Flüchtlingsunterkünfte: Viel Potenzial bei Hotels

3. Juli 2016, 11:00
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IIÖ-Studie zur Rolle der Immo-Wirtschaft – Ausbau der Wohnbauförderung und "Schulterschluss mit der Privatwirtschaft" empfohlen

"Im Moment ist der ganz große Druck bei den Flüchtlingszahlen wieder weg, aber eine Situation wie im Vorjahr kann jederzeit wiederkommen", sagt Sven Bienert. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Immobilienökonomie (IIÖ) mit Sitz in Wörgl. Gemeinsam mit den Co-Autoren Peter Geiger, Tabea Mayer und Marcel Weber hat er die Studie "Rolle der Immobilienwirtschaft in Bezug auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Österreich" verfasst, Kooperationspartner waren dabei unter anderem WKÖ, ÖVI und ImmQu.

Die Autoren haben zunächst den Mehrbedarf an Wohneinheiten aufgrund anerkannter Flüchtlinge für 2016 und die folgenden Jahre eruiert und dabei "Bedarfslücken" von jeweils zwischen 4200 und 6300 errechnet. Schon 2016 fehlen demnach 5900 Einheiten. Um diese Lücken zu schließen, ohne auf die im Vorjahr errichteten Traglufthallen zurückgreifen zu müssen, "die ja wirklich 'worst practice' waren" (Bienert), schlagen die Autoren eine Fülle an Maßnahmen vor: Einfachere Verfahren, insbesondere bautechnisch und genehmigungsseitig, gehören da ebenso dazu wie die Nutzung "struktureller Leerstände im Wohnungsbestand in Regionen mit schwacher Entwicklungsperspektive".

Drittverwendungsfähigkeit bei Planung

Aber auch in prosperierenden Regionen gebe es noch Potenzial, etwa in leerstehenden Hotels. Anhand eines bestimmten Gebiets in Tirol hat man ein Aktivierungspotenzial von bundesweit rund 82.000 Plätze hochgerechnet.

Bei der Planung von Flüchtlingsunterkünften sollte aber auch stärker die mögliche Drittverwendungsfähigkeit, "insbesondere für wohnwirtschaftliche Zwecke oder die Beherbergung", bedacht werden.

"Neben den aktuell eingeleiteten Maßnahmen wie der neu geschaffenen Wohnbauinvestitionsbank (WIBK) wäre auch eine generelle Aufstockung der Wohnbauförderung und ein verstärkter Schulterschluss auch mit der Privatwirtschaft im Bereich des leistbaren Wohnens wünschenswert", meint Bienert weiters. "Wir argumentieren aber auch stärker in Richtung des Ausbaus der Subjektförderung, um etwaige Fehlbelegungen korrigieren zu können."

Es dürfe nicht sein, dass Personen, "die mittlerweile sehr gut verdienen und deren Kinder oftmals bereits aus dem Haus sind, weiterhin im geförderten Mietwohnungsbau zu weit unter dem Marktniveau liegenden Konditionen leben und gleichzeitig Familien mit sehr geringen Einkommen keine leistbare Wohnung finden". (mapu, 3.7.2016)

  • Auch in prosperierenden Regionen sehen die Studienautoren Möglichkeiten – etwa in leerstehenden Hotels.

    Auch in prosperierenden Regionen sehen die Studienautoren Möglichkeiten – etwa in leerstehenden Hotels.

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