Mordprozess: "I hob mei Oide dawirgt"

28. Juni 2016, 22:53
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41 Jahre alter Steirer soll seine junge Frau vor den Kindern mit Polster erstickt haben

Wien – Kurz danach hat er seinen alten Kumpel in der Steiermark angerufen: "I hob mei Oide dawirgt." Die Rufdaten-Rückerfassung hat den Anruf dokumentiert. Am Dienstag saß der 41 Jahre alte Tischler im Wiener Landesgericht vor Richterin Sonja Weis. Die Anklage: Mord.

Der gebürtige Steirer soll seine um 18 Jahre jüngere Ehefrau in Wien-Penzing mit einem Kopfpolster erstickt haben. Die beiden Töchter des Paares – damals eineinhalb Jahre und sechs Monate alt – befanden sich zu diesem Zeitpunkt im selben Zimmer.

"Dann hat sie aufgehört"

Der Angeklagte bestritt vor den Geschworenen die Tötungsabsicht. Er habe die 23-Jährige während eines Streits aufs Bett gestoßen, wo diese rücklings zu liegen kam. Sie habe auf ihn eingeschrien: "Ich wollte, dass sie zum Reden aufhört." Deswegen habe er sich auf sie gesetzt, sich mit seinem rechten Unterarm auf ihrer Brust abgestützt und ihr mit der linken Hand den Mund zugehalten. Zunächst habe sich die Frau gewehrt: "Dann hat sie aufgehört."

Er habe "das Keppeln" seiner Gattin unterbinden wollen. "Verzeihen Sie den Ausdruck. Als Weststeirer drückt man sich manchmal nicht so elegant aus", entschuldigte seine Verteidigerin Astrid Wagner die Wortwahl. Die Verteidigerin hält es für denkbar, dass die junge Frau an einer Atemwegserkrankung oder einer Nasenscheidewandverkrümmung litt und dadurch ein "lagebedingter Erstickungstod" eintrat. "Das ist nicht schön, was er da gemacht hat", räumte die Verteidigerin ein. Es liege aber kein Mord, sondern eine grob fahrlässige Tötung, allenfalls ein Totschlag vor. "Ich glaube, dass er ein Grobian war. Aber er wollte sie nicht töten", glaubt die Anwältin.

Eifersucht

Unvermeidlich kommt das fast zwingende Motiv ins Spiel: Eifersucht. Der Angeklagte sagte, seine Ehefrau sei ihm nicht treu gewesen: "Sie ist alleine fortgegangen. Einen Freund hat sie gehabt. Sie hat ihn mir auf Facebook gezeigt."

Der 41-Jährige sei "ein fleißiger Steirer", der bei Frauen "weniger Glück" hatte, sagt Wagner. Eine erste, in der Dominikanischen Republik geschlossene Ehe scheiterte nach drei Wochen. Die zweite ging in die Brüche, nachdem er handgreiflich geworden war. Ehefrau Nummer zwei ließ sich scheiden.

Auf einer Baustelle, bei der er beschäftigt war, zeigte eines Tages eine Putzfrau dem Steirer das Foto ihrer attraktiven Enkelin aus Serbien. Diese sei auf der Suche nach einem Mann, gab sie ihm zu verstehen. Binnen kürzester Zeit wurde geheiratet.

Sein Schuldenberg und die Ausflüge der Ehefrau häuften sich. Am Ende stand der tödliche Streit. Am Dienstag Abend wurde der Steirer zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidigerin Astrid Wagner bat um Bedenkzeit, Staatsanwalt Stefan Berger gab vorerst keine Erklärung ab. (APA, red, 28.6.2016)

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