"Pokémon Go" gestartet: Auf Monsterjagd in Österreich

6. Juli 2016, 09:30
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App in ersten Ländern verfügbar – Smartphone-Game erinnert an "Ingress" und spornt den Sammeltrieb an

Niantic und die Pokémon Company haben überraschend das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" in den Livebetrieb geschalten. Wie "Android Central" berichtet, ist das Augmented-Reality-Game für zahlreiche Spieler mittlerweile im Google Play Store sowie auf iTunes verfügbar. Österreichische Nachwuchstrainer können offiziell noch nicht darauf zugreifen.

Wer das Spiel unter Android allerdings per Sideloading aufspielt, das Installationspaket also aus einer anderen Quelle bezieht, kann auch hierzulande bereits auf Monsterjagd gehen. Zu finden ist die 58 MB schwere APK-Datei auf APKMirror.com – die Installation des Pakets von dieser Seite erfolgt ausdrücklich auf eigene Gefahr. Es ist anzunehmen, dass "Pokémon Go" bald auch regulär aus den Stores bezogen werden kann. Unter der noch nicht fertigen Android-Version 7 "Nougat" geht das Spiel derzeit übrigens noch nicht.

Der GameStandard hat bereits am Field Test des Free2Play-Games partizipiert, hier folgen nun erste Eindrücke. Ein Test der Live-Version, die nun alle Features mitbringt, wird nachgereicht.

Ein Trainerleben

Zu Beginn ein kleiner Abstecher in die Geschichte der Pokémon, was eigentlich eine Abkürzung für "Pocket Monsters" ist. Dabei handelt es sich um verschiedenartige Wesen, die eine fiktive Welt bevölkern. In dieser Welt gehört es zu den Lebenszielen vieler junger Leute, diese Wesen zu fangen, zu trainieren und Kämpfe gegen andere Trainer zu bestreiten.

Das erste Videospiel erschien einst für den Gameboy, seitdem hat die Reihe zahlreiche neue Editionen mit zusätzlichen Monstern erhalten, allerlei Spin-offs erzeugt und Millionen an Fans weltweit gewonnen. "Pokémon Go" bedient sich nun der Grundelemente des ursprünglichen Konzepts und verfrachtet es teilweise in die reale Welt.

Steht ein Rhinozeros in Schönbrunn

Denn wer sich Tierchen schnappen möchte, der muss spazieren gehen. Das Game nutzt die Standortermittlung des eigenen Smartphones per GPS und eine auf Google Maps basierende Karte in leicht angeschrägter Ansicht. Diese präsentiert die bekannte Umgebung, eingeteilt in verschiedene Landschaftstypen – etwa normale Stadtumgebung, Grasland (in Parks und Wiesen) oder Wasser.

Die App zeigt, welche Pokémon sich in der Nähe befinden. Auf ihren genauen Standort machen diese mit auffliegenden Blättern gelegentlich selber aufmerksam. Ist ein Monster in Reichweite, so erscheint es auf der Karte und nach dem Antippen kann ein Fangversuch unternommen werden.

Dabei schaltet das Spiel die Kamera ein und legt das virtuelle Tier über die echte Umgebung. Dank Schattenwurf und recht plastischem Aussehen sieht dies fallweise durchaus nett aus, manchmal aber auch wortwörtlich aufgesetzt. Dazu bleibt die relative Position zum Spieler erhalten. Wer sich wegdreht, sieht das Pokémon also nicht mehr. Auf diese Weise erfährt man auch, dass in Schönbrunn offenbar virtuelle Nashörner (Rihorn) leben.

Zielübung

Zum Fangen muss ein sogenannter Pokéball möglichst zielgenau mit einer Streichgeste geworfen werden. Rund um das Pokémon sind zwei Kreise zu sehen. Wer mit dem Ball einen davon trifft, hat eine Chance, das Tier zu fangen. Erwischt man den inneren, kleineren Kreis, so liegt diese höher. Zudem gibt es die Bälle in drei Ausführungen mit ansteigender Wirksamkeit.

