Karriereleiter: Frauen brauchen einen "Schubs"

4. Juli 2016, 07:00
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Wie 30 Prozent Frauen in Führungspositionen erreicht werden können, erklärt Dorothee Ritz, Chefin von Microsoft in Österreich

Wie geht das, dass 30 Prozent Frauen in Führungspositionen arbeiten, noch dazu in einer Branche, die jene Fachleute, die sie braucht, kaum findet? Eine zentrale Frage an die General Managerin von Microsoft Österreich, Dorothee Ritz, beim Netzwerktreffen der Führungsfrauen der ÖBB in der Vorwoche.

Ritz, Anfang der 2000er-Jahre die erste Frau in der Geschäftsleitung bei Microsoft in Deutschland, antwortet mit der ergebnisorientierten Firmenkultur. Keine Präsenzverpflichtung, alle Meetings können remote besucht werden, Kinder dürfen auch durchs Bild laufen. "Wenn Sie das Ziel erreichen, wird Sie nie jemand fragen, wo Sie gerade sind." Das bedeute, dass keine Führungskraft an der Cafeteria vorbeigeht und sagt: "Na, arbeitet ihr wieder hart?" – Sonst sei die Kultur tot.

Schubs für Frauen

Zentral: Bei jedem Job, der ausgeschrieben wird, will Microsoft Frauen sehen – das bedeute nicht, dass immer die Frau genommen werde, aber es schaffe Wirklichkeit. Dazu komme Mentorship (sie selbst habe derzeit sieben Mentees). Was sie da tue als Mentorin?

Es gebe Punkte, wo "Frauen einen sanften Schubs brauchen", sagt Ritz – und für den sorge sie, wenn nötig: Frauen würden gern Verantwortung für ein Unternehmen übernehmen, was vielleicht in der Zahnarztpraxis gut ist, aber nicht im Konzern.

Beispiel: "Ich kann jetzt nicht die Personalverantwortung übernehmen, weil vielleicht will ich in zwei Jahren ein Kind." Da müsse man sagen: "Jetzt mach mal, nimm die Position, der Rest ergibt sich, geh den Weg." Sie hat das gemacht. Zuletzt im Juli 2015, als sie die Länderverantwortung für Österreich übernommen hat, ihre Kinder allerdings leben in München.

Nützt die Digitalisierung den Frauenkarrieren?

Ist die Digitalisierung eine besondere Chance für Frauen? Microsoft habe mit der Gartner Group gemeinsam eine Studie durchgeführt: Klar sei daraus hervorgegangen, dass wenn Österreich mutig den Weg der Digitalisierung gehe, um ein Vielfaches mehr Arbeitsplätze entstünden als dadurch wegfallen.

Das berge natürlich riesige Anforderungen, Fort- und Weiterbildung zu schaffen und die Bildungssysteme zu erneuern. Ein Beispiel für das Neue im Arbeitsleben: Man könne ja für 300 Dollar ein Hüftgelenk personalisiert drucken. Industriedesigner, die so etwas können, wären künftig hochbegehrt. "Da entstehen so viele neue Möglichkeiten. Mein Aufruf ist: Denkt über die Chancen nach und wie wir dort hinkommen."

Sieht sie so klar wie Christiane Funken ("SHEconomy") das Zeitalter der Frauen? "Wir haben Arbeitskräftemangel in Fachbereichen, dann ist das sowieso eine Chance. Die neue Art, Unternehmen durchlässiger, kooperativer, zu führen, ist gut für Frauen. Auch wenn jetzt noch viele große Fehler gemacht werden, vor allem in der Förderung von Frauen im mittleren Management, um sie nach ganz oben mitzuziehen. Gerade in Krisenzeiten fallen ja bekanntlich sehr viele Frauen wieder heraus. Vielleicht auch aufgrund von Firmenstrukturen und weil Frauen etwas anderes wichtig ist. Aber es bleibt Tatsache, und da ist wirklich noch viel zu tun."

Ermächtigungspolitik gefragt

Silvia Angelo, Aufsichtsrätin der ÖBB-Infrastrukturgesellschaft: Innovation ist kein Versprechen für ein gemütliches Leben oder für Chancengleichheit. "Es ist dann eine Chance für Frauen, wenn es dafür eine Ermächtigungspolitik gibt." Das gehöre politisch gestaltet, falle nicht vom Himmel.

Zudem gehörten dringend die großen Fragen offen diskutiert: "Wo wollen wir hin?" Bei all dem Innovationsringen, inmitten des "digitalen Tsunamis", diesen Diskurs nicht zu führen hält etwa Traude Kogoj, die Gleichbehandlungsbeauftragte der ÖBB, für gefährlich. Ritz: "Wir haben uns sozialpolitisch und ethisch noch viel zu wenig Gedanken gemacht."

Mehr Freizeit sollte nicht unser Ziel der nächsten Jahre sein, sagt sie zur Erwartung von mehr Freiheit durch Digitalisierung: Wenn wir es nicht tun, tun es andere ohne uns, an uns vorbei. "Ich gestalte meine Welt lieber selbst, und ich würde lieber sehen, dass österreichische Unternehmen die Welt mitgestalten."

  • Seit dem Vorjahr Spitzenmanagerin von Microsoft in Österreich: Dorothee Ritz
    foto: microsoft

    Seit dem Vorjahr Spitzenmanagerin von Microsoft in Österreich: Dorothee Ritz

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