Bullen und Bären der Fußballerbörse

30. Juni 2016, 16:27
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Wer kannte schon Laszlo Kleinheisler? Oder Michael McGovern? Oder die halbe isländische Nationalmannschaft? Auch die EM in Frankreich ist eine Auslage für Fußballprofis – und auch ein Risiko

Paris/Wien – Vier schlechte Spiele ändern wenig. Dass aber Real Madrid dem FC Bayern 65 Millionen Euro für David Alaba geboten haben soll, kling aktuell etwas verwegen. Natürlich ginge einem solchen Gebot monatelanges Sondieren voraus. Und die Leistungen des 24-Jährigen bei der für Österreich insgesamt verunglückten EURO waren kein Maßstab für dessen Können. Weshalb die Bayern angeblich erst ab 80 Millionen verhandlungsbereit sein sollen. Beide Zahlen hat die spanische Sportzeitung ASkolportiert.

Häufiger als möglichen Wertverlust bewirken Vorstellungen bei Turnieren wie einer EM ohnehin Wertzuwächse. Ja manche Spieler treten da erst ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, was wiederum Begehrlichkeiten von Vereinen weckt. Den Ungar Laszlo Kleinheisler könnten sich plötzlich viele gut auf ihrer Gehaltsliste vorstellen. Allerdings steht der 22-Jährige, den die Sportbibel L'Équipe neben Superstars wie Gareth Bale oder Manuel Neuer in ihre Elf der Vorrunde berufen hat, seit Jänner und noch bis 2019 bei Werder Bremen unter Vertrag. Kleinheisler soll bei den Hanseaten nun deutlich besser zur Geltung kommen, nachdem er bisher nur neunmal in der Bundesliga spielen durfte.

Öfter ans Telefon

Seine goldene Chance ergriffen und ganz festgehalten dürfte Nordirlands Goalie Michael McGovern haben. Mit seinen Paraden hatte der 31-Jährige maßgeblichen Anteil am Achtelfinaleinzug des EM-Neulings. Zufälligerweise läuft sein Vertrag beim schottischen Premier-League-Klub Hamilton Academical aus. Dass der Mann aus Enniskillen dem Abstiegskandidaten treu bleibt, gilt als äußerst unwahrscheinlich – es locken Klubs südlich des Hadrian Wall. McGoverns Agent Andrew Evans muss in letzter Zeit etwas häufiger ans Telefon. "Seine Leistungen haben die Tür für neue Möglichkeiten in Europa geöffnet. Ohne die EURO wären diese Teams nicht auf ihn aufmerksam geworden", sagte Evans der BBC. Englische Zweitligisten hätten angeklopft.

Zwei besonders auffällige Exponenten des isländischen EM-Wunders sind sogar schon in der englischen Premier League engagiert. Doch für Spielmacher Gylfi Sigurdsson und Kapitän Aron Gunnarsson scheinen die aktuellen Adressen – Swansea und Cardiff City – mittlerweile ein wenig bescheiden zu sein. Kollege Birkir Bjarnason vom FC Basel steht angeblich bei der AS Roma auf dem Zettel, Hördur Magnusson, von Juventus Turin leihweise nach Cesena abgeschoben, wird mit Eintracht Frankfurt in Verbindung gebracht.

Dimitri Payet, Last-Minute-Held der Franzosen beim 2:1 zum Auftakt gegen Rumänien und dann noch einmal mit dem 2:0 gegen Albanien, wird die Folgen der EM auf seinem Gehaltszettel sehen. Englische Medien berichten, dass Manchester United, Chelsea und Paris Saint-Germain den 29-Jährigen um jeden Preis haben wollen. Sein Vertrag bei West Ham, wo der Mann aus La Réunion schon bald nach seiner Verpflichtung von Marseille im Sommer 2015 Kultstatus genoss, läuft noch bis 2021. Die Hammers legen aber Wert darauf, dass der Stürmer Abwerbeversuchen leichter widerstehen kann. Sein Gehalt soll auf 160.000 Euro pro Woche erhöht werden – schreibt jedenfalls die Sun. (sid, lü, 30.6.2016)

  • Seine goldene Chance ergriffen dürfte Nordirlands Goalie Michael McGovern haben.
    foto: reuters/mahe

    Seine goldene Chance ergriffen dürfte Nordirlands Goalie Michael McGovern haben.

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