Wie hat Ihnen Nicolas Winding Refns "The Neon Demon" gefallen?

Umfrage4. Juli 2016, 13:12
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Im neuesten Film des dänischen Regisseurs geht es um das harte Modelbusiness in L.A. Oder doch um etwas ganz anderes? Die Kritiken sind sich uneins – was sagen Sie zu dem Film?

Wenn Tom Hardy als "Bronson" in Refns gleichnamigem Film (2009) seine Gegner zu Brei haut und die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt kein Ende finden mag, geschieht das immer auch mit einer gewissen visuellen Eleganz. Gewalt, oder besser: deren ästhetisierte Darstellung, kann als eines der großen Themen in Nicolas Winding Refns Filmen gesehen werden – ein Thema, das durchaus variantenreich bearbeitet wird: Im Gegensatz zu dem mit Augenzwinkern inszenierten "Bronson" kam "Drive" (2011) relativ ironiefrei daher, auch wenn böse Zungen dem Film ein gewisses komisches Potenzial unterstellen könnten.

Die stilistische Imposanz und beeindruckende Visualität wird den Filmen von Nicolas Winding Refn jedoch kaum jemand absprechen wollen. Genregrenzen scheinen den Dänen auch nicht sonderlich zu interessieren – so zeigte sich die Kritik beim Wikinger-Epos "Walhalla Rising" (2009) damit konfrontiert, dass die Grenze zwischen Splatter- und Kunstkino kaum auszumachen war.

Aktuell ist der Regisseur mit "The Neon Demon" im Kino vertreten. Elle Fanning spielt die junge Jesse, die sich ins Modelbusiness von L.A. begibt – mit blutigen Konsequenzen.

Was sagen die Kritiken?

Der Film trifft auf geteiltes Echo. Die glänzende Oberfläche, der Soundtrack und die strengen Farbgeometrien kündeten von einem Popjuwel, urteilt DER STANDARD. Übrig blieben aber letztlich nur halbgare Ideen. Die Stilisierung, die so gut wie alle Refn-Filme durchwirkt, sei hier zu durchsichtig geraten, die Figuren zu flach, die Selbstreferenzialität zu laut. Während die erste Hälfte des Film vor allem im Modus eines "kopflosen Thrillers" gehalten sei, blitze in der zweiten Hälfte die Satire durch. Allerdings geschehe dies zu spät, "um den Film noch herumzureißen". Refn "ist selbst viel zu angefixt von seiner Edeltrash-Optik, um am Ende die Ästhetisierung mit einem ironischen Manöver zu entlarven".

Im "Spiegel" steht Refns Konzentration auf die Thematik des Sehens im Vordergrund. Weiter als die meisten Regisseure, die ja durch das Medium des Films per se den Zusammenhang zwischen Sehen und dem menschliche Auge zum Thema hätten, gehe es Refn auch in einem stofflichen Sinne um das menschliche Sehorgan. Es gehe um dessen Verletzlichkeit und Fragilität – Augen, die schon in den bisherigen Filmen des Dänen auf unterschiedlichste Art und Weise malträtiert wurden, würden hier unter anderem gegessen. Die Kritik streicht die Referenzen an Luis Buñuel und Salvador Dalí in "Ein andalusischer Hund" (1929) hervor. Auch hier werde das Auge brutal zerstört. Refns ganze Philosophie des Kinos, so der "Spiegel", scheine in dieser Szene enthalten zu sein: "In ihr kommt das Kino mit Gewalt auf sich selbst zurück."

Mit Blick auf das filmische Gesamtkonzept Refns fällt das Urteil im "Spiegel" letztlich weitaus positiver aus als im STANDARD. Es gehe eben nicht um eine Milieustudie, nicht um eine "realweltliche" Perspektive, um psychologische Komplexität oder gar Handlung. Es gehe allein "um das Kino selbst", ein Kino, das nichts wolle außer sich selbst. Was in "Drive" und "Only God Forgives" nur angedeutet war, nämlich "in einer an allen Fronten nach außen hin verriegelten Selbstgenügsamkeit", sei hier gelungen: "Ein egoistisches Kino, das nur sich selbst schön findet, das sich an sich selbst nicht sattsehen kann, so sehr, dass es beinahe an sich selbst erstickt – siehe jene emblematische Szene mit dem Auge."

Was sagen Sie?

Wie hat Ihnen der Film "The Neon Demon" gefallen? Können Sie mit einzelnen Aspekten der Kritik etwas anfangen, oder haben Sie eine gänzlich andere Meinung zu dem Gesehenen? (jmy, 4.7.2016)

  • Wer ist die Schönste im ganzen Land?
    foto: thimfilm

    Wer ist die Schönste im ganzen Land?

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