Studie: Eingereichte nationale Pläne werden Erderwärmung nicht eindämmen

4. Juli 2016, 09:38
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Laut IIASA wäre das Ergebnis immer noch ein Temperaturanstieg von 2,6 bis 3,1 Grad bis Ende des Jahrhunderts

Wien – Die für den Pariser Klimavertrag eingereichten nationalen Pläne zur Senkung der Treibhausgasemissionen reichen nicht, um die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Einer im Fachjournal "Nature" veröffentlichten IIASA-Analyse zufolge, würden die zugesagten Emissionsbegrenzungen zu einem Temperaturanstieg von 2,6 bis 3,1 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts führen.

"Das Pariser Abkommen war ein historischer Fortschritt in der globalen Reaktion auf den Klimawandel und schafft einen flexiblen Rahmen für einen langfristigen Übergang hin zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft", erklärte Studienautor Joeri Rogelj vom Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien. Die Analyse von Rogelj und seinen Kollegen zeigt aber, dass die "beabsichtigten nationalen Beiträge" (Intended Nationally Determined Contributions, INDC, Anm.) zur Senkung der Treibhausgasemissionen, die die einzelnen Staaten vorwiegend für die Zeit von 2020 bis 2030 zugesagt hatten, verstärkt werden müssten, um die Ziele zu erreichen.

Hohe Unsicherheit

In ihrer Analyse gingen die Wissenschafter davon aus, dass die Anstrengungen zur Reduktion der Emissionen nach 2030 im gleichen Ausmaß fortgeführt werden. Dies würde zu einem Temperaturanstieg von 2,6 bis 3,1 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit führen. Das bedeutet, dass die Maßnahmen verstärkt und die globalen Emissionen um drei bis vier Prozent jährlich gesenkt werden müssten, so Niklas Höhne vom NewClimate Institute in Köln. Weil so tiefgreifende Reduktionen in kurzer Zeit schwierig umzusetzen seien, müssten die einzelnen Ländern bereits vor 2030 Maßnahmen ergreifen.

Die Forscher verweisen auch auf zahlreiche Unsicherheiten in diversen nationalen Plänen. So gebe es immer wieder Vorbehalte, etwa dass Emissionsreduktion von Förderungen anderer Länder abhängig gemacht werden. In Summe machen diese Unsicherheiten sechs Mrd. Tonnen Kohlendioxid (CO2) aus, das waren die gesamten CO2-Emissionen der USA im Jahre 2012.

"Unsere Studie zeigt deutlich, dass die aktuellen nationalen Pläne unvereinbar mit dem langfristigen Ziel des Pariser Abkommens sind. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen wollen, benötigen wir schnellere und grundlegendere Veränderungen", erklärte der Direktor des IIASA-Energieprogramms, Keywan Riahi. (APA, 4. 7. 2016)

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