Renato Sanches: "Leute kritisieren uns, das ist uns egal"

1. Juli 2016, 13:47
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Portugal ohne Sieg über 90 Minuten ins Halbfinale, Polen trotz Aus für Zukunft optimistisch

Marseille – Cristiano Ronaldo war anzusehen, wie glücklich er war. "Das ist eine unvergessliche Nacht", sagte er mit einem Lächeln, "der Traum kommt immer näher." Dann war er auch schon wieder weg, er eilte zum Bus, doch Ronaldo und die Portugiesen mussten mit der Abfahrt warten: auf Renato Sanches. Der 18-Jährige, für den der FC Bayern München mindestens 35 Millionen Euro zahlt, und der dem Superstar glatt die Show stahl. Ohne Sanches dürfte Ronaldos Traum nicht wahr werden. Möglicherweise auch mit Sanches.

Nach dem Elfmeterkrimi gegen Polen (5:3) steht Portugal im Halbfinale der EURO, trotz eines eher schwachen Ronaldo, und obwohl die Seleção das Quinas auch ihr fünftes Spiel in Frankreich nicht in regulärer Spielzeit gewann. Aber: Den Minimalisten von Trainer Fernando Santos ist das egal. Die Zeitung Correio de Manhã brachte es auf den Punkt: "Man muss auch sagen, dass Portugal nicht auf Topniveau spielt. Aber wenn es am Ende reicht, wen interessiert es dann?"

"Leute kritisieren uns, das ist uns egal"

Ronaldo jedenfalls scheint es immer weniger zu stören, dass die Erfolge der Portugiesen eher glanzlos sind. Schon das 1:0 nach Verlängerung im Achtelfinale gegen Kroatien war rein nichts für Ästheten gewesen, zuvor hatte es in der Vorrunde nur zu drei Unentschieden gereicht. Zum Beispiel 0:0 gegen Österreich. "Die Leute werden uns kritisieren, aber das ist uns egal. Wir sind im Halbfinale", sagte Sanches. Und jetzt, betonte Ronaldo, "jetzt kann alles passieren. Nicht viele haben etwas auf uns gegeben, aber ..."

Sogar sein großes Ego scheint Ronaldo plötzlich nicht mehr wichtig. Er zeterte wie üblich ein wenig herum, so, als seien seine Mitspieler seiner nicht würdig. Aber er wusste, bei wem er sich dafür zu bedanken hatte, dass er seinem ersten Titel mit der Nationalmannschaft wieder einen Schritt nähergekommen ist: "Man kann ihm einfach nur gratulieren", sagte er über Jungstar Sanches – ein kurzes, aber ehrliches Lob vom Kapitän für den Startelf-Debütanten.

Spieler des Spiels

Es lag nicht an Ronaldo, dass Portugal sich wieder irgendwie durchmogelte. Es lag in erster Linie an Sanches: Er dribbelte, er trickste und er erzielte nach dem polnischen Führungstreffer durch Robert Lewandowski nach 100 Sekunden das wichtige 1:1 (33.). Es schien, als würde er schon ewig auf der großen Bühne zaubern, auch wenn er später nicht mehr ganz so präsent war. Zum "Spieler des Spiels" wurde er dennoch gewählt – zum zweiten Mal bei dieser EM, wie gegen Kroatien.

"Renato hat großartig gespielt und ein tolles Tor geschossen. Er ist ein fantastischer Spieler", sagte Trainer Santos, doch er schränkte auch ein: "Er ist ein großes Versprechen, er kann noch besser werden. Dafür muss er aber sein ganzes Können auf dem Feld abrufen." Er ist allerdings auf dem besten Wege dazu, mit 18 Jahren und 317 Tagen war Sanches der drittjüngste Torschütze der EM-Geschichte. "Das ist ein Moment, den ich genießen muss", sagte er.

Tatsächlich aber schien es Sanches unangenehm, dass er im Mittelpunkt stand und der Bus auf ihn warten musste. "Das Team kommt zuerst, dann individuelle Auszeichnungen."

Es ist dieser Teamgeist, der die Portugiesen ins Halbfinale gebracht hat: Wenn Ronaldo einen schlechten Tag erwischt, und wie gegen Polen gleich mehrmals beste Chancen verstolpert, springen die Mitspieler ein. Das sieht nicht wirklich schön aus, aber es ist durchaus effektiv. (red, sid, 01.07.2016)

  • Renato Sanches, künftig bei Bayern München.
    foto: reuters/hartmann

    Renato Sanches, künftig bei Bayern München.

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