Boris Johnson: Modell Populismus

Einserkastl30. Juni 2016, 17:51
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Johnson ist einer jener bunten Typen, die im Augenblick der Wahrheit zurückzucken

Der Schaden ist angerichtet, der Volkstribun hat bekommen, was er (scheinbar) wollte. Aber jetzt packt ihn die blanke Panik vor den Konsequenzen in der realen Welt.

Das ist das universelle Modell des Populismus.

Boris Johnson, das bekannteste Gesicht der Brexit-Bewegung, hat soeben verkündet, er werde nicht für den Parteivorsitz der Tories und damit für den Posten des Premierministers kandidieren.

Die Wahrheit ist: Im Gesicht des Polit-Entertainers Boris Johnson war nach dem Sieg die blanke Angst vor der Verantwortung zu erkennen. Er hatte keinen Plan, hatte vermutlich keinen Sieg erwartet.

Johnson ist einer jener bunten Typen, die die Politik erfolgreich aufmischen, dem Affen Zucker geben, eine große Gefolgschaft ansammeln, das "Establishment" und die "Eliten" vor sich hertreiben – aber im Augenblick der Wahrheit zurückzucken. Jörg Haider war auch so einer.

"Es gibt Lügner, und dann gibt es Boris Johnson und Michael Gove", schrieb ein Kolumnist des Guardian. Der Journalist Johnson wurde von der Times gefeuert, weil er Zitate erfunden hatte. Als Korrespondent in Brüssel setzte er Erfindungen in die Welt. Seine Brexit-Behauptungen musste er am Tag danach zurücknehmen. Es ging ihm immer nur um den populistischen Krawall.

So ticken alle Populisten. Wenn es ernst wird, versagen sie. (Hans Rauscher, 30.6.2016)

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