Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wächst

1. Juli 2016, 10:25
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Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz sind mangelnd Entwicklungsmöglichkeiten, umständliche Prozesse sowie Unmut über Führungskräfte

Die Bedürfnisse von Arbeitnehmern und die Maßnahmen von Arbeitgebern zur Personalentwicklung weichen deutlich voneinander ab – zu diesem Ergebnis kommt die von der Beratungsgesellschaft Mercer durchgeführte weltweite "2016 Global Talent Trends Study". In dieser Studie werden zum ersten Mal die wichtigsten Arbeitsmarkttrends und ihre Auswirkungen auf Unternehmen aus dem Blickwinkel von Arbeitgeber und Arbeitnehmer berücksichtigt. Befragt wurden mehr als 1.730 Personalverantwortliche sowie mehr als 4.500 Mitarbeiter aller Branchen in 17 Ländern. Die größte Herausforderung für Personalverantwortliche für die Zukunft sei es also, diese Kluft zu schließen.

Für Arbeitnehmer weltweit sind Autonomie und flexible Arbeitszeiten besonders wichtige Faktoren für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. So ist knapp die Hälfte der Befragten der Meinung, dass eine flexible Arbeitsgestaltung sie in ihrer Produktivität unterstützt (52 Prozent).

Unzufriedenheit in Europa besonders hoch

Die wichtigsten Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz sind mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten, umständliche Prozesse sowie Unmut über Führungskräfte. Das bestätigt sich beim Blick auf die Studienergebnisse für Europa: Nur jeder zweite der Beschäftigten gibt an, seine Führungskräfte würden sich für Personalentwicklung besonders einsetzen (im Vergleich zu weltweit 58 Prozent). Immerhin planen im Jahr 2016 schon 53 Prozent der europäischen Unternehmen Verbesserungen, vor allem in den Performance-Management-Prozessen. "Arbeitnehmer in Europa sind im weltweiten Vergleich am wenigsten zufrieden mit ihren Chefs. Führungsjobs sind in vielen Dimensionen anspruchsvoller geworden. Selektion, Entwicklung und organisationale Unterstützung für Führungskräfte hat nicht überall mit den neuen Realitäten Schritt gehalten", sagt Dieter Kern, Partner und verantwortlich für die HR-Management- und Organisationsberatung bei Mercer in Central Europe.

Unzufrieden aber loyal

Obwohl stellenweise mit ihrer Beschäftigungssituation unzufrieden, blieben Arbeitnehmer in Europa mit vergleichsweise größerer Wahrscheinlichkeit bei ihrem gegenwärtigen Arbeitgeber. "Um Talentloyalität und -engagement nicht zu riskieren, sollten Arbeitgeber sicht- und erlebbare Entwicklungsmöglichkeiten anbieten, ordentlich vergüten und an der Managementqualität arbeiten. Wer heute nichts tut, schaut morgen wahrscheinlich seinen besten Mitarbeitern hinterher", ergänzt Kern.

Und dieser Wettbewerb um Talente hält unvermindert an: Neun von zehn der weltweit befragten Personalverantwortlichen rechnen damit, dass die Konkurrenz um die besten Köpfe in diesem Jahr zunehmen wird – mehr als ein Drittel der Befragten geht sogar von einem signifikanten Anstieg aus. "Seitens der Personalverantwortlichen werden Anstrengungen notwendig sein, um die Kluft zwischen den Erwartungshaltungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu verringern", sagt Kern. "Dies bedeutet unter anderem ein verbessertes, modernes Recruiting, das im Sinne von Kandidatenerwartung, Technologie und Auswahlverfahren auf der Höhe der Zeit ist." (red, 1.7.2016)

  • Die Vorstellungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gehen laut der Beratungsgesellschaft Mercer immer weiter auseinander. Um die besten Talente zu halten müsse man auf Mitarbeiter hören, so die Berater. Diese sind in Europa besonders unzufrieden.
    foto: istock

    Die Vorstellungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gehen laut der Beratungsgesellschaft Mercer immer weiter auseinander. Um die besten Talente zu halten müsse man auf Mitarbeiter hören, so die Berater. Diese sind in Europa besonders unzufrieden.

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