Canonical will von Hostern Geld für Verwendung der Marke "Ubuntu"

30. Juni 2016, 11:26
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Zwischen ein bis zwei Euro pro Virtual Private Server – Nur sehr kleine Hoster ausgenommen

Als Mark Shuttleworth vor mehr als einem Jahrzehnt Ubuntu gründete, hatte er einen recht klaren Plan: Die Anfangsphase wollte der aus Südafrika stammende Milliardär finanzieren, danach sollte sich die Linux-Distribution – beziehungsweise die dahinter stehende Firma Canonical – selbst tragen können. Diese Hoffnung ist bisher aber nicht aufgegangen, also versucht sich das Unternehmen an immer neuen Ideen, um zusätzliche Einnahmen zu kreieren. Das neueste Experiment in diese Richtung sorgt dabei nun für Aufregung.

Markenrecht

Canonical will künftig in manchen Fällen Geld für die Verwendung der Marke Ubuntu sehen, wie Golem berichtet. Dabei geht es allerdings nicht um die Endkunden sondern um Hosting-Anbieter. Für jede Instanz eines Virtual Privat Server oder einer Public Cloud Instance will Canonical demnach unter gewissen Voraussetzungen ein bis zwei Euro monatlich erhalten. Wer sich daran nicht halte, dürfe den Namen Ubuntu nicht nutzen, wirft der Hosting-Anbieter OVH, der diese neue Praxis öffentlich gemacht hat, Canonical vor.

Dass es dabei durchaus um relevante Summen geht, demonstriert ein Blick auf die Daten von OVH selbst: Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben 250.000 physische Server, auf denen jeweils dann noch mehrere virtuelle Server laufen. Global dürfte es hier also angesichts der Popularität von Ubuntu im Cloud-Bereich um mehrere Millionen Euro gehen. Ausnahmen gebe es nur für "sehr kleine" Hoster.

Anpassung

Bei Canonical widerspricht man dem Bericht nicht grundlegend, liefert aber weitere Details. So falle die Gebühr im konkreten Fall deswegen an, weil OVH den Ubuntu-Kernel für die eigene Plattform modifiziert – wie es viele Hosting-Anbieter tun, um das System zu optimieren oder zusätzliche Funktionen zu bieten. Damit gelte die normale Lizenz für die Cloud-Images von Ubuntu aber eben nicht mehr, also müsse eine neue erworben werden, wie aus der Trademark Policy von Canonical hervorgeht. Damit entstehe auch für Canonical ein Mehraufwand, immerhin gilt es hier eine neue Qualitätskontrolle durchzuführen, damit nur Images unter dem Namen Ubuntu angeboten werden, die auch entsprechend gut gepflegt würden. Alles andere würde nicht zuletzt auch dem Namen Ubuntu schaden. Diese sehr strikte Trademark Policy war in den letzten Jahren immer wieder kritisiert worden.

Für die Hoster stellt sich damit jedenfalls eine schwierige Situation. Immerhin geht es bei den Markenrichtlinien nicht bloß um die Nennung des Namens auf der Webseite sondern auch um die Verwendung von Logo und Schriftzug in der Distribution selbst. Wer sich nicht auf den Deal mit Canonical einlässt, darf also künftig auch seinen Kunden keine eigenen Ubuntu-Images mehr anbieten. Da Ubuntu die bekannteste aller Linux-Distributionen ist, wird den Hostern also wenig übrigbleiben als die Lizenzahlungen an Canonical vorzunehmen, und in Folge die Kosten an die Kunden abzuwälzen. (apo, 30.6.2016)

Link

Ubuntu

  • Die Ubuntu Cloud. Frei aber zumindest für manche Hoster nicht mehr kostenlos.
    grafik: canonical

    Die Ubuntu Cloud. Frei aber zumindest für manche Hoster nicht mehr kostenlos.

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