Euler Hermes bestätigt ORF-Rating mit AA-

30. Juni 2016, 16:00
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"Ertragskraft durch Gebührenfinanzierung und die für 2017 geplante Anpassung der Programmentgelte gesichert" – Weitere Ertragspotenziale durch Standortsynergien und Kostensenkungen

Wien – Die Kreditversicherungsgruppe Euler Hermes hat die seit 2014 bestehende Ratingnotation des ORF mit AA- bestätigt. Für die kommenden zwölf Monate wird eine stabile Entwicklung des Ratings erwartet, teilte Euler Hermes am Donnerstag in einer Aussendung mit. Die Ertragskraft des ORF sieht man durch "Gebührenfinanzierung und die für 2017 geplante Anpassung der Programmentgelte gesichert".

Der ORF verfüge über ein "moderates Geschäftsrisiko", so Euler Hermes. Positiv wird etwa der hoheitliche Auftrag des ORF, das österreichische Bundesgebiet mit Hörfunk- und Fernsehprogrammen zu versorgen, beurteilt. Der Medienkonzern verfüge vor dem Hintergrund des mobilen digitalen Wandels und der sich verändernden Seh- und Hörgewohnheiten national über eine gute Ausgangsposition, um neue Erlösquellen zu erschließen.

Risiken

Durch die "multimediale Positionierung und den führenden Qualitätsjournalismus in ausgewählten Genre Clustern" erwartet die Rating-Agentur, dass der ORF seine hohen Marktanteile sichern und die Gebührenlegitimation wahren kann. Risiken bestünden laut Euler Hermes "insbesondere durch regulatorische und kartellrechtliche Vorgaben, die erhöhte Wettbewerbsintensität, konjunkturelle Abhängigkeiten der Werbeetats, die hohe Komplexität der Standortkonsolidierung, Reputationsrisiken und den multidimensionalen Transformationsprozess".

Sender finanziell abgesichert

Das Finanzrisiko des ORF wird als moderat bewertet, eine "Gewinnerzielungsabsicht besteht nicht". Zugleich rechnet Euler Hermes durch die bis 15. November gesetzlich erforderliche Neufeststellung der Rundfunkgebühren mit einer finanziellen Absicherung des Senders: "Die Ertragskraft ist durch Gebührenfinanzierung und die für 2017 geplante Anpassung der Programmentgelte gesichert." Die ORF-Geschäftsführung ließ bisher offen, ob es im Herbst zu einem Antrag auf Erhöhung der Rundfunkgebühren kommt.

Mittel- bis langfristig erwarten die Analysten durch Standortsynergien, Kostensenkungen und multimediale Effizienzsteigerungen weitere Ertragspotenziale. Die erfolgreiche Verwertung des Funkhauses stärke zusätzlich die Eigenmittel für die Finanzierung der Medienstandortkonsolidierung am Küniglberg in Wien sowie für Produktentwicklungen. Die Mittelabflüsse aus Sozialverpflichtungen seien durch angemessene Wertpapierverkäufe und hohe stille Reserven gedeckt. Der ORF verfüge durch angemessene eigene Mittel, am Kapitalmarkt aufgenommene Finanzierungen und die gebührenrechtliche Ermächtigung für Investitionen von rund 300 Millionen Euro bis 2021 über eine "sehr gute finanzielle Flexibilität". Finanzielle Risiken würden durch eine diversifizierte und konservative Portfoliostruktur des Wertpapierbestands und den abgeschlossenen Kollektivvertrag begrenzt.

Rahmenbedingungen stimmen

Die Unternehmensgruppe verfüge über angemessene Rahmenbedingungen, Strukturen, Prozesse und Systeme, um ihre strategischen Zielsetzungen erfolgreich umzusetzen und Standortrisiken zu begrenzen. Synergiepotenziale blieben durch die noch nicht abgeschlossene Standortkonsolidierung und Umsetzung der Transformation teilweise noch ungenutzt, so Euler Hermes.

In Ratings fließen zum einen quantitative Faktoren wie Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen ein, zum anderen werden qualitative Beurteilungen über die Produkte, den Markt, die Wertschöpfung sowie die Qualität des Managements berücksichtigt. AA-ist für Firmen eine sehr gute Bewertung im "High Grade"-Bereich. (APA, 30.6.2016)

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