Galerie Peithner-Lichtenfels: Wo der Welt die Luft ausgeht

1. Juli 2016, 16:38
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"Last Gasp Of Things As They Are": Ein globalisierungskritischer Rundgang von Oliver Ressler in der Galerie GPLcontemporary in Wien

Bereits die ersten Bilder lassen keinen Zweifel daran: Die Ausstellung Last Gasp Of Things As They Are wird brisant. Dabei haben die Fotografien brennender englischer Fahnen mit dem Brexit gar nichts zu tun. Sie sind vielmehr Teil von Oliver Resslers Arbeit What Is Democracy?, in der er Theoretiker und Aktivisten nach den Defiziten westlicher Demokratiemodelle befragte. Und damit passt das Video aus dem Jahr 2009 schon wieder gut zu den aktuellen Debatten.

In der retrospektiv angelegten Ausstellung Last Gasp Of Things As They Are in der Galerie Peithner-Lichtenfels hat Ressler eine ganze Reihe seiner Filme versammelt, in denen er sich mit gegenwärtig stark "Krisen"-behafteten Themen befasst: Dazu gehört die Finanzkrise genauso wie die Migrationspolitik, der Klimawandel oder auch die Sicherheitsproblematik, die in dem Video The Fittest Survive (2006) verhandelt wird. Ressler dokumentiert darin das Trainingsprogramm einer privaten Sicherheitsfirma, bei dem Manager, Regierungsmitglieder oder auch Journalisten von britischen Elitesoldaten auf Aufenthalte in Kriegsgebieten wie dem Irak vorbereitet werden.

Vor zehn Jahren wirkte ein solches Training noch irgendwie schräg; in Zeiten des IS und anderer verheerender Folgen der Kriege wirft man jedoch einen anderen Blick darauf. Schließlich sind die Menschen in den letzten Jahren genau vor solchen Gräueltaten geflohen, vor denen – laut Sicherheitsfirma – eigentlich nur ein militärisches Training schützt.

videostill: oliver ressler/zanny begg
"Right of Passage" (2013) von Oliver Ressler und Zanny Begg umkreist das Konzept Staatsbürgerschaft auf kritische Weise.

Mit den Folgen der österreichischen Migrationspolitik hat sich Oliver Ressler schon lange vor dem Herbst 2015 auseinandergesetzt: So zeigt ein Leuchtkasten aus dem Jahr 2013 das österreichische Parlament, das mit einer rot-weiß-roten Fahne verhüllt ist. Darunter wird der US-amerikanische Politikwissenschafter und Historiker Howard Zinn mit einem Satz zitiert: "Keine Fahne ist groß genug, die Schande der Tötung unschuldiger Menschen zu verdecken."

Dieser Satz sitzt. Und dennoch ist man froh, dass die Kritik am Nationalstaat in dem Film Right of Passage (2013, 19 min., gemeinsam mit Zanny Begg) nicht ganz so plakativ ist: In Interviews mit dem neomarxistischen Politikwissenschafter Antonio Negri und Filmemacherin Ariella Azoulay analysieren diese das ausschließende Konzept von Staatsbürgerschaft. Das wird im Film außerdem von einer Gruppe von Sans-papiers, also "Ausgeschlossenen", kritisch besprochen.

Während einige Filme von Ressler sehr faktisch, teils zu didaktisch wirken, hat man in Right of Passage, der zuletzt auch in der Festwochen-Austellung Universal Hospitality zu sehen war, erfreulicherweise auch auf die Ausdruckskraft der Animation gesetzt: So wird etwa die Durchlässigkeit von Grenzen beschworen, wenn eine animierte Figur Ausreise- oder Visa-Stempel in Pässen locker überwindet.

Das sauberste Öl

Insgesamt sind solche poetischen Bilder in der Schau eher rar. Aber dafür lockern Leuchtkästen mit (umwelt)politischen Messages (u. a. "The cleanest oil is what you leave in the ground") oder ausgeliehene Props (Transparente, Zelte etc.) aus dem Occupy-Wall-Street-Umfeld die filmlastige Präsentation erfolgreich auf. Für die Filme sollte man sich jedoch Zeit nehmen. Denn The Visible and the Invisible (2014) klärt etwa in nur 20 Minuten über eine ganze Reihe von Ungeheuerlichkeiten im Zusammenhang mit den in Genf befindlichen Headquarters der internationalen Rohstoffmärkte auf. (Christa Benzer, 1.7.2016)

Bis 16. 7., Galerie GPLcontemporary

Sonnenfelsgasse 6, 1010 Wien

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