Harte Zeiten für gedopte Fahrräder

28. Juni 2016, 16:02
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Begleitmotorräder als mobile Fahndungseinheiten, Wärmebilder als Waffe gegen mechanische Manipulationen bei der 103. Tour

Paris – Beim allerwichtigsten Radrennen werden zur Aufdeckung versteckter Hilfsmotoren erstmals hochentwickelte Wärmebildkameras eingesetzt, Betrüger sollen auf frischer Tat ertappt werden. "Es ist von großer Bedeutung, dass wir Täuschungen entdecken", sagte Brian Cookson, Präsident des Weltverbandes UCI, in Paris.

Der französische Staat hatte die Einführung der Methodik forciert, entwickelt wurden die Kameras vom Kommissariat für Atomenergie und alternative Energien CEA.

Ein Probelauf bei den französischen Meisterschaften in Vesoul verlief erfolgversprechend. "Die Tests waren überzeugend. Selbst ein gestoppter Motor wäre erkannt worden", sagte der französische Verbandschef David Lappartient. Dass Lappartient im Konjunktiv formulierte, überrascht kaum, denn gefunden wurde nichts.

Die neue Maßnahme darf in erster Linie als Abschreckung verstanden werden. Die Wärmebildkameras können während der Rennen von Begleitfahrzeugen aus genutzt werden, sogar die Montage am TV-Helikopter gilt als Option. Zusätzlich kontrolliert die UCI bei der Tour mit einer Methode, die der Verband stets als "äußerst effizient" bezeichnete und bereits seit längerem einsetzt: Mit Magnetresonanz-Untersuchungen per Tablet soll vor und nach den Rennen nach versteckten Hilfsmitteln gesucht werden.

Leicht nachweisbar

Elektrodoping statt Epo, ein unbemerkter Vorteil ohne die Gefährdung der eigenen Gesundheit, der perfekte Betrug scheint angesichts der umfangreichen Vorkehrungen kaum unbemerkt durchführbar. "Motordoping ist relativ leicht zu entdecken, das stimmt mich positiv. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist so groß, dass es schlecht im Profiradsport angewendet werden kann", sagte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin aus Deutschland.

Ähnlich sieht es Top-Sprinter Marcel Kittel, Martins Teamkollege bei Etixx-Quick Step. Der 28-Jährige stellte eine einfache Rechnung auf: "Es muss das Fahrrad vom Sponsor kommen, es müssen ein Mechaniker und dann der Sportler involviert sein. Das sind drei Komponenten. Da muss wenigstens einer mit genug Grips dabei sein, um zu sagen: Das ist scheiße, das machen wir nicht." Klassiker-Spezialist John Degenkolb hofft, "dass die Testverfahren lupenrein sind und alles gesehen wird". Einen Unterschied zu medizinischem Doping sieht er nicht: "Beides überschreitet die Grenze weit, beides ist Betrug."

Ein Fall

Nachweislich überschritten hat die Grenze bisher nur die 19-jährige Belgierin Femke Van den Driessche. Bei den Radcross-Weltmeisterschaften im belgischen Zolder im Jänner war im Rahmen ihres Sportgeräts ein verbotener Hilfsmotor gefunden worden. Im Bemühen um Glaubwürdigkeit kann sich der Radsport keine neuen Fälle leisten, schon gar nicht bei der Tour de France. Gänzlich ausschließen lässt sich der mechanische Betrug jedoch nicht. Jean-Pierre Verdy, bis 2015 Direktor des Kontrollbereichs der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, deutete Motordoping bei der Frankreich-Rundfahrt 2015 an. Betrogen hätte "eine Minderheit, aber es waren wohl mehr als ein Dutzend Fahrer. Viel mehr als noch 2014 und die Jahre zuvor", sagte Verdy dem Magazin Tour.

Der lebenslang gesperrte italienische Dopingarzt Michele Ferrari, einer der Baumeister der Armstrong-Ära, will von Motordoping bereits seit 2005 gewusst haben. (sid, red, 29.6.2016)

Mont-Saint-Michel – Der Gejagte bei der 103. Auflage der Tour de France hat einen Namen: Christopher Froome. Er hat sich diesen Titel erarbeitet, mit Gesamtsiegen 2013 und 2015, aktueller mit seinem formbestätigenden Triumph beim Criterium du Dauphine.

Die Jäger haben auch Namen, und zwar große, das Feld ist stark: Alberto Contador, er hat sich diesen Titel mit Tour-Triumphen 2007 und 2009 verdient. Nairo Quintana, er war schon 2013 und 2015 Froomes bester Jäger. Diesen zweiten Plätzen soll nun der erste kolumbianische Gesamtsieg bei der wichtigsten Rundfahrt folgen, dafür trainierte Quintana in der Höhenluft der Heimat.

Oder Richie Porte, der bei BMC allerdings nur die Hälfte einer Doppelspitze mit Tejay van Garderen ist. Seine Konkurrenten können hingegen auf die volle Unterstützung ihrer Teams zählen. Auch Vuelta-Gewinner Fabio Aru rechnet sich Chancen aus, mit Vincenzo Nibali, dem Tour-Sieger 2014, hat er in seinem Astana-Team einen Edelhelfer. Dieser bereitet sich auf Olympia vor, die Tour macht er en passant. Österreichs Vertreter werden als Helfer fungieren, sie heißen Georg Preidler, Marco Haller, Bernhard Eisel und Patrick Konrad. Letzterer feiert sein Debüt auf der Tour, Preidler und Konrad sind auch Kandidaten für die zwei rot-weiß-roten Olympiastartplätze. Eisel versucht es schon zum elften Mal.

Auf all diese Namen wartet nun eine Zahl: 3535. So viele Kilometer müssen sie bewältigen. Neun der 21 Etappen sind Bergetappen, insgesamt gibt es 21 Anstiege der höchsten Kategorie. Neun Etappen sollten Sprintern besonders liegen. Mittelgebirge finden sich heuer kaum im Plan, auch schwierige Schlussprints gibt es wenige. Vier Etappen enden in Bergankünften. Am Samstag nimmt der Leidensweg in Mont-Saint-Michel seinen Anfang. (APA, red)

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