Attentäter des Istanbuler Anschlags kamen möglicherweise aus Tschetschenien

30. Juni 2016, 11:58
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Makler, der Attentätern Wohnung vermittelte, will russischen Ausweis gesehen haben – 13 Verdächtige festgenommen

36 Stunden nach dem Anschlag auf den Flughafen Atatürk in Istanbul sind erste Details über die Attentäter bekannt geworden. Zum Ablauf des Angriffs, bei dem sich drei Terroristen in die Luft sprengten, gibt es weiter verschiedene Versionen. Die Zahl der Opfer ist am Donnerstag auf 42 gestiegen. Unter Berufung auf Ermittlerkreise meldeten türkische Medien, die drei Attentäter seien bereits vor 32 Tagen nach Istanbul gekommen und hätten eine Wohnung im ersten Stock eines Hauses im Stadtteil Fatih auf der europäischen Seite gemietet.

Die Wohnung im Horhor-Viertel von Fatih liegt in der Nähe der Şehzade-Moschee und der Şehzadebaşi-Straße, wo am 7. Juni ein anderer Terroranschlag auf türkische Polizisten verübt worden war. Zu diesem Anschlag hatte sich eine Splittergruppe der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bekannt. Der Terroranschlag vom Dienstagabend auf den Flughafen Atatürk wird dem "Islamischen Staat" (IS) angelastet. 13 Personen wurden nach Agenturangaben bis jetzt verhaftet, ob sie in direktem Zusammenhang mit dem Attentat stehen, ist unklar.

Russische Dokumente

Der Makler, der den drei Attentätern die Wohnung vermittelte, soll für den Mietvertrag einen russischen Ausweis von einem der Männer gesehen haben. Die Attentäter mieteten die Wohnung im konservativen Stadtteil Fatih für ein Jahr. Überwachungskameras auf den Straßen sollen einen Teil des Weges der Männer am Dienstagabend verfolgt haben. Demnach verließen die Attentäter ihr Haus um 20.35 Uhr mit Rucksäcken und Rollkoffern. Drei Minuten später wurden sie von einer anderen Kamera in Nähe der U-Bahn-Station Aksaray, einem Verkehrsknotenpunkt, gesichtet.

Um 20.45 Uhr stiegen sie in ein Taxi und fuhren Richtung Flughafen Atatürk. Türkische Medien fanden den Taxifahrer, der die drei Männer auf der breiten Vatan-Straße in Fatih aufnahm: Es war kurz nach Sonnenuntergang und dem Beginn des Fastenbrechens im Ramadan; sehr wenige Menschen sind um diese Zeit in Fatih auf der Straße.

Ausländische Sprache

Die drei Attentäter hätten auf Türkisch nur den Flughafen als Ziel angegeben, aber sonst in einer ausländischen Sprache gesprochen, erzählte der Taxifahrer. Die Männer seien sehr ruhig gewesen. Er brachte sie zum internationalen Terminal, sie zahlten und stiegen aus.

Den Medienberichten zufolge warteten die drei Attentäter eine halbe Stunde, bevor sie zur Tat schritten. Mindestens einer von ihnen soll Tschetschene gewesen sein, seine Initialen werden mit O. V. angegeben. Laut anderen Berichten war ein Kommando von acht Terroristen an dem Anschlag beteiligt. Ein Mann sei gefasst worden, behauptete das islamistische Boulevardblatt "Yeni Şafak" in seiner Ausgabe vom Donnerstag. Drei Terroristen starben, vier seien geflüchtet. (mab, red, 30.6.2016)

  • Entsetzen am Flughafen Atatürk nach den Anschlägen.
    foto: afp photo / ozan kose

    Entsetzen am Flughafen Atatürk nach den Anschlägen.

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