Strengere Kontrollen in Istanbul als in der EU

29. Juni 2016, 17:22
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Sicherheitschecks vor Flughäfen in der Union kein Thema – Gratisstornos möglich

Brüssel/Wien – Nein, die Sicherheitsvorkehrungen hätten keine Mängel aufgewiesen, sagte der türkische Premier Binali Yildirim nach den Anschlägen in Istanbul. Und tatsächlich sind die Einlasskontrollen an türkischen Flughäfen bereits seit längerem strenger als jene in der EU. Bereits an den Eingängen wird das Gepäck geröntgt, jede Person muss durch einen Metallscanner hindurch.

Derlei gab es etwa im März nicht, als am Brüsseler Flughafen Zaventem Selbstmordattentate verübt wurden. Erst danach kontrollierten die Behörden Ausweis und Flugtickets vor Betreten der Eingangshalle. Nach Protesten der Passagiere wegen zu langer Warteschlangen wurde dies wieder rückgängig gemacht.

Keine neuen Ängste schüren

Die EU erwog nach den Brüsseler Anschlägen, die Einführung von Sicherheitskontrollen vor Flughäfen vorzuschlagen. Auf Anfrage des STANDARD teilte eine Sprecherin der EU-Kommission nun mit, dass man zu diesem Zeitpunkt nicht über potenzielle neue Maßnahmen spekulieren wolle, um keine neuen Ängste zu schüren. Grundsätzlich müsse jede neue Regelung angemessen und effizient sein, so die Sprecherin.

Kontrollen bereits an den Flughafeneingängen, wie es sie neben der Türkei unter anderem auch in Israel, Russland und teilweise in Indien gibt, gelten sowieso als umstritten. "Im Endeffekt verlagert man nur das Problem, denn bei großen Flughäfen warten dann die Menschenmengen vor dem Gebäude und geben ein genauso gutes Terrorziel ab", sagte der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt zum STANDARD.

"Verstärkte Streifentätigkeiten" in Österreich

Zu anderen Mitteln hat bereits Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) gegriffen. Per Videobotschaft teilte er am Mittwoch mit, dass "verstärkte Streifentätigkeiten am Flughafen" angeordnet wurden. Zudem seien die Sicherheitskräfte angewiesen worden, "allen verdächtigen Wahrnehmungen sofort nachzugehen". Vor allem der Flughafen Wien sei davon betroffen, hieß es.

Dort war es aufgrund der Istanbuler Anschläge zu Ausfällen gekommen. Ein Hin- und Rückflug der Turkish Airlines von und nach Wien wurde Mittwoch Früh gestrichen. Weitere Ausfälle wurden aber nicht erwartet.

Keine generelle Reisewarnung

Das Außenministerium hält unterdessen daran fest, keine generelle Reisewarnung auszugeben. Reisenden wird aber empfohlen, stark frequentierte Plätze zu meiden. Eine Reisewarnung würde Gratisumbuchungen oder -stornos ermöglichen, die Airlines Turkish Airlines und die Lufthansa Group (inklusive AUA) bieten dies in der aktuellen Situation trotzdem kurzfristig bis 5. Juli an.

Die Anschläge in der Türkei schrecken schon länger die Touristen ab. Der TUI-Konzern, weltweit größter Reiseveranstalter, hat im Vorjahr rund zwei Millionen Urlauber in die Türkei gebracht, heuer sind es voraussichtlich nur halb so viele. In Österreich ist der Stellenwert der Destination Türkei überschaubar: Laut Statistik Austria führten 2015 nur gut vier Prozent der 3,6 Millionen Auslandsreisen in die Türkei. Tendenz sinkend. (ksh, APA, 29.6.2016))

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