Hat man Glück, so schließt sich das Fangbehältnis nach dreimaligem Blinken endgültig und das Monster geht in die eigene Sammlung über. Hat man Pech, befreit es sich rechtzeitig. Sofern es nicht flieht, kann man einen erneuten Versuch unternehmen – allerdings mit einem frischen Pokéball.

Wer die klassische "Pokémon"-Umsetzung kennt, dürfte bemerkt haben, dass das Fangen der Monster in "Pokémon Go" wesentlich simpler abläuft, als gewohnt. Denn üblicherweise schickt man ein bereits vorhandenes Monster in den Kampf gegen das wilde Pokémon, bringt dieses an den Rand der Erschöpfung und versucht anschließend, es zu fangen.

Monsterverwaltung

Geschnappte Monster werden, sofern nicht schon einmal erwischt, als Eintrag im Pokédex aufgedeckt. Dieses ist eine Art elektronisches Lexikon, in dem grundlegende Informationen zu jedem Pokémon hinterlegt sind. Hier lassen sich die Pokémon auch benennen, aufwerten und weiterentwickeln, wobei hierfür unterschiedliche Ressourcen benötigt werden.

Und diese wird man teilweise, wie auch verschiedene Gegenstände, nicht nur erspielen, sondern auch mittels Ingame-Währung erwerben können. Und diese kostet im Gegenzug echtes Geld – denn "Pokémon Go" ist ein Free2Play-Game.

Portale sind jetzt "Pokéstops"

Die meisten Gegenstände, etwa Pokébälle und Heilmittel lukriert man allerdings aus sogenannten "Pokéstops". Diese sind an mehr oder weniger interessanten Orten in der Gegend verteilt und dürften "Ingress"-Spielern bekannt vorkommen. Denn es handelt sich um eine Zweitverwertung der von ihnen einst eingereichten Portale, wobei an Stellen mit hoher Dichte einige ausgespart worden sein dürften. Eigene Stops lassen sich, zumindest aktuell, nicht einreichen.

Die "Tankstellen" verfügen über ein Schild mit Foto des Ortes bzw. Objektes und einer Kurzbeschreibung. Dreht man die Bildtafel, spuckt der Stop mehrere Gegenstände auf Zufallsbasis auf. Den größten Anteil stellen gefühlt normale Pokébälle. Die Bandbreite der sonstigen Items hängt auch vom Level des Spielers ab, da nicht alle von Anfang an zur Verfügung stehen. Erfahrungspunkte für den Aufstieg erhält man für das Einfangen von Pokémon, Verwendung von Pokéstops und Kämpfe.

Die Stops verfügen neben einer Ortsbeschreibung auch über einen Steckplatz für temporäre Modifikationen. Eine davon lockt über 15 Minuten wilde Pokémon in unmittelbare Nähe.

Einfaches Kampfsystem

Die getestete Version von "Pokémon Go" befindet sich noch in Entwicklung, folglich fehlten ihr noch einige Features. Kämpfe gegen menschliche Mitspieler – von denen es aufgrund des eingeschränkten Teilnehmerkreises kaum welche gibt – waren noch nicht möglich. Allerdings konnten die normalen Spielarenen bereits erprobt worden.

Diese befinden sich an den Stellen mancher "Ingress"-Portale anstelle eines Pokéstops". Spieler können sie im Namen ihres Teams (Rot, Blau oder Gelb) einnehmen oder freikämpfen, je nachdem ob sie bereits besetzt sind. Übernimmt man eine Arena, kann man ein Monster aus der eigenen Sammlung zur Verteidigung hinterlassen. Wird es besiegt, wird es automatisch zurück ins Inventar transferiert.

Die Auseinandersetzungen selbst sind ebenfalls vereinfacht und im Kern ein einfaches Reaktionsspiel. Das feindliche Monster ist in einer 3D-Umgebung in der Mitte des Bildschirms zu sehen. Per Wischbewegungen kann man im Kreis um den Gegner seinen Angriffen ausweichen. Per kurzem oder längerem Antippen führt man zwei unterschiedliche Attacken aus.

Wie gut diese funktionieren, hängt auch davon ab, welche Pokémon sich gegenüber stehen. Hier kommt das Schere-Stein-Papier der Monstergattungen zum Einsatz – beispielsweise erweisen sich Wasserpokémon als ungemein effektiv gegen Widersacher der Gattung Feuer.

