Staatspreis für Gerhard Roth: "Heimatschriftsteller"

Einserkastl29. Juni 2016, 17:00
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Roth wurde der große österreichische Staatspreis verliehen

Vor fast 30 Jahren schrieb der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth über Österreich:

"... ein Land, wie vom österreichischen Karikaturisten Manfred Deix gezeichnet und von Helmut Qualtinger mit Text versehen, so ist es auch ein Land des Gegenteils, des Gegenteils des Gegenteils, das lebende Paradoxon. Vielleicht ist es deshalb so schwer zu fassen, weil es urban ist (Wien) und entsetzlich älplerisch zugleich (Provinz) und weil dieses Urbane immer im Gegensatz zum Älplerischen steht, vor allem aber weil der Österreicher sich ganz anders sieht, als er gesehen wird. Das mag daran liegen, dass er fast seit einem Jahrhundert nicht mehr in den Spiegel gesehen hat." (Das doppelköpfige Österreich, 1987)

Das lebende Paradoxon – sehen wir das heute nicht wieder (oder noch immer) in einem gespaltenen Land?

Gerhard Roth hat jetzt den großen österreichischen Staatspreis bekommen. Er hat an Österreich gelitten, hat die Österreicher messerscharf charakterisiert ("Eine Mischung aus Bauernschläue und Beamtenintrigantentum – das österreichische Wesen"), aber der Verdacht besteht, dass er das Land verzweifelt liebt.

Gerhard Roth hat das doppelköpfige Österreich in vielen genauen Erkundungen vor Ort vermessen. Er ist ein "Heimatschriftsteller" von ungewöhnlicher Klarsichtigkeit und Urteilsschärfe. Der Staat, von dem er jetzt den großen Preis erhält, steht in seiner Schuld.(Hans Rauscher, 29.6.2016)

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