Flaschen leer

Kolumne30. Juni 2016, 17:38
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"Es liegt in der deutschen Mentalität zu denken, dass Deutschland die ganze Welt dominiert, wie es mit Respekt gesagt auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel denkt. Dann kommen wir Italiener, kleine Genies, und die Deutschen leiden sehr." Giovanni Trapattoni hat das gesagt, der Maestro also, in Hinblick auf das Spiel zwischen Deutschland und Italien am Samstag. Und warum sollte gerade Il Tedesco, dem Deutschen, wie sie den auch schon 77-Jährigen nennen, etwas Vernünftigeres einfallen als den anderen professionellen Senfdazugebern, deren vielleicht berühmtester, aber sicher, nun ja, gehyptester Gary Lineker heißt.

Die Zeiten, in denen dem ehemaligen englischen Teamstürmer wirklich Originelles eingefallen ist – eh schon wissen: "... und am Ende gewinnen immer die Deutschen" – sind offensichtlich vorbei. Heute twittert er eher Perlen wie "Pepe ist ein gigantischer Pisser" oder angesichts der englischen Pleite gegen Island "Verdammte Scheiße!"

Eine ähnliche Deftigkeit hat Trapattoni die Möglichkeit genommen, via Rai über die Squadra Azzurra herzuziehen, entschlüpft war ihm sein "Heilige Scheiße" bei der 1:4-Testspielniederlage Italiens gegen Deutschland im März – und so etwas vom langjährigen Trainer der Auswahl des Vatikanstaates!

Der TV-Sender befand jedenfalls "Schwach wie Flasche leer" und setzte statt Trapattoni Walter Zenga auf den Expertensessel. Der ist wie ZDF-Experte Oliver Kahn auch ein ehemaliger Torhüter und versprüht sogar ähnlich viel Esprit. Kostprobe? Bitte sehr: "Trapattoni nachzufolgen bedeutet, eine Weltikone zu ersetzen. Ich fürchte diese Herausforderung jedoch nicht." (Sigi Lützow, 30.6.2016)

  • Artikelbild
    foto: epa/evert elzinga
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