Nobelpreisträger fordern Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft

30. Juni 2016, 17:23
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Gentechnisch veränderte Pflanzen seien notwendig, um die Welternährung zu sichern – die Risiken seien beherrschbar, heißt es in einem offenen Brief

Paris – 109 Nobelpreisträger aus verschiedenen Disziplinen propagieren in einem offenen Brief den Einsatz von Grüner Gentechnik und fordern die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf, ihre Blockade gegen gentechnische Verfahren im Agrarbereich aufzugeben. Gentechnisch veränderte Pflanzen seien notwendig, um die Welternährung zu sichern, die Risiken der Technologie seien beherrschbar, so die Unterzeichner. Zur Begründung führen sie den massiv steigenden Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten an, der sich nach UN-Angaben bis 2050 verdoppeln werde.

Greenpeace stehe an der Spitze von Organisationen, die aus grundsätzlicher Opposition gegen Gentechnik Fakten leugnen, Risiken falsch darstellen und sich gegen Innovationen in der Landwirtschaft stellen würden. Die Umweltauswirkungen von gezielt gentechnisch veränderten Pflanzen seien jedoch gering, der Verzehr der Lebensmittel sicher.

Goldener Reis

Ihre Forderung machen die Nobelpreisträger an einem Beispiel fest, dem sogenannten Goldenen Reis. In dieser Reissorte wurde durch Geneinschleusungen ein hoher Anteil an Beta-Carotin (Provitamin A) geschaffen. Durch den Anbau dieser Sorte könne der in vielen Entwicklungsländern grassierende Vitamin-A-Mangel bekämpft werden. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit rund 250 Millionen Menschen an Vitamin-A-Mangel, vor allem in Afrika und Südostasien. Besonders bei Kindern kann ein solcher Mangel zur Erblindung oder zur Anfälligkeit für Infektionen führen.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens, das an alle Regierungen der Welt und an die Uno gerichtet ist, gehören auch die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und die deutschen Nobelpreisträger für Medizin Harald zur Hausen, Erwin Neher und Christiane Nüsslein-Volhard. Der Appell bezieht sich auf einen Aufruf der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, nach dem im Kampf gegen Hunger die globale Produktion von Nahrungsmitteln bis 2050 verdoppelt werden muss.

"Moderne Biologie"

Greenpeace und gleichgesinnte Organisationen sollten vor diesem Hintergrund die Erkenntnisse zuverlässiger wissenschaftlicher Einrichtungen anerkennen und ihre Kampagne gegen gentechnisch veränderte Organismen im allgemeinen sowie gegen Goldenen Reis im Besonderen aufgeben, heißt es in dem Brief. Die Regierungen rund um die Welt sollten alles unternehmen, um den Bauern die "Werkzeuge der modernen Biologie" zur Verfügung zu stellen.

Greenpeace wies in einer ersten Reaktion aus Manila die Anschuldigungen zurück. Laut dem Internationalen Institut für Reisforschung (Irri) sei der Nutzen von Goldenem Reis bei der Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel nicht bewiesen. Die mit Gentechnik befassten Unternehmen nutzten den Goldenen Reis dazu, die weltweite Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen zu forcieren, erklärte Greenpeace. Die einzige garantierte Lösung im Kampf gegen Mangelernährung sei eine gesunde und vielfältige Ernährung. (red, APA, 30.6.2016)

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