Pläne

Wie die geplanten Kämpfe zwischen menschlichen Spielern in sogenannten "Multigyms" aussehen werden, war zum Zeitpunkt des Field Tests nicht bekannt. Aus praktischen Erwägungen ist allerdings zu vermuten, dass Niantic dafür eine andere Lösung wählen wird. Spieler sollen außerdem an Turnieren teilnehmen können.

Sogar Events ähnlich der "Ingress"-Anomalien sollen stattfinden. Diese dienen nicht nur dem Wettbewerb, sondern sollen auch eine Plattform für den Austausch von Pokémon unter den Spielern sein. Der "Fang sie alle"-Gedanke gehört ebenfalls ins Konzept von "Pokémon Go" und so wie die Konsolenausgaben verschiedene Editionen ihre exklusiven Monster haben, soll es manche der virtuellen Tiere in dieser Ausführung nur in bestimmten Teilen der Welt geben. Wer die eigene Sammlung komplettieren will (eine regelmäßige Erweiterung der Fauna wäre nicht überraschend) muss also entweder viel reisen, oder diese Events besuchen.

Brüten, Klicken

Neben Fangen und Tauschen gibt es noch eine dritte Möglichkeit, neue Monster zu fangen. Aus den Pokéstops und im Shop lassen sich Eier lukrieren, die mithilfe von eigenen Maschinen ausgebrütet werden können. Die Reifezeit ist allerdings nicht Stunden und Minuten, sondern in Kilometern bemessen, eine zusätzliche Belohnung dafür, sich außer Haus zu begeben.

Auch eine zweite Fangmethode wird angeboten. Spieler können künftig "Pokémon Go Plus" erwerben, ein mit dem Smartphone vernetztes Gadget mit Knopf. Ist ein Monster in der Nähe, soll es durch das Drücken des Buttons in einem bestimmten Rhythmus gefangen werden können, ohne das Handy zücken zu müssen.

Fazit

"Pokémon Go" fühlte sich im Field Test noch weniger wie ein eigenständiges Smartphone-Game, sondern viel mehr nach einer umfangreicheren Modifikation für "Ingress" an. Wesentliche Mechaniken der nach wie vor andauernden Portalschlacht zwischen Resistance und Enlightened finden sich hier wieder. Wobei der Aufbau auf einer bewährten Basis nicht als Vorwurf zu verstehen ist. Zudem dürften sich "Ingress"-erfahrene Spieler sehr schnell in dem Game zurecht finden.

Das grundsätzliche Spielprinzip funktioniert und die Jagd nach den kleinen Monstern vermag zu motivieren – zumindest für die wenigen Tage des Testlaufs. Der Langzeitspaß wird, wie bei "Ingress", aber in der Auseinandersetzung mit menschlichen Kontrahenten stecken. Denn eigene Pokémon in den Arenen bekämpfen, ist auf Dauer etwas langweilig.

Es bleibt letztlich abzuwarten, wie die Multigyms und Turnierfeatures umgesetzt sind und was Niantic mit den Events vor hat. In den nächsten Wochen sollten Spieler hier erste Eindrücke sammeln können. (Georg Pichler, 6.7.2016)

Hinweis: Die Ingame-Screenshots wurden von Niantic zur Verfügung gestellt. Eine Veröffentlichung selbst aufgenommener Bilder aus dem Field Test wurde nicht gestattet. Das Stadtpark-Foto entstand nach dem offiziellen Spielstart.

  • "Pokemon Go" nutzt die Kamera des Smartphones und lässt damit virtuelle Monster in der realen Welt erscheinen.
    foto: niantic

    "Pokemon Go" nutzt die Kamera des Smartphones und lässt damit virtuelle Monster in der realen Welt erscheinen.

  • Im Wiener Stadtpark lassen sich unter anderem Quaputzis und Goldinis fangen.
    foto: derstandard.at/pichler

    Im Wiener Stadtpark lassen sich unter anderem Quaputzis und Goldinis fangen.

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    foto: niantic/the pokemon company
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