Arbeitslosigkeit steigt im Juni weiter

1. Juli 2016, 09:36
325 Postings

Inklusive Schulungsteilnehmern waren im Juni 1,3 Prozent mehr Menschen ohne Arbeit als vor einem Jahr

Wien – Ende Juni waren in Österreich 319.969 Menschen auf Jobsuche, das ist ein Rückgang um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist aber die Anzahl der Schulungsteilnehmer um 8,2 Prozent auf 66.803 gestiegen – insgesamt waren also 386.772 Menschen ohne Arbeit, 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote hat sich nach österreichischer Berechnungsmethode um einen Prozentpunkt auf 8,1 Prozent reduziert, teilte das Arbeitsministerium am Freitag mit. Nach Eurostat-Berechnungsmethode beträgt die Arbeitslosenquote 6,1 Prozent (+0,2 Prozentpunkte).

Deutliches Plus an offenen Stellen

Deutlich erhöht hat sich zuletzt die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen, nämlich um 48 Prozent auf 44.209 – besonders stark in der Informations- und Kommunikationsbranche (+77 Prozent), aber auch im Handel mit (+61 Prozent) und im Bau (+58 Prozent).

Gegenüber dem Vormonat Mai ist die Anzahl der vorgemerkten Personen saisonbedingt um 18.698 zurückgegangen, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Weiter deutlich steigend ist die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten, die um 1,5 Prozent auf 3,618 Millionen zugenommen hat. Mehr als die Hälfte der 54.000 zusätzlichen Jobs sind Vollzeit-Arbeitsplätze.

Ältere, Ausländer und Frauen besonders betroffen

Wie in den Vormonaten ist auch zur Jahresmitte 2016 die Arbeitslosigkeit bei Männern (-1,1 Prozent) rückläufig, bei Frauen ist sie hingegen um 1,3 Prozent gestiegen. Insgesamt waren 175.910 Männer arbeitslos und 144.059 Frauen.

Überdurchschnittlich steigt weiterhin die Arbeitslosigkeit von "Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen" (+8,2 Prozent), Ausländern (+3,0 Prozent) und bei den Menschen ab 50 Jahren (+5,1 Prozent). Von den knapp 320.000 vorgemerkten Arbeitslosen waren gut 90.000 Ausländer, fast ebenso viele waren über 50 Jahre alt.

Bei den Jugendlichen entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiterhin besser als der Gesamtdurchschnitt. Für die 15- bis 24-Jährigen beträgt der Rückgang der Arbeitslosigkeit 6,7 Prozent und bei den Arbeitsmarkteinsteigern – den 15 bis 19-Jährigen – ist sie sogar um 9,2 Prozent zurückgegangen.

Zahl der Lehrstellensuchenden sinkt leicht

Leicht rückläufig ist zudem auch die Zahl der Lehrstellensuchenden. Am Ende des Schuljahres 2015/16 sind 4.879 Jugendliche sofort für den Arbeitsmarkt verfügbar (-0,6 Prozent) und weitere 5.415 (-4,3 Prozent) sind bereit in den nächsten Wochen eine Lehrstelle anzutreten. Demgegenüber haben die Betriebe derzeit 3.027 (+12,8 Prozent) sofort verfügbare offene Lehrstellen gemeldet und weitere 10.740 (+1,6 Prozent) sollten in den kommenden Wochen besetzt werden können. Einen Überhang an (sofort verfügbaren) offenen Lehrstellen gibt es vor allem in Oberösterreich, Salzburg und Tirol.

Insgesamt nahmen im ersten Halbjahr 203.000 Männer und 96.000 Frauen nach der Vormerkung beim Arbeitsmarktservice wieder eine Arbeit auf. Davon waren 52.000 Jugendliche im Alter bis 25 Jahren und mehr als 56.000 ältere Arbeitnehmer.

Schulungen in Wien nehmen zu

Nach Bundesländern betrachtet zeigt sich der gleiche Trend wie bisher mit sinkender Arbeitslosigkeit in den westlichen Bundesländern Tirol (-6,7 Prozent), Salzburg (-3,9 Prozent) und Vorarlberg (-0,2 Prozent). Auch in Kärnten liegt die Zahl der Arbeitssuchenden mit -1,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ansteigend bleibt sie hingegen vor allem in Niederösterreich mit +2,5 Prozent und Oberösterreich mit +1,4 Prozent. In Wien macht das AMS deutlich mehr Schulungen, daher hat sich der Anstieg der Arbeitslosenzahl auf +0,3 Prozent verlangsamt.

Arbeitsminister Alois Stöger (SPÖ) unterstreicht unterdessen die hohe Bedeutung der Ausbildung. "Die Ausbildungspflicht bis 18, die nächste Woche im Parlament beschlossen werden soll, ist ein wichtiger Schritt in Richtung unseres Zieles, dass alle Jugendlichen eine Ausbildung absolvieren", sagte Stöger am Freitag in einer Aussendung. "Doch es braucht auch deutliche wirtschaftspolitische Impulse, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen", so Stöger.

Arbeitslosigkeit im Euro-Raum auf Fünf-Jahres-Tief

Der Jobmarkt in der Euro-Zone sorgt dagegen für Lichtblicke. Die Arbeitslosigkeit in den 19 Ländern fiel im Mai auf den tiefsten Stand seit Juli 2011, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Etwa 16,3 Millionen Menschen waren als Jobsuchende gemeldet – 112.000 weniger als im Vormonat und 1,4 Millionen weniger als vor einem Jahr. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote sank wie von Ökonomen erwartet auf 10,1 von 10,2 Prozent. Damit zeigt sich, dass sich die anziehende Konjunktur positiv niederschlägt und viele Menschen wieder leichter einen Job finden. In Deutschland sank die Zahl der Erwerbslosen im Juni sogar auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Trotz der moderaten Erholung gibt es im Währungsraum große Unterschiede. Malta kommt nach einheitlicher europäischer Rechnung mit 4,1 Prozent auf den niedrigsten Wert, gefolgt von Deutschland mit 4,2 Prozent. In Griechenland ist die Arbeitslosigkeit mit 24,1 Prozent (im März) am höchsten, in Spanien liegt sie bei 19,8 Prozent. (APA,Reuters, 1.7.2016)

  • Knapp 320.000 Menschen waren mit Ende Juni arbeitslos.
    foto: apa/julian stratenschulte

    Knapp 320.000 Menschen waren mit Ende Juni arbeitslos.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.