Grünfinkenbestände in Österreich binnen vier Jahren halbiert

1. Juli 2016, 12:29
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Experten vermuten, dass die Vogelkrankheit Trichomoniasis hinter dem drastischen Rückgang steckt

Wien – Die Bestände der Grünfinken in Österreich haben sich seit 2012 halbiert. Damals gehörte der Grünfink (Chloris chloris) mit rund 235.000 Brutpaaren noch zu den 15 häufigsten heimischen Brutvögeln. Als Grund für den "alarmierenden Bestandsrückgang" vermuten Experten eine Trichomoniasis. Diese Krankheit verbreitet sich hauptsächlich über Futterstellen und Vogeltränken, teilte die Vogelschutzorganisation BirdLife mit.

Die Krankheit

Die Vogelkrankheit wird durch einzellige Parasiten aus der Familie der Trichomonaden hervorgerufen. Ein anderer Vertreter aus dieser Familie löst beim Menschen eine ebenfalls als Trichomoniasis bezeichnete sexuell übertragbare Krankheit aus. Die Parasitenspezies, die Vögel befällt, besiedelt vor allem die Schleimhaut von Rachen und Kropf und behindert die Nahrungsaufnahme – was bis zum Tod durch Verhungern führen kann.

Die ersten Symptome für eine mögliche Trichomoniasis sind aufgeplusterte Vögel, die krampfhaft zu fressen versuchen und nicht mehr wegfliegen. Wird dies beobachtet, sollte die Fütterung eingestellt, Futtergeräte und Vogeltränken mit heißem Wasser gereinigt und Futterreste entsorgt werden.

Maßnahmen

Weil man bei frei lebenden Tieren nicht aktiv gegen die Krankheit vorgehen kann, sieht Rene Brunthaler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien als wichtigste Maßnahme, "die Ansteckungskette bei den Vögeln zu unterbrechen und große Vogelansammlungen wie an Futterplätzen oder Vogeltränken zu verhindern".

BirdLife empfiehlt daher, Futterstellen während des Sommerurlaubs nicht unbeaufsichtigt zu lassen und regelmäßig zu kontrollieren. Sollten kranke oder tote Vögel beobachtet werden, müsse die Fütterung sofort eingestellt werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Laut Brunthaler ist das Auftreten dieser Krankheit fast ausschließlich auf Grünfinken beschränkt. Warum gerade diese Art so sensibel reagiert, sei bisher nicht bekannt. (APA, red, 1. 7. 2016)


Link
BirdLife Österreich

BirdLife ruft dazu auf, Trichomoniasis-Verdachtsfälle zu melden (Kontakt: office@birdlife.at / Tel.: 01/5234651)

  • Der Grünfink ist zum Glück als nicht gefährdet eingestuft, auch wenn die aktuelle Epidemie den heimischen Beständen stark zusetzt.
    foto: apa/dpa

    Der Grünfink ist zum Glück als nicht gefährdet eingestuft, auch wenn die aktuelle Epidemie den heimischen Beständen stark zusetzt.

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