Auch Lehrervertreter fordern Teilzentralmatura

28. Juni 2016, 14:38
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Unterschiede zwischen schriftlicher Prüfung und Kompensationsprüfung würden Systemmangel beweisen, sagt AHS-Vertreter

Wien – Die Lehrervertreter der AHS und Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) orten Probleme bei der Zentralmatura.

Ein Problem zeige sich bei der Kompensationsprüfung: Wenn etwa in Kärnten in Mathematik 84 Prozent der AHS-Schüler diese Prüfung schaffen, in Salzburg aber weniger als die Hälfte, "kann etwas an dem Konzept nicht passen", so AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin zur APA. Auch Roland Gangl (BHS) findet die Differenz bedenklich.

"Irgendwas passt nicht"

Nach Ansicht Quins (Fraktion Christlicher Gewerkschafter/FCG) wird entweder bei der Klausur oder aber bei der Kompensationsprüfung das Falsche abgeprüft. Anders sei nicht zu erklären, dass Schüler plötzlich Dinge beherrschten, die sie kurz davor noch nicht konnten. "Wenn die Schüler das bei der schriftlichen Prüfung nicht können und bei der mündlichen können sie es sehr wohl, muss bei der schriftlichen irgendetwas nicht passen", vermutet BHS-Lehrersprecher Gangl (FCG) den Fehler vor allem beim schriftlichen Teil. An den BHS waren nach der Mathe-Klausur 13 Prozent der Maturanten negativ, nach der Kompensationsprüfung waren es nur noch 5,5 Prozent.

Bei den Kompensationsprüfungen können jene, die schriftlich ein "Nicht Genügend" kassiert haben, die Note mündlich ausbessern. Sowohl bei den Klausuren als auch bei den mündlichen Kompensationsprüfungen in den wichtigsten Fächern werden die Fragen zentral vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) erstellt.

Wenig überrascht zeigten sich die beiden Lehrervertreter von den Leistungsunterschieden zwischen den verschiedenen Schultypen bzw. Schulen und Klassen. Immerhin habe etwa an den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip), wo besonders viele Schüler in Mathematik negativ waren, dieses Fach bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt und sei bisher weniger Stunden unterrichtet worden als etwa an den Handelsakademien (HAK), so Gangl. Quin verweist wiederum auf die je nach Standort unterschiedliche Zusammensetzung der Schüler: "Jetzt ist halt statistisch nachgewiesen, dass an der Schule X in Summe aus den verschiedensten Gründen weniger Leistung erbracht wird als an der Schule Y."

Unterschiedlich schwierig

Kritik übt Quin am Bifie: Wenn heuer in Mathematik mehr als doppelt so viele Schüler ein "Nicht Genügend" hätten wie im Vorjahr und jeweils 50 Prozent weniger ein "Sehr gut" bzw. "Gut", sei das Ergebnis deutlich anders als im Vorjahr. Dem Bifie sei es also trotz eines umfangreichen und teuren Prozederes nicht annähernd gelungen, eine gleich schwierige Matura vorzulegen. "Da stellt sich doch die Frage, ob der Mitteleinsatz in irgendeiner Weise gerechtfertigt ist." Hier sei offenbar eine grundsätzliche Änderung der Methodik notwendig.

Um das System fairer zu machen, plädieren die Lehrervertreter außerdem wie Schüler und Eltern für eine teilzentrale Matura, bei der nur die Grundkompetenzen zentral abgefragt werden. Durch eine solche Reform würde es auch tatsächlich pro Fach nur noch eine Zentralmatura geben und die politisch versprochene Vergleichbarkeit bei der Zentralmatura ermöglicht, betont Quin. Derzeit gibt es in Mathematik und den Fremdsprachen je nach Schultyp verschiedene Varianten, die Beurteilungskriterien sind an den AHS und BHS unterschiedlich.

Unterstützung für ihre Forderung bekommen die Schulpartner von Stefan Hopmann, Bildungsforscher an der Uni Wien. Er trat im Ö1-"Morgenjournal" ebenfalls für eine teilzentrale Lösung ein, bei der Leistungen aus dem Schuljahr in die Note einfließen, die Grundkompetenzen zentral abgefragt werden und ein Teil der Aufgaben schulautonom erstellt wird. Schwankungen wie bei der heurigen Zentralmatura seien immanenter Teil zentraler Prüfungen, aber "deswegen braucht man ein fehlertolerantes System, das ermöglicht, unterschiedliche Leistungsbestandteile zu berücksichtigen". Die Reduktion der Matura auf einen zentral vorgegebenen Test führe zudem zu "Teaching to the Test" und verderbe die Chance auf ordentlichen Unterricht, der die ganze Breite des Faches berücksichtige. (APA, 28.6.2016)

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