Egyptair-Absturz: Flugschreiber bestätigen Feuer an Bord

30. Juni 2016, 16:53
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Attentat nun eher unwahrscheinlich, Experten gehen nun in Richtung eines technischen Defekts

Nach Reparatur und Reinigung von Salzablagerungen gelang es einem internationalen Ermittlerteam, den Datenrekorder der über dem Mittelmeer abgestürzten Egyptair-Maschine auszulesen. Am Stimmenrekorder wird noch gearbeitet. Beide Flugschreiber konnten einen Monat nach dem Absturz rund 290 Kilometer nördlich von Alexandria geborgen werden. Die ersten Ergebnisse bestätigen nun, dass Feueralarm ausgelöst wurde. Sie stimmen mit den Daten des automatischen Kommunikationssystems überein, das entsprechende Signale über einen Feueralarm ausgesendet hatte.

Wie die Ermittler am Mittwochabend erklärten, kamen die Meldungen aus den Toiletten und der Flugelektronik im vorderen Teil der Maschine. Teile aus dem Frontbereich des Flugzeuges hätten Schadspuren aufgewiesen, verursacht durch hohe Temperatur und Ruß. Alle Daten vom Start in Paris bis zum Zeitpunkt des Crashs wurden aufgezeichnet.

Attentat eher unwahrscheinlich

Die Untersuchungskommission nimmt jetzt Analysen vor, um die Ursache des Rauches zu identifizieren. Die Theorie eines Attentates, die die ägyptische Regierung gleich nach der Katastrophe am 19. Mai mit 66 toten Passagieren und Crew-Mitgliedern als wahrscheinlichste bezeichnet hatte, steht mit den neuesten Informationen nun nicht mehr im Vordergrund. Zu keinem Zeitpunkt hatte jemand von einem Attentat gesprochen. Die Vermutungen der Experten gehen jetzt eher in Richtung eines technischen Defekts. Die John Lethbridge, ein von der ägyptischen Regierung beauftragtes französisches Spezialschiff, arbeitet unterdessen weiter an der Absturzstelle, um Trümmer und Leichenteile zu lokalisieren und entsprechende Karten für eine spätere Bergung zu erstellen. Französische Forensiker unterstützen die ägyptischen Mediziner bei ihrer Arbeit.

Die ägyptischen Behörden haben im Fall der Egyptair-Tragödie intensiv mit ausländischen Stellen zusammengearbeitet und seit dem ersten Tag Unterstützung organisiert. So wurden etwa die Flugschreiber in den vergangenen Tagen in Frankreich repariert. Das Interesse, möglichst schnell die Absturzursache zu ergründen, ist offensichtlich.

Sinai-Katastrophe ungeklärt

Dieses Verhalten steht ganz im Gegensatz zur Aufarbeitung der Flugzeugkatastrophe auf dem Sinai, wo im vergangenen Oktober ein russischer Ferienflieger mit mehr als 200 Menschen an Bord in der Luft zerborsten ist. Bis heute sind die Hintergründe nicht aufgeklärt. In einem Nebensatz in einer Rede hatte Präsident Abdelfattah al-Sisi vor einigen Monaten zwar die These eines Attentats bestätigt, was genau vorgefallen ist, haben die Ermittler aber bis heute nicht publik gemacht. Als Konsequenz leidet der Flugverkehr nach Sharm el-Sheikh bis heute.

Vor wenigen Tagen hat die Fluggesellschaft British Airways angekündigt, den Badeort an der Sinai-Südspitze auch weiterhin nicht anzufliegen und kein Datum für eine eventuelle Rückkehr genannt. Die russische Regierung hat zwar bereits mehrere Delegationen von Sicherheitsexperten nach Sharm el-Sheikh geschickt, aber auch sie zögert den Termin für die Wiederaufnahme der Flüge immer weiter hinaus. (Astrid Frefel aus Kairo, 30.6.2016)

  • Die beiden geborgenen Flugschreiber.
    foto: afp

    Die beiden geborgenen Flugschreiber.

  • Wrackteile der verunglückten Maschine, die im Meer gefunden wurden.
    foto: apa/afp/egyptian military spokes

    Wrackteile der verunglückten Maschine, die im Meer gefunden wurden.

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