Gesamtnutzungskonzept für das Areal soll bis Ende 2016 stehen. Beauftragt wurde damit die Wiener Standortentwicklung GmbH, die eine Tochter der Wien Holding ist und sich damit ebenfalls im Eigentum der Stadt befindet. Die Krankenhausabteilungen des Otto-Wagner-Spitals sollen im Zuge der Spitalsreform nach und nach bis etwa Mitte der 2020er-Jahre abgesiedelt sein. Geplant ist ein Mix aus Sport, Gesundheit, Erholung, Bildung, Kultur – und eben Wohnen. (David Krutzler, 2.7.2016)

  • Auf den Steinhof-Gründen sollen in den kommenden Jahren rund 200 Wohnungen entstehen – davon 140 in Neubauten. Eine Bebauung zwischen den historischen – und denkmalgeschützten – Pavillons (wie hier im Bild) soll laut Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) weiterhin nicht möglich sein.
    foto: gisela erlacher / wse / pid

    Auf den Steinhof-Gründen sollen in den kommenden Jahren rund 200 Wohnungen entstehen – davon 140 in Neubauten. Eine Bebauung zwischen den historischen – und denkmalgeschützten – Pavillons (wie hier im Bild) soll laut Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) weiterhin nicht möglich sein.

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