Computerspiele: Für ein virtuelles Schwert in die realen Pedale treten

1. Juli 2016, 18:26
8 Postings

Forscher untersuchen, wie man Computerspiele mit körperlicher Betätigung wie Radfahren verbinden kann

Wien – Um den Menschen zu helfen, durch mehr Bewegung gesund zu bleiben, empfiehlt es sich, sie dort abzuholen, wo sie gerade sind. Ein Großteil von ihnen verbringt seine Zeit vor Computern, die Gedanken sind in virtuelle Welten verstrickt – was das Abholen nicht unbedingt leichter macht. Wie könnte man also die virtuelle Welt mit der realen Bewegung verbinden?

Forscher des AIT – Institute of Technology und der FH Oberösterreich in Hagenberg haben sich gemeinsam mit dem Spielerverein Austrian Players League und den IT-Unternehmen Fluidtime und Ovos des Problems angenommen. Sie untersuchen im Rahmen des von der Förderagentur FFG unterstützten Forschungsprojekts "Bike'N'Play", wie man reales Radfahren in Computerspielkonzepte einbinden könnte.

Dabei geht es nicht um Fitnessspiele im herkömmlichen Sinn, bei denen die Eingabe mit bewegungssensitiven Controllern erfolgt. "Wir setzen bei bestehenden Videospielen an, die nichts mit Bewegung zu tun haben", erklärt Projektleiterin Elke Mattheiss von der Business Unit Technology Experience des AIT. Ausgehend von der Analyse der Spielmechaniken und verschiedener Spielertypen sollen Designs entwickelt werden, die etwa die Fahrradfahrt zur Arbeit und zurück sinnvoll in die virtuellen Abläufe integrieren.

Wie kann man sich das also vorstellen? "Denkbar wäre ein Erweiterungspaket für ein bestehendes Spiel", erklärt Mattheiss. "Bei Online-Spielen wie World of Warcraft geht es oft darum, Objekte zu sammeln. Der Erhalt spezieller Items könnte mit einer Kilometerzahl, die auf dem Rad zurückgelegt wird, oder bestimmten Orten, die man mit dem Rad anfährt, verknüpft werden." 100 Kilometer auf dem Rad bringen so vielleicht ein neues Schwert oder eine neue Rüstung in der virtuellen Welt.

Andere Ansätze sehen dagegen vor, dass zusätzliche Inhalte, Storys und Hintergrundwissen zum Spiel während einer Radtour vermittelt werden oder dass man durch das Abfahren bestimmter Radrouten entsprechend verknüpfte Territorien in der virtuellen Welt erobern kann.

Wichtige Fragen sind, wie man die Daten technisch sammelt und Spielinhalte während der Rad-fahrt präsentiert. Hier kommen Wearables wie Smartwatches oder Datenbrillen ins Spiel. "Auf dem Fahrrad hat man begrenzte Interaktionsmöglichkeiten", erläutert die Forscherin. "Die Ablenkung darf nicht zu groß sein, um den Radfahrer nicht in Gefahr zu bringen."

Auch die Frage, welche Daten für eine Verwertung im Spiel infrage kommen, ist noch nicht geklärt. Von der Kilometeran- zahl über die Geschwindigkeit bis zu Vitaldaten wie Herzfrequenz oder Kalorienverbrauch ist für Mattheiss vieles denkbar. Die Konzepte sollen auf die Vorlieben bestimmter Spielertypen hingetrimmt werden: "Die einen erforschen und explorieren gerne ohne Zeitdruck eine virtuelle Welt, andere sind auf Wettbewerb, Kooperation oder das Sammeln von Gegenständen aus", erläutert Mattheiss.

Im laufenden Projekt sollen die Möglichkeiten erforscht werden, die sich in diesem Bereich bieten. "Drei bis fünf ausdefinierte Spielkonzepte" werden erarbeitet und gemeinsam mit Spielern der Austria Players League evaluiert. Funktionalität, Ablauf und mögliche Dramaturgien werden in Mock-ups vor Augen geführt. Ein mögliches Nachfolgeprojekt könnte dann eine erste prototypische Umsetzung bringen. (pum, 1.7.2016)

  • Durch Radfahren im Computerspiel Erfolge haben.
    foto: apa/fohringer

    Durch Radfahren im Computerspiel Erfolge haben.

Share if you care.