OeNB: Banken sollen Reformen vorantreiben

1. Juli 2016, 10:44
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Institute haben ihre Profitabilität weiter verbessert

Wien – Die österreichischen Banken sollten ihren begonnenen Anpassungsprozess konsequent fortsetzen und weitere Strukturreformen vorantreiben, damit sich die Erholung ihrer Profitabilität als nachhaltig erweist, rät die Nationalbank (OeNB) in ihrem 31. Finanzmarktstabilitätsbericht, der am Freitag in Wien präsentiert wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe mit ihren unkonventionellen Maßnahmen der letzten Jahre generell dazu beigetragen, das Marktvertrauen auf den Finanzmärkten wiederherzustellen, so OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny laut Pressetext. Die Übertragung der EZB-Leitzinssenkungen in rückläufige Kreditzinsen sei eine wesentliche Voraussetzung für eine günstige Entwicklung der Realwirtschaft, betont Nowotny.

Wohnbaukredite stärker im Visier

Die Wachstumsdynamik der Unternehmenskredite sei zuletzt relativ verhalten geblieben; seit Mitte letzten Jahres hätten die Wohnbaukredite an private Haushalte an Dynamik gewonnen, so die OeNB. Der Zuwachs sei allerdings hinter dem Anstieg der Immobilienpreise zurückgeblieben. Erhöhte Aufmerksamkeit will die Nationalbank den variabel verzinsten Wohnbaukrediten widmen, deren Anteil nach wie vor hoch sei.

Die Profitabilität der Banken habe sich 2015 deutlich erhöht, da die Risikovorsorgen und Abschreibungen geringer ausfielen und der Gewinn der CEE-Töchter wieder anstieg, so die OeNB. Das Nettozinsergebnis blieb allerdings unter Druck. Insgesamt hätten die österreichischen Banken ihre Kostenstruktur noch nicht ausreichend an das geringere Geschäftsvolumen angepasst. Einzelne Tochterbanken in CESEE hätten zudem weiterhin einen hohen Anteil an notleidenden Krediten in ihren Büchern. Die Kernkapitalquote habe sich weiter verbessert. Allerdings seien "weitere Anstrengungen notwendig". Zudem müssten sich die Banken auf neue regulatorische Vorgaben vorbereiten.

Zinshöhe von Österreichern eher überschätzt

Die österreichische Bevölkerung erwartet laut einer Umfrage der OeNB bis 2020 eine Fortsetzung des Niedrigzinsumfeldes mit gleichbleibenden oder nur etwas höhere Zinsen. Es zeige sich zwar eine Tendenz zur Überschätzung der Zinshöhe, aber allen sei klar, dass die Kreditzinsen sehr günstig sind, so OeNB-Chef-Volkswirtin Doris Ritzberger-Grünwald am Freitag in Wien.

35 Prozent der Befragten gaben an, die Höhe des Leitzinses nicht zu kennen. Die Sparbuchzinsen kennen 16 Prozent nicht, bei den Kreditzinsen sind es 30 Prozent. Was die Sparbuchzinsen betrifft, sind die Erwartungen relativ hoch, dass diese weiter zurückgehen werden. Dagegen wird bei den Kreditzinsen mit einem leichten Anstieg gerechnet. Dies zeigt sich laut Ritzberger-Grünwald auch am Sparverhalten der Österreicher: Ein Teil schichtet um, ein Teil nimmt Kredite auf.

Der Anteil der neu vergebenen variabel verzinsten Kredite an private Haushalte ist zuletzt etwas gesunken, liegt allerdings noch immer überdurchschnittlich hoch bei 75 Prozent. Im Euroraum-Durchschnitt sind es knapp 30 Prozent.

Die Verschuldung der österreichischen Haushalte ist allerdings unterdurchschnittlich. Sie beläuft sich auf 89 Prozent der verfügbaren Einkommen. Im Euroraum sind es 113 Prozent. Die höchsten Werte weisen die Niederlande mit rund 275 Prozent und Zypern mit 250 Prozent aus. Am geringsten sind die Haushalte in Litauen und Lettland verschuldet, nämlich mit jeweils gut 50 Prozent. (APA, 1.7.2016)

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