Belgien – Wales: Ein Geheim- oder ein Geh-heim-Favorit

30. Juni 2016, 11:53
46 Postings

Geheimfavorit Belgien trifft am Freitag um 21 Uhr auf Underdog Wales. Die einzig verbliebenen Briten im Turnier schöpfen Kraft aus der Qualifikation. Die vier Punkte gegen den Geheimfavoriten reichen für die Zuversicht, ihn zum Geh-heim-Favoriten zu machen

Lille – Belgien ist in aller Munde und dort seit längerem schon ein sehr heißer Geheimfavorit auf den Titel. Weil bitt' schön: Nummer zwei der Welt, Kevin De Bruyne ein veritabler Brieskicker, Marc Wilmots, der Coach, einer, der nicht zu Unrecht den Kriegsnamen "Kampfschwein" trägt.

Wer sollte die umhauen? Wales vielleicht? Ausgerechnet in Lille, quasi in Spuckweite der belgischen Grenze, wo am Freitag um 21 Uhr (Liveticker auf derStandard.at) gewissermaßen ein Heimspiel im Viertelfinale angepfiffen wird, wie der Brieskicker zufrieden angemerkt hat?

Allerdings hat der Underdog, auf dessen Schultern nun allein die Last ruht, die britische Ballestererehre zu wahren und zu mehren, den Geheimfavoriten zuletzt durchaus alt ausschauen lassen. Gelingt den Walisern, was ihnen am 12. Juni des Vorjahres gelungen ist – da schlugen sie die Belgier in der EM-Qualifikation 1:0 -, wird aus dem Geheim- ein Geh-heim-Favorit, zumal den Belgiern daheim auch nur ein torloser Qualipunkt gelungen ist.

Abholen wollen

Das Kampfschwein wiegelt diesbezüglich ab: "Wir haben durch einen individuellen Fehler verloren und haben selbst viele Chancen gehabt." Wenn ein Trainer so etwas sagt, meint er etwas Ähnliches wie der Politiker, der davon spricht, die Kommunikation mit den Menschen draußen verbessern zu wollen, weil es ja darum gehe, die Güte der getroffenen Anstalten jenen Menschen auch nahezubringen, die man dort, wo sie warten, nunmehr abholen werde.

Nicht ganz unverschmitzt sagt da Chris Coleman, Wilmots walisisches Pendant: "Ja, wir sind die Underdogs. Aber es gibt nichts, vor dem wir eingeschüchtert sein müssten, es gibt keine Angst." Gareth Bale, der bei Real Madrid performende einzige Starkicker bei den Walisern, hat vor einem Jahr das Tor erzielt, "mein wichtigstes Tor für Wales". Daraus ergibt sich: "Wir haben sie schon einmal geschlagen, und hoffentlich tun wir es wieder."

Mit Freunden auf Urlaub

Coleman kann sich dabei auf eine Crew stützen, die – Bale und vielleicht noch Aaron Ramsey ausgenommen – bloß das sind, was man "elf Freunde" nennt, die aber zusammen eine Kraft entwickeln können, mit der der Welt manchmal der sprichwörtliche Haxn ausgerissen werden kann. In die Wissenschaft vom Ball ist das zuletzt als "Sigthorsson-Effekt" zu den Akten genommen worden. Bale umschreibt das bisherige Turnierfeeling so: "Es ist wie mit Freunden im Urlaub. Wir machen Rätsel, wir spielen Tischtennis, wir machen alles zusammen. Das ist manchmal auch anstrengend, aber wir genießen es."

Bale beschreibt damit das Gegenteil dessen, was aus dem belgischen Turnierlager gemeldet wird. Von dort wurde nach der Auftaktniederlage gegen Italien – das eine überraschend gewitzte, ungemein flexibel agierende Mannschaft nach Frankreich geschickt hat – Zwietracht und Hader gemeldet. Und nun muss Wilmots verletzungsbedingt auf Abwehrspieler Jan Vertonghen, vielleicht auf Kapitän Eden Hazard und sicher auf den gelbgesperrten Innenverteidiger Thomas Vermaelen verzichten. Dass das eine wirklich fundamentale Schwächung wäre, behauptet er allerdings nicht. Kollege Coleman hätte ihm das auch nicht geglaubt. Der rechnet weiterhin mit einem belgischen Offensivlauf und sagt: "Wenn gegnerische Teams offen spielen, können wir eine Menge Schaden anrichten." (sid, wei, 30.6.2016)

EM-Viertelfinale, Freitag

Wales – Belgien
Lille, Stade Pierre Mauroy, 21 Uhr, SR Skomina (SLO)

Mögliche Aufstellungen:

Wales: 1 Hennessey – 2 Gunter, 5 Chester, 6 A. Williams, 4 Davies, 3 Taylor – 7 Allen, 16 Ledley, 10 Ramsey – 11 Bale, 18 Vokes

Ersatz: 12 Fon, 21 Ward – 15 Richards, 19 Collins, 8 King, 17 Cotterill, 22 Vaughan, 13. G. Williams, 14 Edwards, 9 Robson-Kanu, 20 J. Williams, 23 Church

Belgien: 1 Courtois – 16 Meunier, 2 Alderweireld, 15 Denayer, 21 J. Lukaku – 4 Nainggolan, 6 Witsel – 11 Carrasco, 7 De Bruyne, 10 Hazard/14 Mertens – 9 R. Lukaku

Ersatz: 12 Mignolet, 13 Gillet – 23 Ciman, 18 Kabasele, 8 Fellaini, 17 Origi, 20 Benteke, 22 Batshuayi

Es fehlen: 3 Vermaelen (gesperrt), 5 Vertonghen (verletzt)

Fraglich: 10 Hazard (Oberschenkelzerrung), 19 Dembele (Knöchelverletzung)

  • Kevin de Bruyne steht wieder im Mittelpunkt.
    foto: apa/afp/emmanuel dunand

    Kevin de Bruyne steht wieder im Mittelpunkt.

Share if you care.