Ungewöhnliche Galaxie: Hubble sichtet "kosmische Kaulquappe"

29. Juni 2016, 12:19
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Eine früher häufigere Form von Galaxie ist im nahen Universum selten geworden – LEDA 36252 ist eine der wenigen Ausnahmen

Garching – Mit hellem Kopf und langgestrecktem Schwanz windet sich eine kosmische Kaulquappe durchs tintenschwarze All: Astronomen – oder manchmal auch ihre Presseabteilungen – sind stets kreativ, wenn es darum geht, anschauliche Worte für das zu finden, was sie mit ihren Teleskopen sichten.

Obige Beschreibung stammt vom Hubble Information Centre der ESA und bezieht sich auf die etwa 80 Millionen Lichtjahre von uns entfernte Galaxie LEDA 36252, auch Kiso 5639 genannt. Nicht zu verwechseln mit der 420 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie UGC 10214: Diese trägt zwar ebenfalls den Spitznamen "Kaulquappengalaxie", weil sie seit einer Kollision mit einer kleineren Galaxie einen langen Schweif hinter sich herzieht. Bei ihr handelt es sich allerdings um eine Balkenspiralgalaxie, eine im Universum sehr häufige Form – unsere Milchstraße fällt ebenfalls in diese Kategorie.

Kosmisches Relikt

Kaulquappengalaxien wie die kleine LEDA 36252 hingegen sind selten – zumindest im nahen Universum. In einem Sample von 10.000 Galaxien im lokalen Universum wurden nur 20 Kaulquappen gefunden, berichtet die ESA. Grund dafür dürfte der Zeitfaktor sein: Je näher ein Objekt uns ist, desto näher liegt auch das Bild, das wir von ihm wahrnehmen, an der Gegenwart. Und Kaulquappengalaxien sind eher ein Phänomen der Vergangenheit.

In der Frühzeit des Universums seien Kaulquappengalaxien häufiger gewesen, so die Astronomen. Die in ihnen enthaltenen Sterne sind in der Regel sehr alt. Das gilt zum größten Teil auch für LEDA 36252, allerdings registrierten die Forscher zu ihrer Überraschung auch einige Sternentstehungsgebiete im Inneren der Galaxie: mindestens vier im Schweif sowie einige noch jüngere im Kopf.

Dieser Kopf enthält laut ESA Ballungen von Sternen im Ausmaß von einigen zehntausend Sonnenmassen. Diese Sterne scheinen laut den ersten Analysen fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium zu bestehen und kaum schwerere Elemente zu enthalten. Astronomen vermuten, dass diese Sternentstehungswelle ausgelöst wurde, als LEDA 36252 eine größere Menge an Gas absorbierte, das noch vom Urknall übriggeblieben ist. (jdo, 29. 6. 2016)

  • LEDA 36252, aufgenommen mit der Wide Field Camera 3 (WFC3) des Hubble-Teleskops.
    foto: nasa/esa

    LEDA 36252, aufgenommen mit der Wide Field Camera 3 (WFC3) des Hubble-Teleskops.

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