Dichand/Funke: Vor Entscheid über das "Krone"-Syndikat

29. Juni 2016, 07:50
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Schiedsgericht soll demnächst Verträge zwischen Dichand und Funke klären

Essen/Wien – Um die Krone streiten die Gesellschafter von Österreichs größtem Kleinformat schon weit mehr als ein Jahrzehnt. In den nächsten Monaten, wohl im Herbst, könnte eine Schlüsselentscheidung fallen zwischen der Gründerfamilie Dichand und den deutschen Hälfteeigentümern Funke-Gruppe. Und damit auch für den größten Verlagskonzern Mediaprint. Die gehört Krone und Kurier.

Die Essener Funke-Gruppe, einer der größten deutschen Zeitungsverlage, hat 2014 ihre Syndikatsverträge mit den Dichands aufgekündigt. Diese Syndikatsverträge verpflichten die Funke-Gruppe, in der Mediaprint mit den anderen Krone-Gesellschaftern zu stimmen – also den Dichands.

In der Mediaprint bestimmt der Gesellschafterausschuss, kurz Gas. Dort sitzen je zwei Vertreter von Krone, Funke-Gruppe und Raiffeisen. Raiffeisen gehört etwas mehr als die Hälfte am Kurier, die übrigen Anteile dort hält ebenfalls Funke. Bis auf wenige, konfliktträchtige Ausritte – etwa bei der Einstellung des U-Express 2004 und Preiserhöhungen – hielten sich die Vertreter der Deutschen hier an ihre Stimmrechtsbindung.

An den Syndikatsverträgen soll auch die zwischen Gründer Hans Dichand und der Funke-Gruppe Ende der 1980er vereinbarte Gewinngarantie für Dichand und seine Nachkommen hängen. Da geht es um einen hohen einstelligen Millionenbetrag für die Dichands pro Jahr, unabhängig vom Geschäftsgang garantiert. Zur Not müssen die Mitgesellschafter dafür aufkommen.

Ein Schweizer Schiedsgericht soll nun klären, ob und wie die Funkes die Verträge kündigen können. Scheitert ein Vergleichsversuch in diesen Tagen, dann dürfte das Schiedsgericht diesen Herbst entscheiden.

Eine Lösung des jahrzehntelangen Streits muss das freilich noch nicht bedeuten.

Ein Ende der Syndikatsverträge würde jedenfalls die Position der Dichands in Krone und Mediaprint verschlechtern, womöglich sogar ihre Verkaufsbereitschaft erhöhen. Allerdings ist das Erbe des 2010 verstorbenen Krone-Gründers offenbar weiterhin nicht geregelt: Hans Dichand steht auch sechs Jahre nach seinem Tod noch als 50-Prozent-Eigner der Krone im Firmenbuch. Die Familie, Dichands Frau und seine drei Kinder, sollen über die weiteren Medienaktivitäten nicht ganz einer Meinung sein. Das gilt naturgemäß auch umgekehrt für einen möglichen Kauf der Funke-Anteile an der Krone.

Bleiben die Syndikatsverträge und die Gewinngarantie aufrecht, würde die Funke-Gruppe wohl lieber heute als morgen verkaufen. An ihren Anteilen hängen dann allerdings Gewinngarantie und Stimmrechtsbindung, sagen Kenner der Materie. Was den Kreis der potenziellen Käufer wohl auf die Dichands einschränkt, die ein Vorkaufsrecht haben. Krone-Herausgeber Christoph Dichand verwaltet das Erbe, ginge aber mit einem Kauf einiges Risiko in der eigenen Familie ein.

Geschäftsführerstreit

Für den Kurier, der in der Mediaprint vor allem für Deckungsbeiträge sorgt, wird es ebenfalls spannend: Wenn die Funkes die Krone-Hälfte verkaufen, dann wohl auch ihre Anteile am Kurier.

Fürs Erste prolongiert der große Krone-Streit auch einen kleineren: Christoph Dichand würde gerne den Langzeit-Krone-Geschäftsführer Wolfgang Altermann (74) verabschieden. Der freilich will auch noch 2017 bleiben. Für eine Auflösung des Geschäftsführervertrags braucht es aber wieder beide Krone-Gesellschafter. (fid, 29.6.2016)

  • Christoph Dichand, Herausgeber und Erbverwalter.
    foto: toppress austria/karl schöndorfer

    Christoph Dichand, Herausgeber und Erbverwalter.

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