Island in Ausnahmezustand, Kommentator am Rande des Nervenzusammenbruchs

Video28. Juni 2016, 14:42
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Gudmundur Benediktsson wieder außer Rand und Band

Nizza/Reykjavik – Nach dem Abpfiff im Stadion in Nizza gibt es für den isländischen Kommentator Gudmundur Benediktsson kein Halten mehr: "Wir gehen nach Paris! Ich traue meinen Augen nicht. Weckt mich nie auf! Weckt mich nie aus diesem verrückten Traum auf!", brüllt der Isländer in sein Mikrofon, nachdem Außenseiter Island die Fußballnation England im Achtelfinale der EM geschlagen hat.

Nun wollen viele isländische Fans vor allem eins: zum Viertelfinale nach Frankreich. "Wir versuchen jetzt, so viele Leute wie möglich nach Paris zu bekommen. Wir haben drei Flüge am Tag, aber die werden wahrscheinlich schnell voll sein. Dann gibt es andere Wege", sagte Gudjon Arngrimsson, Sprecher der Fluglinie Icelandair. Die Webseite der Airline Wow Air brach nach dem Sieg gegen England zusammen.

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Bringen Sie ihre Gläser in Sicherheit. Schreihals Gudmundur Benediktsson kommentiert.

Arbeit, Schule, der Alltag auf der Insel – das ist gerade alles egal. "Wir ziehen das jetzt durch. Jeder geht nach Frankreich und unterstützt die Jungs. So einfach ist das", sagt ein Fan, der sich das Spiel auf dem Hügel Arnarholl in der Innenstadt angesehen hat – zusammen mit rund zehntausend anderen Isländern, in blauen Trikots und mit Wikingerhelmen auf dem Kopf. Nicht mal im Stadion in Nizza war es an diesem Abend so laut wie in der isländischen Hauptstadt.

Nach dem Spiel ringen etliche Fans um Fassung. "Ich dachte nicht, dass das überhaupt möglich ist", sagt einer von ihnen dem dänischen Sender DR. Der junge Mann mit Irokesen-Frisur ist den Tränen nah und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Feuerwerke sind in Reykjavík eigentlich verboten, und der sommerliche Abendhimmel ist ohnehin so hell, dass man sie kaum sehen kann, trotzdem schießen die Isländer in dieser historischen Nacht Raketen in die Luft über der Hauptstadt.

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So erlebten die Fans in Reykjavik das Spiel.

Ganz Island ist im Fußballrausch. Eine Nation mit so vielen Einwohnern wie Premier-League-Sieger Leicester: 330.000. Eine Nation, die noch nie zuvor in der Endrunde eines großen Turniers stand, die die Engländer mit leidenschaftlichem Fußball blamiert hat und ungeschlagen im Viertetelfinale steht. "Das hier wird unser Leben verändern", sagt Trainer Heimir Hallgrimsson und spricht damit das aus, was viele Isländer fühlen. So stark hat sich das kleine Land lange nicht gefühlt.

Der Fußballerfolg der kleinen Nation lässt niemanden auf der Insel kalt. Fernsehmoderatorin Maria Sigrun Hilmarsdottir trägt die 22-Uhr-Nachrichten im Island-Trikot vor. Und der Chef des isländischen Wettanbieters Islensk getspa, Stefan Konradsson, schreibt auf Twitter: "Wir haben Millionen wegen dieses Ergebnisses verloren, aber ich fühle mich trotzdem großartig."

Nur um eins machten sich die Isländer zwischenzeitlich Sorgen: den Gesundheitszustand von Gudmundur Benediktsson, der beim Achtelfinal-Einzug Islands gegen Österreich in Ekstase geraten war und bis zum Komplettversagen der Stimme kommentiert hatte. Am Montag lief Benediktsson wieder zu Höchstform auf. "Buht, soviel ihr wollt, Engländer!", sagt er nach dem Abpfiff. "Island fährt jetzt zum Stade de France. Frankreich – Island. Ihr könnt nach Hause gehen! Ihr könnt Europa verlassen! Ihr könnt hingehen, wo ihr wollt! England 1 – Island 2 in Nizza, und das Abenteuer geht weiter." (APA, 28.6.2016)

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