Lesbos: Polizisten sollen minderjährige Flüchtlinge misshandelt haben

29. Juni 2016, 11:43
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Flüchtlingszahlen auf Balkanroute steigen – 660 Menschen in ungarischem Grenzgebiet gestrandet

Athen/Lesbos – Griechische Polizisten sollen zwölf minderjährige Flüchtlinge auf der Insel Lesbos mehrere Stunden lang festgehalten, schikaniert und geschlagen haben. Das teilte die Hilfsorganisation Ärzte der Welt in einem Brief an Migrationsminister Ioannis Mouzalas mit. Der Protestbrief wurde am Mittwoch in griechischen Medien veröffentlicht.

Der Zwischenfall habe sich am 24. Juni im EU-Registrierzentrum ("Hotspot") von Lesbos beim Dorf Moria ereignet. Nach einem Streit zwischen Flüchtlingen habe ein Stein einen griechischen Polizisten getroffen. Dieser sei außer sich gewesen, habe einen Minderjährigen geschlagen und die anderen bedroht. Als die überwiegend aus Pakistan stammenden Menschen protestierten, seien sie festgenommen worden und hätten die ganze Nacht in einer Zelle der Polizei verbracht. Sie seien dort schikaniert und geschlagen worden, teilte die Hilfsorganisation mit.

Eine Reaktion seitens des Migrationsministers gab es zunächst nicht. Mehr als 3.000 Flüchtlinge sind aktuell gezwungen auf Lesbos auszuharren, bis ihre Asylanträge bearbeitet sind. Während der ersten Wochen sind sie im EU-Registrierungszentrum interniert, auch danach dürfen sie die Insel nicht verlassen. Unter ihnen sind zahlreiche Minderjährige.

300 Flüchtlinge erreichen täglich Serbien

Knapp vier Monate nach der Schließung der Balkanroute sind die Flüchtlingszahlen dort wieder leicht gestiegen. Aktuell erreichen rund 300 Schutzsuchende täglich Serbien, wie aus einer Aufstellung des UNHCR hervorgeht. 55 Prozent davon kommen über Bulgarien, 45 Prozent über Mazedonien. Im Grenzgebiet zu Ungarn sind aktuell mehr als 660 Menschen gestrandet.

Die ungarischen Behörden lassen täglich lediglich rund 30 Schutzsuchende via zwei "Transitzonen" an der Grenze ins Land. Davor würden gut 310 Menschen, großteils Frauen und Kinder teilweise Wochen auf eine Einreise warten, heißt es einem UNHCR-Bericht mit Stand 26. Juni. Dabei würde es sich großteils um Menschen aus Syrien und Afghanistan handeln.

Die Situation im serbisch-ungarischen Grenzgebiet ist laut UNHCR weiterhin "schwierig" und "potenziell explosiv". Das führe zu "Frustration und Spannungen zwischen Asylwerbern und zu vielen illegalen und gefährlichen Grenzübertritten". In den vergangenen Wochen verzeichnete die UN-Organisation täglich zwischen 40 und 240 neu ankommende Flüchtlinge in Ungarn, der Großteil von ihnen reiste illegal ein.

Treffen der Polizeichefs

In Serbien halten sich laut Schätzungen rund 1.800 Flüchtlinge auf, etwa 1.000 von ihnen in der Hauptstadt Belgrad. Sie bleiben nach Angaben von Hilfsorganisationen jedoch lediglich drei bis sieben Tage bevor sie in Richtung Ungarn weiterreisen.

Angesichts der auch in Österreich wieder steigenden Ankunftszahlen aus Ungarn – am Montag waren es laut UNHCR-Zahlen 201– will Österreich Ungarn künftig bei der Grenzsicherung zu Serbien unterstützen. Dazu laufen aktuell Gespräche in Arbeitsgruppen.

Am morgigen Donnerstag treffen sich zudem die Polizeichefs der Westbalkanstaaten sowie Österreichs, Deutschlands und Griechenlands in Wien. Geplant ist nach Angaben des Innenministeriums zudem bei entsprechenden Fortschritten noch im Juli ein Treffen der Innenminister. Bereits am Montag kommen die Staats- und Regierungsspitzen des Westbalkans zu einer Konferenz in Paris zusammen, an der auch Österreich teilnimmt. (APA, red, 29.6.2016)

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