Keine günstigen Ausnahmeregeln bei neuen VOR-Tarifen

28. Juni 2016, 17:18
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Grüne fürchten, dass Pendler auf Autos umsteigen – Forderung nach Ausweitung der Jahreskarte

Wien – Helmut K. ist verärgert: Er fuhr bisher mit dem Bus vom niederösterreichischen Laxenburg zum Wiener Hauptbahnhof und bezahlte dafür 2,20 Euro. Im neuen Tarifsystem des Verkehrsverbunds Ostregion (VOR), das mit 6. Juli in Kraft tritt, wird ihn diese Fahrt 4,40 Euro kosten. Warum?

Der Ticketpreis errechnete sich bisher danach, wie viele Zonen durchquert wurden – in Helmut K.s Fall waren es zwei. Dass er trotzdem 2,20 Euro anstatt 4,40 Euro zahlte, liegt an den zahlreichen Überlappungs- und Ausnahmefällen des jetzigen, noch wenige Tage gültigen Systems: So reicht etwa die Zone, in der Laxenburg liegt, in die Wiener Kernzone zur Station Hauptbahnhof hinein – nicht aber eine Station weiter zum Quartier Belvedere: Wäre K. dorthin gefahren, hätte er 4,40 Euro zahlen müssen.

Erkennbar ist das auf dem grün-grau-weißen VOR-Tarifzonenplan nur, wenn man sehr genau schaut – und sogar dann lassen die zahlreichen Farben, Linien, Knödel und Ziffern manch einen Fahrgast ratlos zurück.

"Transparentere Tarife"

Das neue Tarifsystem soll laut VOR "transparenter" sein: Reisende geben Start und Ziel ein, der Automat oder Computer errechnet den Preis. Wien, Niederösterreich und Burgenland werden zu einem Tarifbereich zusammengelegt.

Weil sich im neuen System Preissteigerungen ergeben, befürchten die Grünen Niederösterreich, dass Pendler künftig auf das Auto umsteigen könnten. Unfair sei für Klubobfrau Helga Krismer auch, dass etwa die 21 Kilometer von Wien-Floridsdorf nach Liesing 2,20 Euro kosten, für die ebenfalls 21 Kilometer lange Strecke von Gmünd nach Vitis in Niederösterreich aber 3,30 Euro verrechnet werden. Dazu VOR-Sprecher Georg Huemer: "Die Fahrt innerhalb von Wien, wo ein Tarif gilt, kann man nicht mit einer Strecke im Waldviertel vergleichen."

Teurer für zehn Prozent der Fahrgäste

Die neuen Tarife orientierten sich weder an Zonen noch an Kilometern, sondern an einem Algorithmus, der unter anderem die Gemeindegrenzen berücksichtigt, erklärt er dem STANDARD. Das heißt, dass es in Zukunft etwa keinen Preisunterschied macht, ob jemand vom Wiener Karlsplatz oder vom Hauptbahnhof nach Niederösterreich fährt. Das sei "fairer". Teurer werde es künftig für rund zehn Prozent der Fahrgäste.

Georg Willi, Verkehrssprecher der grünen Bundespartei, will am Mittwoch eine Alternative zum neuen VOR-Tarif vorstellen. Eine Forderung könnte lauten, die Wiener-Linien-Jahreskarte auf das Umland auszuweiten. Beim VOR hält man davon wenig: "Warum soll jemand, der täglich von Perchtoldsdorf nach Wien fährt, genauso viel bezahlen wie jemand, der aus Sankt Pölten nach Wien fährt und dabei zwischen mehreren Angeboten wählen kann?" (Christa Minkin, 28.6.2016)

  • Der VOR-Tarifzonenplan ist nur noch bis 5. Juli gültig.

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  • Künftig soll es keinen Preisunterschied machen, wo in Wien man in den Zug einsteigt.
    foto: apa / hans punz

    Künftig soll es keinen Preisunterschied machen, wo in Wien man in den Zug einsteigt.

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