Wifo-Plan: So soll Österreichs Wirtschaft wieder ganz nach oben

29. Juni 2016, 17:43
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Das Wifo tüftelt seit einem Jahr an einem Plan, um die Austro-Wirtschaft zurück an die Weltspitze zu führen. Jetzt wurde ein Zwischenbericht präsentiert

Wien – Noch nie war seine Meinung so gefragt wie jetzt, auch wenn er seinen Job bald an den Nagel hängt. Karl Aiginger ist der oberste Wirtschaftsforscher Österreichs. In seinen elf Jahren als Chef des Wifo lief es für die Wirtschaft des Landes großteils gut. Österreich kam besser durch die Krise als die meisten anderen Länder, das Wachstum war höher, die Arbeitslosigkeit niedriger.

Seit einigen Jahren läuft das Rad aber nicht mehr ganz so rund. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Rekordhoch, das Wirtschaftswachstum schwächelt, in Rankings fällt das Land zurück. Bevor Aiginger mit Ende August den Hut draufhaut, hat er für Österreichs Politik noch eine Liste an Reformen parat.

Lebensqualität statt BIP

Das Wifo arbeitet seit einem Jahr an der "Agenda Österreich", einem Plan, der die Austro-Wirtschaft bis 2025 wieder ans internationale Spitzenfeld heranführen soll. In einigen Monaten wird die Agenda 2025 dann fertig sein. Am Mittwoch präsentierte Aiginger einen Zwischenbericht. Er soll der Regierung, die ja angekündigt hat, künftig alles anders machen zu wollen, Orientierung bieten.

Zuallererst fordert Aiginger die Politik auf, nicht mehr nur auf die Entwicklung der Wirtschaftsleistung zu schauen. Oberstes politisches Ziel müsse eine hohe und steigende Lebensqualität sein. Dazu will das Wifo künftig eigene Indikatoren vorlegen, die regelmäßig präsentiert werden sollen.

Liste an Reformen ist lang

Eines der brennendsten Themen ist die steigende Arbeitslosigkeit. Hier fordert das Wifo eine deutliche Senkung der Abgaben und Steuern, die Arbeitnehmer zahlen müssen. Ohne einer Absenkung der Steuerbelastung lasse sich die Arbeitslosigkeit nicht bekämpfen. Finanziert werden könne das Ganze durch eine höhere Grundsteuer, höhere Energiesteuern und die Wiedereinführung einer Steuer auf große Erbschaften.

Viele Arbeitslose müssten sich aber auch weiterbilden, Unternehmer würden nämlich großteils nach Arbeitskräften Ausschau halten, die besser qualifiziert seien. Auch Lehrlinge und Studenten müssten sich in der Wahl ihres Berufs oder Studiums mehr an der künftigen Jobnachfrage orientieren, fordert Aiginger.

Groß denken statt Klein-Klein

Wichtig ist für den Wifo-Chef ein Gesamtkonzept. Er hat dazu ein Beispiel: Wenn man die Steuern auf Energie, also etwa auf Benzin oder Diesel anhebt, dann ist der Aufschrei erst einmal groß. Die Politik habe ÖAMTC, Gewerkschaften und Industrie gegen sich.

Wenn man aber gleichzeitig die Lohnabgaben senkt, die Förderungen für Innovationen erhöht und glaubhaft macht, dass die Abgabenlast in Summe nicht steigt und es weniger Regulierung gibt, dann könne man die verschiedenen Interessengruppen viel eher für sich gewinnen.

Ohne Internet ist es schwierig

Auch wenn die Wirtschaftsleistung nicht das oberste Ziel der Politik sein solle, brauche es in den nächsten zehn Jahren ein höheres Wachstum. Mit den vielen Arbeitslosen und den hohen Staatsschulden schleppe Österreich einen Rucksack mit, der sich kurzfristig nicht anders ablegen lasse. Dazu müsse der Staat in Infrastruktur investieren.

Der Breitbandausbau gehöre am ländlichen Land endlich vorangetrieben, das blockiere Investitionen. Generell fällt Österreich zurück, was Innovationen betrifft. In einem Innovationsranking der EU sei man von Platz sechs auf Platz elf gefallen. In den USA, in Südkorea und in der Schweiz werden fünf bis sechs Prozent der Wirtschaftsleistung in Investitionen für Forschung, Entwicklung und Software gesteckt, in Österreich sind es nur vier Prozent.

Rückfall bei Umwelttechnologie

Auch im Umweltbereich sei man zurückgefallen, "ohne dass es jemand gemerkt hat", sagt Aiginger. Im Yale-Umweltranking sei man von Platz drei auf Platz zwölf gerutscht. Eine Dekarbonisierung der Wirtschaft sei für Österreich durch den Pariser Vertrag nicht nur Pflicht, sondern auch eine Chance.

Der Start dazu müsse ein Abbau der Subventionen für fossile Energieträger sein, also etwa Steuervorteile für Diesel oder die Förderung von Heizkesseln. Österreich solle alles dafür tun, um bei Energieeffizienz und Umwelt die Technologieführerschaft zu übernehmen, sagt Aiginger. (sat, 29.6.2016)

  • Die Richtung ist klar: Es soll nach oben gehen. Anders als Österreichs Kicker gehörte die heimische Wirtschaft lange zur globalen Spitzenklasse. Das Wifo will den Weg zurück dorthin vorzeichnen.
    foto: apa / jäger

    Die Richtung ist klar: Es soll nach oben gehen. Anders als Österreichs Kicker gehörte die heimische Wirtschaft lange zur globalen Spitzenklasse. Das Wifo will den Weg zurück dorthin vorzeichnen.

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